Wenn keine Gondeln Trauer tragen
Die Schwarzweiß-Fotografie lebt von der Dramatik des Dargestellten. Immer wenn ich Menschen fotografiere, dann klappt das gut. Bevor ich zur Einseitigkeit neige, muss ich auch hin und wieder andere Sujets aufgreifen. Landschaft ist nun einmal überhaupt nicht mein Ding. Drum zwinge ich mich gelegentlich da hinein. Und wenn, dann bitte sehr dramatisch.
Wenn ich mich auf dem Markt der Filme umsehe, entdecke ich in letzter Zeit immer mehr das ausgewogene Material. Genau das will ich jedoch gar nicht. Wenn ich so etwas suche, dann greife ich zur Digitalen. Da bekomme ich das Nette, Freundliche, immer gut Ausgewogene. More Drama, Baby! Wo ist das zu finden?
So wie es aussieht, sind auf Dramatik erpichte Fotografen heute auf ganz spezielle Filme und ein wenig Experimentierfreude in der Entwicklungsarbeit angewiesen. Zudem geht mir die immerwährende Forderung nach Feinkörnigkeit ein wenig gegen den Strich. Das erinnert alles an den Traum von der schönen, heilen Welt. Aber egal, ich muss ja nicht immer mit dem Kopf durch die Wand und habe den „Spürsinn U125“ ausprobiert und ihn dann in „Spürsinn HCD“ (1+15, Standentwicklung, 10 Minuten) gebadet.
Kein Lob, kein Tadel. Der Film ist gut, der Entwickler ist Spitze und Landschaft ist nicht mein Ding. Wenn ich wirklich etwas über den Film sagen soll, dann gebt mir meine Menschen zurück!

Oder ist da doch mehr zu sehen, als sich mir meinem in Menschen verliebten Blick offenbart? Ich weiß nicht … bin ich doch schon zu sehr einem Sujet verhaftet? Gerade habe ich gesehen, dass Christian Baron auch mit dem U125 gespielt hat. Seine Bilder finde ich sehr ansprechen, dramatisch, ja sogar anziehend und gigantisch. Heißt das jetzt, Schuster bleib bei Deinem Leisten? Gleichzeitig grinse ich breit. Die analoge Fotografie ist mehr als spannend … sie ist universell. Wenn im Digitalen technische Werte überwiegen, gibt es im Analogen eine so gewaltig große Vielfalt an unterschiedlichen Faktoren, dass sich das Arbeiten an Bildern wirklich lohnt. Ich arbeite jetzt an Menschenbildern auf dem U125 und schaue mal, was ich da an Dramatik herausholen kann. More Drama … it’s my way!
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Tags: analog, Bilder, Entwickler, Fotografie, HCD, Landschaft, Spürsinn, U125
17. September 2009 at 14:00
More Drama, Baby! Wo ist das zu finden?
Zum Beispiel hier. Und alles total digital.
17. September 2009 at 19:50
Andreas, klar, total digital kann man hervorragend “more drama” machen. Ich weiß das sehr gut und habe es auch schon oft gemacht. Aber schau, wenn ich länger als 5 Minuten an einem Bild herumwirbele, dann habe ich keine Lust mehr. Bei mir geht das ganz einfach: Aufnahme, Film voll, rein in die Suppe, Scanner durchlaufen lassen, in PS den Tonwert prüfen, fertig. Ok, auch vielleicht noch ein paar Fussel entfernen. Aber das ist nur das digitale Bild.
