Vier Wege aus der fotografischen Krise

10. März 2010

Wer sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt, wird immer wieder in eine Krise hinein rutschen. Nichts will gelingen, kein Bild wird so, wie man es eigentlich haben wollte. Was zunächst mit einer leichten Verzweiflung beginnt, kann bis zur absoluten Fotoverweigerung führen. Krisenstimmung. Beruhigend kann man einwerfen, dass der Krisenbefallene nicht der erste und nicht der einzige Leidende in der Geschichte der Fotografie ist und auch Morgen und Übermorgen eine Vielzahl Fotografen darunter leiden werden. Ich selbst habe schon viele derartige Krisen überstanden und möchte nun ein paar Tipps zur Überwindung geben.

(1) Wechsele das Sujet
All zu oft höre ich, dass ein Landschaftsfotograf nur Landschaften fotografieren kann, ein Architekturfotograf nur Gebäude, ein Menschenfotograf nur Menschen und so weiter und so fort. Natürlich, jeder Fotograf entwickelt eine besondere Gabe, einen besonderen Blick für das Sujet, in dem er sich am wohlsten fühlt. Immer dann, wenn es jedoch im angestammten Sujet nicht mehr weiter geht, sollte man sich einer anderen Sache zuwenden. Dies muss nicht für alle Ewigkeiten sein, sondern nur als eine Phase der Inspiration genutzt werden. Es ist erstaunlich, was einem nach kurzer Zeit alles auffällt, was man vorher nicht beachtet hat. Selbstverständlich werden die Bilder in einem fremden Sujet nicht sogleich große Werke werden. Aber darauf kommt es nicht an. Schließlich ist es eine Art Urlaubsphase, in der man Neues versucht und Unentdecktes finden will.

(2) Wechsele die Kamera
Meine liebste Methode meine Fotografie frisch und interessant zu halten, ist das Wechseln der Kamera. Analog ist das natürlich wesentlich einfacher als in der digitalen Sparte. Manchmal treibe ich es so wild, dass ich urplötzlich mit einer Kamera von 1920 losziehe und mich auf die Eigenarten der damaligen Technik einlasse. Oder ich wechsele das Format. Kleinbild, Mittelformat, Großformat. Alles hat seinen Reiz und gleichzeitig spezielle Anforderungen, die mich aus der tödlichen Routine herausreißen. Wenn ich keine andere Wahl habe, also den bestimmenden Anforderungen des jeweiligen Kameratypes nachgehen muss, hebt mich das aus eingefahrenen Schienen heraus. Es ist grandios, wie aufmerksam man dadurch wieder mit seiner angestammten Kamera arbeitet.

(3) Fange an Neues zu sehen
Nach ein paar Jahren der Fotografie hat man sicherlich schon fast alles fotografiert, was man als interessant betrachtet. Klar, jetzt könnte man von Vorne beginnen und all das, was man schon einmal abgelichtet hat, noch einmal aufs Korn nehmen. Vielleicht werden die neuen Bilder besser als die alten. Aber damit geht man nur einen Wettlauf mit sich selbst ein, der nicht viel bringt. Viel spannender ist die Fotografie von Dingen, die man bisher nicht beachtet hat. Gibt es das denn? Gibt es Dinge, die man im täglichen Leben nicht beachtet? Natürlich! Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird nach kurzem Nachdenken einige dieser unbeachteten Dinge entdecken. Wenn einmal der Anfang gemacht ist, kommt immer mehr Unbeachtetes in den Blick. Wer hier nicht aufpasst, wird daraus schnell ein jahresfüllendes Projekt machen können. Und gerade dies Unbeachtete ist es dann manchmal, was in der Zukunft in ganz anderen Bildern als Nebenwerk wieder auftaucht und das Bild interessant macht. Beschreiben kann man das nur schwer, aber es funktioniert und sollte auf jeden Fall einmal in einer Krisensituation probiert werden.

