Politisch korrekter Umgang mit Jubelpersern

In der Kunstwelt ist das Wirken des Jubelpersers schon seit Jahrzehnten unentbehrlich. In der aktuellen, weltpolitischen Situation ist es jedoch zweifelhaft, den Begriff des jubelnden Persers in den Mund zu nehmen. Iran war Persien und eigentlich sind Iraner auch Perser, wobei sich die Exilanten Perser und die im Iran Lebenden Iraner nennen. Eine verwirrende Situation. Aber was ist an Politik nicht verwirrend? So setzt unsere Ministerin für Familie, Jugend, Senioren und Volksmoral, Ursula von der Leyen, verstärkt auf Aktivierung des Jubelpersertums und alle Künstler, die seit langer Zeit dieses Aufmerksamkeitsinstrument bewusst fördern und einsetzen, finden hier eine Meisterin des echten und ungebremsten Jubeltums.

War bis gestern die Internet-Zensur das angesagte Jubelthema, wendet sich die Astralgestalt der Volksdemagogie nun der Bildungspolitik zu. Eiskalt rieselt ein Schauer über meinen Rücken, wenn ich beobachte wie schnell und locker sich politisch wichtige Themen auf Jubelniveau reduzieren lassen. Aus Sicht des Marketings habe ich Hochachtung – als mündiger und denkender Bürger wende ich mich angeekelt ab. Wenn Volkes Blickrichtung immer nur auf das Offensichtliche gerichtet wird, kann die sichtbare Oberfläche auf Hochglanz poliert werden und der weiter in der Tiefe liegende Unrat kann ungestört vor sich hin gären.

Was eignet sich dazu, an die Oberfläche gezerrt zu werden? Inhaltsschwere Themen, sei es in der Politik oder in der Kunst, sind für den schnellen Erfolg weniger geeignet, da der Jubel hierzu nur sehr schwer zu initialisieren ist. Der Jubelperser hat übrigens eine lange Tradition und schon in der Geschichte lässt sich zurückverfolgen, wie dieser funktioniert. Gegen Entlohnung ließ sich der Jubelperser zu Ausrufen der Entzückung hinreißen. In der Funktionsweise ist er die umgekehrte Form des Klageweibes. In früheren Jahren bestand die Entlohnung zumeist in Geld. Heute wird wesentlich subtiler gehandelt. „Jubelst Du für mich, dann jubele ich für Dich“, ist heute die gebräuchlichste Form. Analytisch betrachtet ist das sehr einfach: Verleihe ich Dir Glanz, dann verleihst Du auch mir Glanz. Aber was wäre die Weiterentwicklung aller Lebensformen – von Evolution mag ich jetzt nicht reden – wenn sich nicht auch an dieser Stelle eine Neuerung ergeben hätte. Die Neustrukturierung der Medien- und Kommunikationslandschaft hat etwas hervorgebracht, was nicht mehr den simplen Jubelregeln entspricht. Heute verleiht sich der Jubler selbst Glanz, wenn er einer Leitfigur zujubelt. So ist es in der Politik, in der Kunst und in fast allen anderen Bereichen des modernen Lebens. Wer Jubel gibt, wird Jubel ernten. Da hierzu die Masse erreicht werden muss, ist es unabdingbar ausschließlich massentaugliche Themen in den Jubelkreislauf zu bringen.

Politisch korrektes Verhalten gilt als eine Art Ehrenkodex. Alleine die Themen stellen so etwas wie ein Regulativ für das Korrekte dar. Um sicher zu sein, sich nicht die Finger an zu heißen Themen zu verbrennen, erscheint es angeraten, ausschließlich Oberflächlichkeiten zu bejubeln beziehungsweise kritische Meinungen dazu zu äußern. Ich bin mir nicht sicher, aber Opportunismus scheint Maßstab des politisch korrekten Verhaltens zu sein – in der Kunst, in der Politik und im normalen Leben. Das Jubeltum kann nur funktionieren, wenn der reibungslose Einsatz von Jubelpersern gewährleistet wird. Auf Grundlage der aktuellen Ereignisse im ehemaligen Persien schlage ich nun vor, den Jubelperser durch eine Gesetzesvorlage in einen neue Namensidentität zu bringen. Hier, werte Frau von der Leyen, sollten sie tunlichst und schnellstmöglich ansetzen! Einerseits benötigen Sie die Unterstützung der nun Namenlosen dringend für Ihre nächsten Medieneinsätze – andererseits benötigen alle Künstler im gleichen und wirtschaftlich begründeten Maß diese Unterstützung. Namenlose jubeln schlechter, so meine These. Lassen Sie, liebe Ministerin, uns gemeinsam eine neue Namensprägung initiieren, die politisch korrekt ist und gleichzeitig einen Wendepunkt in der Bildungspolitik markieren kann! Als ministeriale Speerspitze der Jugendfürsorge steht es Ihrem ministerialen Amt sicher gut zu Gesicht, der Sprachbildung unserer Jugendlichen eine Aufgabe zu geben. Wie wundervoll wäre es, wenn sich alle Jugendlichen an einem gesetzlich erwirkten Begriffsbildungsprozess beteiligen und Ersatz für den in Zweifel geratenen Begriff „Jubelperser“ erschaffen. Aber bitte, zensieren Sie gleich im Vorhinein Begriffsausprägungen wie „eh, voll der Jubler, eh“.

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2 Antworten zu “Politisch korrekter Umgang mit Jubelpersern”

  1. Michael K. Trout» Blogarchiv » Die Wahrheit über Erwerbskonkurrenten, Vampire und Schlangengrube Sagt:

    [...] sie irgendein Jubelforum im Internet, werden Mitglied, finden zwei oder drei Ratgeber und ein paar Jubelperser. Spätestens an Ostern bieten sie eigen Workshops zum Thema „bessere Fotografie“ an. Nebenbei [...]

  2. Michael K. Trout» Blogarchiv » Blog, Ranking, Kunst und Quote Sagt:

    [...] Hobby und ich will Spaß haben“ herausredet. Selbstverständlich zeitigt diese Taktik Erfolg, weil Jubelperser das devote Unterstatement in den Status der Kunst [...]

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