Richtig spannend wird es dann, wenn das Ganze auf Baryt ausbelichtet wird. Richtig echter Fotokarton. Vielleicht noch einen Schuß Selentoner, Trockenpresse, grandios. Aber was soll’s, der eine so, der andere anders. Genau das ist so schön an der Fotografie. Glaubenskämpfe liegen schon lange hinter uns. Jeder so wie er will und mag. Ich habe das analoge wieder voll und ganz zurückgewonnen (für mich) und liebe es mehr als je zuvor … solange es keine Landschaften sind. Ich maaaag nicht. Bei mir sieht das alles so austauschbar aus …
17. September 2009 at 19:54
ach ja, fraglich ist auch, ob die Überzeichnung (also die Entfernung vom Realen) tatsächlich um der Dramatik willen der richtige Weg ist. Nach meinem Geschmack ist das eher nicht der Fall.
18. September 2009 at 00:07
“Real” im realen Sinne ist nicht nur real (oder so). Und wer sich tatsächlich nicht vom Realen entfernen will, der überführt es nicht in ein zweidimensionales Bild und trägt es an einen anderen Ort, um es menschen zu zeigen, denen das “Reale” nur durch dieses Bild vermittelt wird. Oder um es kurz zu fassen: Bilder entstehen im Kopf, nich im Computer, nicht auf Fotopapier. Menschliche Köperteile in zwei oder mehr Grautönen sind mir in der “Realität” jedenfalls ncoh nicht begegnet. Die wenigen Ausnahmen, die es da geben mag, findet man im klinischen Wörterbuch – als Abbildung. So viel zur Frage der Abstraktion.
Deine Begeisterung für das Herumferkeln mit giftigen Substanzen und den kleinen und großen Unwägbarkeiten des Materials kann ich gut nachvollziehen. Ja, wirklich. Ich selbst neige in einer Dunkelkammer zwaz zur Platzangst und vermisse Kaffee und Zigarette, aber die Handarbeit in Raum und Zeit hat zweifellos ihren Reiz. Der ist bei den sparsamen Bewegungen einer Computer-Maus viel geringer. Dafür dauerts länger. Bei mir jedenfalls. An einem Bild kann ich stundenlang fummeln. Und wenn ich dann eine neue Idee habe, mach ich es gleich noch mal. Am Ende des Tages sind dann die Augen müde, aber ich habe mir garantiert keine Hose mit Entwickler bekleckert oder eine ganze Packung Ilford verfeuert.
So ist das eben mit den unterschiedlichen Vorlieben und Arbeitsweisen. Bilder entstehen in jedem Fall. Und wenn die Not ganz groß ist, auch Landschaften, in die man sich das Erotische hereindenken muss. (In diesem Bild wäre zum Beispiel rechts unten ausreichend Platz für eine Mymphe, die Castrop-Rauxel mit der Seele sucht. Oder für etwas ganz anderes.) Aber das muss ich bei vielen Aktaufnahmen auch.
18. September 2009 at 08:41
Andreas, Kippe und Espresso vermisse ich in der Dunkelkammer auch immer. Aber manchmal muß man sich im Interesse der Kunst auch einer Selbstkasteiung unterwerfen können
Ich bin viel zu neugierig, um nur ein gutes Bild zu bekommen. Wenn bei mir ein 36er Film voll ist, dann bin ich unglücklich, wenn da nicht min. 25 gute Bilder drauf sind. Beim Rollfilm wird das noch viel schlimmer. Da akzeptiere ich max. 1, höchstens 2 Nichtgutaufnahmen. Und dann müssen sie raus, müssen sozusagen befreit werden. Das Leben ist für mich pure Fotografie.
Und zu den Grautönen … tja, schwieriges Thema. In der Schwarzweiß-Fotografie setzt das Gehirn des Betrachters tatsächlich die vielen Grautöne in Farbspektren um. Das macht die Schwarzweiß-Fotografie so spannend, weil es noch Interpretationsleistungen vom Betrachter verlangt.
Der Kampf mit Zeit, Raum und Chemie hat einen unglaublichen Reiz! Wieviele Hosen und Hemden in den letzten 30 Jahren dabei draufgegangen sind, weiß ich nicht. Aber glaube mir, jedes Bild war diesen Kleidungsverlust wert!
18. September 2009 at 08:53
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