(4) Beginne den Tag zu planen
Klar, Tageseinteilung und Zeitmanagement sind beliebte Themen. Aber das meine ich jetzt gar nicht. Ich denke an den Dienstagsbaum. Was ist denn das? Vielleicht gibt es auf dem täglichen Weg zur Arbeit einen Baum, an dem man an jedem Dienstag um 7:50 Uhr vorbei fährt. Nun kommt ein Tipp, der überhaupt nicht in einen Foto-Tipp passen will: Schau Dir den Baum bewusst und genau an, aber fotografiere ihn nicht! Das Ergebnis ist phänomenal. Unser Gehirn speichert dieses Bild, speichert die Veränderungen von einem zu nächsten Betrachten und macht daraus eine Vielzahl von Idealvorlagen. Mit etwas Übung kann man locker jeden Tag in der Woche mit einem anderen Blick „terminieren“. So schafft man sich eine Menge Stilvorlagen, die dann in einer Fotosituation an vollkommen anderer Stelle, an einem völlig anderen Ort abrufbar sind. Diese Vorlagen sind es, die große Bilder entstehen lassen. Man darf aber niemals den Fehler machen, irgendwann einmal den Dienstagsbaum zu fotografieren, weil sich dann die Idealvorlagen aus dem Gehirn löschen. Woran das liegt, weiß ich nicht, aber dass es so ist, das weiß ich mit Bestimmtheit.

Definition des Neofotografismus

09. März 2010

Nun mal Tacheles. Mittlerweile glauben allerlei Menschen fotografische Weisheiten als Siegelbewahrer hüten zu müssen und allerlei Heilsprediger verspüren den Drang zur Verkündigung. Ganz im Trend liegt Purismus auf technisch hohem Niveau. Irgendwie sehe ich Parallelen zum Neoliberalismus (gegen Eingreifen des Staates in Wirtschaftsprozesse), die ich als Neofotografismus bezeichnen möchte. Hier nehme ich zwei Ausrichtungen wahr. So steht (a) gegen die Bearbeitung eines Bildes außerhalb der technikbasierten Automatismen und (b) Ablehnung der technischen Selbstverwaltung von Automatikprozessen ohne selektive Duldung durch den bedienenden Menschen. Lies den Rest des Artikels »

Bereits geschenkt zu teuer?

06. März 2010

Ganz im Zeichen der New Media und Social Networks macht sich seit einigen Tagen der Franzis Verlag, Poing, auf den Weg, ein Lehrbuch über die Fotografie als E-Book in die Welt zu tragen. Blogger werden aufgerufen, dieses … nach Pressetext … umwälzende Buch zu bewerben. Lies den Rest des Artikels »

Landung der Monster

28. Februar 2010

Seit geraumer Zeit setze ich mich mit dem Kreativen in der Fotografie auseinander und ziehe die Leser meines Blogs in diese Gedanken hinein. Unlängst sagte mir ein guter Bekannter am Telefon, dass meine Gedanken und meine Fotografie eine Art Virus wäre … einmal befallen, wird es schwer das wieder los zu werden. Nun ja, ich denke nicht, dass es tatsächlich „so schlimm“ ist, aber vielleicht verderbe ich doch einigen Auslöserartisten den Spaß an der unbeschwerten Auslöserei. Ich selbst habe mir vor einigen Wochen den Spaß am unbeschwerten Rumgeballer verdorben, als ich die Aufgabe des Kameratests mit der Lomo LC-A ernst nahm. Nun sind die ersten Bilder fertig und in meinem Gedankenwust kehrt wieder etwas mehr Ruhe ein. Ich bin sozusagen angekommen, bin gelandet. Mit mir sind jedoch auch fotografische Monster gelandet, deren Existenz mich nachdenklich machen. Lies den Rest des Artikels »

Fotografie heute und vor 100 Jahren

16. Februar 2010

Mal ganz befreit über die Fotografie nachzudenken, kann sehr viel Spaß machen. Ganz befreit? Ja, weit weg von der Technik, weit entfernt von Bildern, entrückt von aller Vergleichbarkeit. Wenn wir uns einfach die Fotografie als abstraktes Gebilde durch den Kopf gehen lassen, haben wir die Chance den Kern der Fotografie zu finden. Unfreiwillig bin ich da hinein geschleudert und nun stehe ich in einer Diskussion, die mir richtig schwer fällt. Wo ist die Triebfeder der fotografischen Kreativität? Worin ist das richtige Maß zwischen Überforderung und Unterforderung zu finden? Wie vermeide ich Stillstand und rufe meine beständige Weiterentwicklung hervor? Wann erfüllt sich die „innere Verheißung“, endlich das ultimative Bild zu erschaffen. Treibfeder all dessen ist die Kreativität und der richtige Einsatz aller gegebenen Mittel. Lies den Rest des Artikels »

