Neujahrsansprache 2012

01. Januar 2012

Liebe Regierende und liebe Regierte, das Jahr 2011 liegt hinter uns. Ein Jahr der Ereignisse und Katastrophen. Natur und Politik haben sich von ihrer schlechten, launischen und wütenden Seite gezeigt und der Mensch, der sich die Welt untertan machen darf, musste erkennen, dass nicht blindes Gefolge zum Heil führt. Lasst uns nicht an gestern denken, sondern mit Bedacht an der Zukunft arbeiten.

„Kein schöner Land in dieser Zeit …“ Wie schön wäre es, wenn wir alle im Mai unter Lindenbäumen sitzend dieses Lied aus voller Brust und ehrlichen Gemütes anstimmen könnten. Am Wüten der Natur können wir auch 2012 nichts ändern, lediglich in kleinen Teilen zu deren Bewahren beitragen. Anders ist es um all jene Dinge bestellt, die uns als Volk national und international betreffen und Auswirkungen auf jedes Einzelnen Leben hat. Die Rede ist von jenen Dingen, die politisch beeinflusst und geregelt werden. Europa soll unsere neue Heimat heißen und trotz allem stecken wir in Kleinstaaterei, deren Verwaltung einer kleinen, hauptsächlich demokratisch gewählten Gruppe obliegen sollte. Dies funktioniert größtenteils zufriedenstellend, nur in der Bearbeitung der daraus erwachsenden Aufgaben werden erhebliche Mängel sichtbar. Wenden wir uns Deutschland zu.

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht …“ Schluss mit dem Kasperl-Theater der Regierungskoalition. Als ein Teil der regierenden Spitze finden wir aktuell eine politische Gruppierung, deren Interessen nur noch auf das eigene Überleben gerichtet ist. Politdarwinistisch hätte sich dieses Deutschlandproblem bereits von alleine erledigen müssen. Das dies nicht geschah liegt alleine daran, dass in einer sozialen Demokratie auch die Schwachen und Minderbemittelten geschützt und unterstützt werden. Es zeugt von mangelndem Respekt dem gesamten Volk gegenüber, dass sich jene sozialunterstützten Elemente noch immer wie Graf Koks von der Gasanstalt aufführen und den Boden der Realität unter den Füßen verlieren. Koks soll in dieser Hinsicht ein adäquates Hilfsmittel sein, aber Halluzinationen ersetzen keine Visionen. Nur auf Basis echter Visionen lässt sich die Zukunft gestalten.

„Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld …“ Bleibt es beim EURO oder wird eine neuerliche Währungsreform ein altes Zahlungsmittel zurück bringen? Nahezu unbedenklich für Deutschland wäre, wenn die Goldmark wieder eingeführt wird. Dies könnte jedoch nur über einen Zwischenschritt erfolgen, in dem das zu ersetzende Zahlungsmittel … in diesem Fall der EURO … parallel von einem wertstabilisierenden Zahlungsmittel … man könnte Schweinehälften dafür einsetzen … eine gewisse Zeit flankiert wird. Die Verderblichkeit von Schweinehälften dürfte ähnlich der des EURO sein und demzufolge gäbe es keine Wertübertragung aus der alten Währung in die neue Goldmark. Ein zusätzlicher Vorteil von Schweinefleisch wäre, dass man nahe der Verderblichkeitsgrenze daraus Wurst machen kann.

