Kaffeebecher, Deckenlampe und blanke Brüste
Nichts ist unplanbarer als die ursprünglichste Form der Fotografie: die Lochkamera. Wie zu Beginn des fotografischen Zeitalters bin ich mit der Langzeitbelichtung unterwegs, um das Leben so einzufangen, wie es sich mir bietet. Zugegeben, in den Urzeiten der Lichtkonservierung – etwas anderes ist die Fotografie nicht – gab es noch kein Filmmaterial mit 400 ISO/ASA, keine Rotsensibilisierung und zudem nutzten die Urväter der Fotografie schon objektivbestückte Kameras. Aber kleine historische Ungenauigkeiten sollen uns jetzt nicht stören. Mein Lieblingsfilm ist eben der Rollei R3 und es hat niemand gesagt, dass ich mit einem Schlag zum Puristen mutieren muss, nur weil ich der linsenlosen Fotografie fröne. Und wenn ich alle Lebenssituationen einfangen möchte, dann gehört selbstverständlich auch die linsenlose Aktfotografie dazu.
Lochkamerafotografie. Fotografenregel im obersten Rang: prüfe das Licht, Du kannst nie genug davon haben. Wer mich kennt, der weiß wie egal mir solche Ratschläge sind. Aber als Neuling der Lochkamera wollte ich dann doch nicht ganz so despektierlich an die Sache heran gehen und folgte dem Rat. Kaffeebecher unter die hell leuchtende Deckenlampe, Aktmodell direkt in den Lichtkreis, Belichtungsmessung mit Erfahrungswert Pi-mal-Daumen und los geht’s. Die Lampe leuchtet, ich unterhalte mich mit dem Modell, wir alle sind sehr entspannt und nach der Entwicklung sehe ich, dass der Kaffeebecher den größten Spaß hatte und die Deckenlampe erstmals in ihrer Leuchtkarriere sich vollkommen in Szene setzen konnte. Wer jetzt behauptet, dies sein TrashArt, dem kündige ich die Freundschaft.
Zweite Einstellung – gleiche Dame. Unsere Unterhaltung war recht lebhaft, das gebe ich zu. Wir redeten übrigens darüber, wodurch sich Liebhaber im Alter von 25, 35 und 45 Lenzen unterscheiden und entwickelten Theorien, welche sexuellen Vorteile der 55jährige Mann bieten kann. In einem normalen Akt-Shooting hat man für solch interessante Themen keine Zeit. Ich glaube, mit der Lochkamera werde ich nun häufiger losziehen. Faszinierend auch, wie sie während der Unterhaltung versuchte still zu sitzen, ganz nach guter Modellschule ihre wohlgeformten Brüste in die Kamera hielt und dabei den Kopf emotional nicht mehr unter Kontrolle behalten konnte. Als Fotograf stößt man so in vollkommen neue Dimensionen vor. Nach der Entwicklung kam dann auch hier der Aha-Effekt: Kaffeetassen sind die besseren Modelle, wenn es Bilder im schön-scharf-Modus werden sollen. Aber wer will denn heute noch so was haben? Das können doch sogar schon die Digitalen im Gedankenlosmodus … wobei diese Aussage mitnichten als bösartig gelten soll.
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Tags: Akt, Aktfotografie, Bilder, Brüste, Deckenlampe, Film, Fotografie, Kaffeetasse, Licht, Lochkamera, Rollei R3
21. April 2009 at 11:57
Diese kurven kenne ich
21. April 2009 at 13:42
Aber hallo kennst Du die, Vernon
Ich glaube, wir sollten so etwas wie eine Fotografenbruderschaft gründen …
21. April 2009 at 14:34
sach ma, da oben das erste, ist das nicht trashart!?
nein, im ernst: wie schon geschroben hab ich ja reichlich wenig erfahrung mit pinholeknipserei. wie lange hast du denn im unteren bild belichtet? mich würde interessieren, wie sowas mit kürzerer zeit aussehen würde, sprich eine kleine prise weniger geist an den beinen und etwas mehr pfeffer auf der tasse? wenn sich das überhaupt kürzer machen lässt!?
du siehst: keinen schimmer
21. April 2009 at 19:03
Christian, die exakte Belichtungszeit weiß ich nicht mehr. 10 Minuten? Halbe Stunde? Keine Ahnung. Aber ich wollte genau diese Bewegungsunschärfen. Ich habe die gelebte Kommunikation bei der Aufnahme bewußt herausgefordert. Die Tasse wurde auch mal zum Trinken angehoben und wieder hingestellt.
Aus meiner Sicht ist in der Lanzeitbelichtung der “Pfeffer” darin zu finden, daß aus einem statischen Bild die Bewegungen der Person “abgelesen” werden können.
Klar, mit der Lochkamera kann man auch gestochen scharfe Bilder machen … wenn man will. Wie das geht, hängt von mehreren Parametern ab. Aber das würde jetzt wieder ein ellenlanger Artikel geben, den ich Euch heute ersparen will
25. April 2009 at 22:28
wunderschön, lieber michael! hinweg mit dem ganzen firlefanz, zumindest manchmal. bei diesen beispielen ‘zeitloser’ aufnahmen zeigen sich für mich am ehesten die grundlegend eigenständigen qualitäten und möglichkeiten des mediums. (und PS: was ist denn jetzt der unterschied zwischen 25 bis 55 jährigen liebhabern?…)
26. April 2009 at 07:43
tja, Herr Schneck, die Geheimnisse der Fotografie lassen Fotografen zu Anwälten der Modelle werden – natürlich mit Schweigeverpflichtung