Ein geiles Fotografenleben (Teil 87)
„Ankomme Freitag den dreizehnten …“ Das Lied von Reinhard May verfolgt mich schon fast mein ganzes Leben. Immer wieder gibt es Tage, auch wenn es Montage sind, die sind einfach Freitag der Dreizehnte. Ich habe einen Fototermin mit einem wundervollen Model und einen nagelneuen Film in der Kamera. Alles müsste gut sein, wenn es nicht diese besagten Freitage gäbe.
Klingklong, es klingelt an der Tür. Pünktlich wie immer steht mein Model vor mir und zum Ausnutzen des knapp bemessenen Abendlichtes wäre alles gut. Schnell noch einen Espresso, dann einen Rattan-Stuhl ins Auto verfrachten und es kann losgehen. Auf den Weg in den Wald droht schon das erste Ungemach. Über den Sommer hat sich der Waldweg zu einer Panzerstrecke mit tiefen Schlaglöchern entwickelt und das Gestrüpp ist bis weit auf den Weg gewachsen. Aussteigen und das ganze Gerödel an den Ort des Geschehens zu tragen, habe ich auch keine Lust. Also hinein mit meinem Scheibenbremsenpanzer in den Waldweg. Dem Model entweicht die rosige Gesichtsfarbe und auch ich habe das ungute Gefühl, nach dem Shooting den Wald wieder zu Fuß verlassen zu müssen.
Nun denn, das Abendlicht macht sich schneller ans Entschwinden, als ich kalkuliert hatte und jetzt ist Ranhalten angesagt. Mit Mut und Gottvertrauen hüpft mein Kombi den Waldweg entlang. An meiner erwählten Waldlichtung angekommen fabriziere ich mit dem Diesel noch eine Wendung auf dem Bierdeckel. Nichts ist störender, als die Gewissheit, nach dem Shooting zu Fuß zurückzutraben. Baum vorne, Baum hinten. Irgendwie klappt dann auch dieser Wendeakt. Nun noch schnell den Stuhl in die Landschaft bugsieren, Entkleidungsphase des Models abwarten und los geht es mit der Fotoarie. Mit einem Extremweitwinkel will ich extreme Bilder machen. Sehr schön! Und in der Kamera soll der „Spürsinn U125“ beweisen, dass er für meine Menschenfotografie das richtige ist. Rund zwanzig Klicks hören sich ganz normal an, bevor auf einmal ungewöhnliche Geräusche auf einen Kamerastreik hinweist. Verschlussprobleme. Mist. Die Sonne zieht sich zurück und ich will auch nicht mehr. Freitag-der-Dreizehnte an einem Montag.
Ich mache es kurz. Kaum ist der Film in der Entwicklerdose, klingelte das Telefon. Über den Austausch von Wichtigkeiten und Nichtigkeiten habe ich die Zeit vergessen. Statt 10 Minuten badet der Film 12 Minuten im Entwickler. Freitag-der-Dreizehnte grinst mir über die Schulter, auch wenn mittlerweile das Rad der Zeit auf Dienstag steht. Gleich wegwerfen oder vorher noch mal kurz drüber schauen? Das Nachsehen zeigt einen halben Film mit halben Bildern. 24×24 Millimeter sind mal was Neues. Kleinbild ganz klein.
Manche Misserfolge müssen erst einmal lagern, damit sie doch noch zum Großen werden. Mittlerweile Donnerstag und mehrere Dutzend Espresso später habe ich dann den FdD (Freitag der Dreizehnte) in einen sunny Sunday verwandet. Nicht übel das Bild und nicht übel das Format. Der U125 hat ein gigantisches Vergrößerungsverhalten. Auch wenn die 24×24-Briefmarke mir persönlich wesentlich zu klein ist, kommen die Bilder im Kameradefektformat gut. Vielleicht sende ich die Bilder zum Postminister … Motivvorschläge für Briefmarken.
[mehr aus dem Fotografenleben]
[home]
Tags: Akt, analog, Defekt, Fotografie, Freitag 13, Kamera, Reinhard May, Sonne, U125, Wald