„Und in der allergrößten Not, isst man die Wurst auch ohne Brot …“ Man muss keine historischen Quellen bemühen, um die tönernen Füße eines geeinten Europa zu erkennen. Die Schuld daran liegt nicht an Europa selbst, sondern an der Idealisierung regierender Parteipolitik bei gleichzeitiger Verherrlichung der alleinigen Heilkraft der internationalen Märkte. In dieser Einschätzung sind sich, trotz aller Uneinigkeiten, alle Regierenden Europas einig. Und weil sich Einigkeit so schön monetär ausdrücken lässt, wird nationales Wirtschaftsdenken europäischer Doktrin unterworfen und zur professionellen Verwaltung an Geldinstitute übergeben. Waren Banken noch vor Jahrzehnten konservative Risikovermeider, haben sie sich verjüngt und modernisiert, um haltlose Spieler und Zocker mit der weltweiten Suche nach dem Glück zu beauftragen. Alles auf die 13, die 0 gewinnt. Nachdem auch das gemeine Volk hat einsehen dürfen, dass Wirtschaft heute der Ersatzbegriff für Volk ist, muss jetzt in allen Wirtschaftsbereichen die Gesundung herbeigeführt werden … sowohl in der Geldwirtschaft, als auch in der Volkswirtschaft. Kranke werden medizinisch versorgen. Die Wirtschaft ist krank. Würde sie zum Arzt gehen, bekäme sie 3mal täglich 20 Tropfen „Magisches Viereck“ verordnet. Schade nur, dass das 1967 in Kraft getretene Stabilitätsgesetz nicht so recht zur aktuellen Europadefinition passen will. Es ist immer wieder tragisch, wenn ein Patient an einer Grippe stirbt, weil das heilende Mittel aus Glaubensgründen nicht verabreicht werden darf. Etwas mehr Offenheit und Flexibilität würde da sicher helfen.

„Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein …“ Demokratie nach deutschem Muster funktioniert auf der Grundlage einer Regierungsmannschaft. Die Besetzung von Ministerposten sollte der fachorientierten Kompetenz des Auserwählten folgen. Realität ist jedoch, dass Ministerposten als Medaillen in der Koalition verteilt und im parteiinternen Postenbingo vergeben werden. Mit Verlaub, im eigenen Heim wird niemand einen Buchhalter mit dem Bau einer Solaranlage beauftragen, aber im Sinne der parteilichen Stellenbesetzung ist man da schon offener und erheblich experimentierfreudiger. Manche Postengewinner geben sich sogar richtig Mühe und haben partielle Erfolge, aber beim größten Teil der Posteninhaber verringert sich das Gefahrenpotential exorbitant, wenn sie nichts tun. Zudem können nahezu alle Posteninhaber nicht frei arbeiten, da die eine oder andere Bürde drückt. Unabdingbar für die Zukunft scheint, dass beim Eintritt in ein Ministeramt von Seiten des Staates automatisch alle Adelstitel, akademische Grade und jedwedes Vermögen oder Schulden getilgt werden. Unbelastet könnten so die neugeborenen Minister ihres Amtes walten und hätten eventuell sogar noch ausreichend Potential, „Training on the Job“, sich das notwendige Wissen für ihre Amtsgeschäfte anzueignen, ohne über Vergangenes zu stolpern. Und wie in jedem guten Schützenverein braucht es an der Spitze jemanden, der die Marschrichtung vorgibt. Aber wie soll das im deutschen Regierungsgeschäft funktionieren, wenn weiterhin ein fatale Symbiose aus Inge Meysel und Helmut Kohl zwischen engagierter Betroffenheit und aussitzender Machtausübung hin und her taumelt? Fachkompetenz für die ministeriale Amtsausübung ist erlernbar, an der Spitze ist Naturbegabung gefordert. Philosophischem Bildungshintergrund wäre von Vorteil, könnte es in einer Stellenausschreibung lauten … wenig zielführend ist, Deutschland so zu betrachten, wie der Metzger ein Schwein betrachtet.

„Und die aller dümmsten Kälber, wählen ihren Schlachter selber …“ Wäre heute Wahl; käme dies einem politischen Supergau gleich. Weder links noch rechts, ganz zu schweigen von der Mitte, gäbe es keine Partei, die wählbar wäre. Es liegt gewiss nicht an mangelnden Qualifikationen Einzelner. Nur sind diese Qualifikationsträger nicht sichtbar. Auffällig ist nur die perfektionierter Inkompetenz, deren Ausdrucksform die jeweiligen Parteiprogramme ein beredtes Beispiel liefern. Zwar sind nicht alle Programme gänzlich schlecht, aber welche Partei würde es zulassen, im Patchwork-Verfahren … nach dem Aschenputtel-Hülsenfrüchte-Sortierprinzip … etwas Umsetzbares zu gestalten. Wären Parteiprogramme Gegenstand eines Schulaufsatzes, würde alles im Moment Verfügbare mit dem Prädikat „Thema verfehlt“ ausgezeichnet. Somit wünsche ich mir, und auch Ihnen, liebe Regierende und liebe Regierte, dass 2012 die politischen Hausaufgaben gemacht werden, um mit der Bundestagswahl 2013 endlich wieder zu stabilen Verhältnissen zurückzukehren. Bleiben Sie solange gesund.