Kreativität, Routine und Selbsterkenntnis

15. Februar 2010

Vor einigen Tagen habe ich mir Gedanken über die Kreativität im fotografischen Schaffensprozess gemacht. Auslöser war für mich der anstehende Test einer Kamera, die so gar nicht in mein bisheriges Arbeitsschema passen will. Mit einer LOMO LC-A kann ein Fotograf wenig falsch machen, aber wenn er die Fotografie ernst nimmt, kann der Apparat ihn an die Grenzen seiner Kreativität führen. Lies den Rest des Artikels »

Kreativität, Kunst und Kontroverse

07. Februar 2010

Das Drücken des Auslösers ist eine rein mechanische Fähigkeit. Wer fehlerfrei das Auslösen einer Kamera beherrscht, hat noch lange keine kreative Leistung vollbracht. Auch das spätere Ausarbeiten der zum Rohbild gewordenen Ablichtung beinhaltet nur ein begrenztes Maß an Kreativität. Worin ist also das zu finden, was wir allenthalben und vielerorts als Quell des volksbreiten Kunstschöpfens in der Fotografie vor Augen geführt bekommen? Kontrovers betrachtet leben wir in einer Bilderwelt, in der das meiste entweder als Kunstwerk oder als Sondermüll bezeichnet werden kann. Lies den Rest des Artikels »

Kleine Fotoschule – vom Wort zum Bild

31. Januar 2010

Eine kleine Fotoschule ohne Beispielbilder? Wie soll das denn gehen? Heute möchte ich Tipps geben, wie gute Bilder entstehen, bevor man auf den Auslöser drückt. Ohne Technikeinsatz und ohne Wedeln mit gewaltigem Fachwissen gibt es eine Garantie für gute Bilder. Das Hilfsmittel hierzu ist außergewöhnlich preiswert. Es handelt sich um Worte. Ein gutes Bild beginnt mit Worten. Wir alle denken in Worten, drücken Gefühle in Worten aus, vermitteln Eindrücke mit Worten. In all den Jahren habe ich gelernt, zunächst mit Worte ein Bild zu beschreiben, bevor ich es mache. Lies den Rest des Artikels »

Sex in the City

26. Januar 2010

Was wäre die Fotografie, ohne das Abbilden aller Lebensbereiche? Wer nun eine kleine Fotoschule erwartet, in der ich lehrend verkünde, wie man Sexualität in Ausübung fotografiert, wird bitter enttäuscht. Natürlich, ich fotografiere auch in diesem Bereich und habe auch schon reichlich Gedanken und Bilder aus diesem Sujet veröffentlicht. Aber in diesem Blogartikel möchte ich doch ein paar andere Gedanken bewegen. Es geht unter Anderem um die Sexualität, die sich über viele Jahrhunderte in wechselnder Intensität im gesellschaftliche Leben ausdrückt. Lies den Rest des Artikels »

Kleine Fotoschule – die Arbeit mit Modellen

21. Januar 2010

Ein immer wieder interessantes Thema in der Menschenfotografie ist die Arbeit mit Modellen. Jeder ambitionierte Fotograf wird früher oder später an dieser Stelle ankommen. Zunächst klingt das Ganze recht einfach, wird aber schwieriger, wenn man ganz bestimmte Vorstellungen hat. Wenn irgendwelche Bilder gemacht werden sollen, wird sich bestimmt immer jemand finden … wenn ein ganz bestimmter Kontext, ein spezieller Bildausdruck oder sogar künstlerische Fotografie entstehen soll, wird es zunehmend schwieriger. Heute möchte ich einen kleinen Eindruck in diesen Bereich der Fotografie geben.

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