Kein Rückblick – keine Vorschau

30. Dezember 2011

Das Jahresende ist immer die Zeit, in der fast jeder auf ein Jahr zurückschauen und Resümee zieht. In gleichen Schwange werden auch Prognosen für das kommende Jahr gestellt. Aus berufenem und unberufenem Munde wird Vorschau gehalten. Das Jahr 2011 wurde durch unglaublich viele Ereignisse weltweit geprägt. Freund und Leid dicht gedrängt und von so großer Globalwirkung, dass meine kleinen Erlebnissen unwichtig wirken. Deshalb schweige ich lieber.

2012 lesen wir uns wieder und bis dahin wünsche ich Euch alles Liebe und Gute!

Bimbam – keine Weihnachtsgeschichte

19. Dezember 2011

In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder einmal berufen gefühlt, eine Weihnachtsgeschichte auf meinem Blog zu veröffentlichen. In diesem Jahr ist es mir nicht danach. Vielleicht wird man mit zunehmendem Alter des Weihnachtsfestes überdrüssig. Oder irgend ein anderer Grund steht zwischen mir und meinen Weihnachtsgefühle. Aber darauf kommt es gewiss auch nicht an. Weihnachten, bimbam, und ich bleibe lieber in meiner Fotoecke. Lies den Rest des Artikels »

Das erste Bild auf dem Film

15. Dezember 2011

Auf meiner Reise durch das Web habe ich vor wenigen Tagen eine interessante Sache gelesen. Da sammelt eine Fotografin tatsächlich die ersten Bilder eines Films. Also genau jene, die zumeist nur als Hauch einer Abbildung vorhanden sind. Faszinierend! Bisher habe ich diesen Teil des Films immer weggeworfen. Unglaublich, welche feinen Bilder so in den ganzen Jahren in die Mülltonne gewandert sind. Lies den Rest des Artikels »

Let’s get the Cover of the Rolling Stone

13. Dezember 2011

Musiker und Fotografen sind ähnlich verrückt. Sie sind beseelt von dem „Ding“, das sie mit aller Liebe betreiben und wollen im Rampenlicht stehen. Das Musik-Magazin „Rolling Stone“ wurde 1967 gegründet und wer es mit seinem Konterfei auf das Cover dieses Magazins geschafft hatte, der hatte es wirklich geschafft. Der Titel des Magazins geht zurück auf ein Lied von Bob Dylan, „like a Rolling Stone“. Wenn ich als Fotograf an Rolling Stone denke, dann erinnere ich mich an die Anfangsjahre meine professionellen Fotografie, an Dr Hook mit „Cover of the Rolling Stone“, an natürliche, schöne, wilde Mädchen, ausschweifende Nächte und an raue, unkonventionelle Schwarzweiß-Fotografie. Let’s get the Cover of the Rolling Stone. Lies den Rest des Artikels »

Kackbilder, deren Wert und ihre Verwendung

02. Dezember 2011

Angeblich ist die Welt voller guter Bilder. Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich die Selbstbejubelungen mancher Fotografen im Web so ansieht. Und ja, wer nur genug Aufhebens um seinen Kram macht, bekommt auch genug Jubilierer, die auch noch den letzten Mist gut finden. Das alles ist jedoch keine Erscheinung der Neuzeit. Schon in den Frühtagen der Fotografie gab es das und wird es wahrscheinlich immer geben. Tilla hat auf ihrem Blog heute über Kackbilder geschrieben … ein wirklich mutiger Blog-Post, weil das nur wenige zustande bringen, weil bei einem Eingeständnis der eigene Lack einen Kratzer abbekommen könnte. Lies den Rest des Artikels »

Schnucki aus Kentucky

30. November 2011

Fast nicht zu glauben, kaum bin ich wieder der Dunkelkammer verfallen, kommt ein Hammer-Bild nach dem anderen ans Tageslicht. Und wenn man da so im Rotlicht-Bezirk steht, kann man seine Gedanken kreisen lassen. Ist überhaupt noch das Lied von André Heller bekannt, in dem eine Textzeile „Schnucki, ach Schnucki …“ heißt? Manchmal habe ich das Gefühl, Schnucki ist eine Art Schutzheilige der Fotografen. Auf jeden Fall ist das Schnucki-Ding ein Ohrwurm. Irgendwann überfiel mich das Lied, bohrte sich in mein Hirn und ist nach etlichen Jahrzehnten immer noch zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten präsent. Und wenn ich so durch das Internet schwirre, sehe ich haufenweise Schnucki-Fotografie. „Schnucki, ach Schnucki, foan mer nach Kentucky, …“. Eine Fotografen-Hymne? Lies den Rest des Artikels »

Ohne Korn fehlt mir was

25. November 2011

Kein Alkohol ist auch keine Lösung. Nein, wenn ich hier über Korn rede, dann meine ich gewiss einen Klaren, sondern das allseits heiß diskutierte Korn im Bild. Bereits zu den Zeiten meiner Fotografenlehre, also vor über 30 Jahren, redeten sich die Fotografierenden in der Kornfrage die Köpfe heiß. Darüber vergaßen die Diskutierer das Fotografieren und machten die Fotografie auf theoretischer Basis zum Selbstzweck ihrer kontroversen Fachsimpelei. Ganz ehrlich, ich finde das glattgebügelte Bild zumeist zum speien. Und die Digitalfotografie hat dann dem Ganzen noch ein Tröpfchen Unverstand beigegeben, weil permanent von Rauschen und dessen störende Wirkung die Rede ist. Ganz toll, wenn einer bei meinen Analogbildern Rauschen bemängelt, dann spitze ich immer die Ohren und höre nichts. Also, noch mal zum Mitschreiben: Was digital rauscht und eigentlich nicht wirklich vorhanden ist, ist in der Analogfotografie die Sichtbarwerdung des Silberkorns, das tatsächlich vorhanden ist. Lies den Rest des Artikels »

Wie soll das Kind heißen?

23. November 2011

Seltsam, seltsam. Jedes Kind braucht einen Namen. Wenn man es rufen will, ist das „Du da, komm mal her!“ reichlich ungeschickt. Wenn das jeder machen würde … kaum auszudenken. Alle hießen sie „Du da“, würden sich beim Ausruf „Du da“ angesprochen fühlen und schon wieder wären wir in der Namensnot. Jetzt kommt es noch schlimmer: Wenn in diesem Umfeld auch ein Produkt „Du da“ hieße, dann würden sich all jene mit dem Namen „Du da“ umdrehen, wenn ich mal wieder vor mich hin fluche, „wo habe ich denn jetzt schon wieder mein ‘Du da’“. Was haben wir in Namensdingen gelernt? Keine Name ist auch keine Lösung! Lies den Rest des Artikels »

Aua-Thema Zonen-System

17. November 2011

An allen Ecken wird über gute Fotografie gesprochen. Der eine Fotograf bemüht dafür eine bunte Sammlung technischer Hilfsmittel, der andere erledigt das mit Bauchgefühl. Am Ende soll doch nur das Bild gefallen und keine Beweisführung der fotografischen Omnipotenz sein. Wenn nichts mehr hilft, wird Zone III angeführt, deren Herkunft den meisten Fotografen schleierhaft ist, sich jedoch trefflich als Killer-Argument verwenden lässt. Das Zonen-System, zurückzuführen auf Anselm Adams, zieht sich durch die fotografische Geschichte wie ein … ja, wie was eigentlich … Lies den Rest des Artikels »

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