Gegenlicht – jetzt zeig doch mal!
Über Gegenlicht schreiben ist die eine Sache. Gegenlichtbilder zeigen ist die andere. Ich habe über das Gegenlicht geschrieben, erklärt wie man das macht und worauf man achten sollte. Aber offensichtlich habe ich nicht ausreichend Beispielbilder gezeigt. Zwar dachte ich, die Sachlage wäre klar, aber ich habe mich wohl getäuscht. Das Gegenlicht scheint eines der letzten Mysterien in der Fotografie zu sein.
Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm. „Mit welcher Programmautomatik …? Ich habe von Digitalkameras keine Ahnung und mit Programmautomatiken kenne ich mich nicht aus. „“Machst Du Belichtungsreihen …?“ Ganz ehrlich, ich bin so arrogant, dass bei mir ein Schuss sitzen muss, sonst verliere ich den Spaß an der Sache. „Wenn ich … dann sagen die Leute … und wenn … dann … und wie machst Du das?“ Tja, wie mache ich das? Like it oder leave it. Nichts kann jedem gefallen. Ich mache meine Sachen und richte mich nicht danach, was der Mehrheit zu gefallen beliebt. Gerade für Künstler gilt: Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
Was hat das mit der Gegenlichtfotografie zu tun? Oh, eine ganze Menge! Gegenlicht akzentuiert. Kaum eine andere Art der Fotografie polarisiert mehr, weil nicht das gewogene Bild, sondern der klare Ausdruck mit einem größtmöglichen Schattenspiel messerscharf ins Auge sticht. Gegenlichtfotografie erfordert Mut in jeder Hinsicht.
Moment mal! Ich höre schon den Aufschrei. Oben sagt der Trout, dass er keine Ahnung von Digitalkameras hat? Ja, das stimmt. Vor rund einem Jahr habe ich damit aufgehört und bin wieder vollkommen zum Analogen zurückgekehrt. Seitdem geht es mir besser. Endlich kann ich wieder unbeschwert meine Art der Bilder machen, ohne Technikdiktat. Natürlich gibt es auch in der Analogfotografie Technik und Grenzen, aber die kann ich besser beherrschen. Jeder eben so, wie es ihm beliebt. Und wenn wir schon über Technik und Grenzen sprechen, dann muss ich auch ganz klar sagen, dass ich in den Möglichkeiten des Analogen mehr Spielräume finde und Grenzen leichter überschreiten kann. Neben der irren Auswahl an Kameras und Optiken habe ich wahnsinnig viele unterschiedliche Filmmaterialen. Dann ist da noch der Entwicklungsprozess, in den ich kreativ eingreifen kann. Dann kann ich die Bilder auf den Scanner legen und digital bearbeiten. Zudem ist es möglich, mit den Negativstreifen in die Dunkelkammer zu gehen und richtige Abzüge auf PE-Papier oder gar Baryt zu machen. Oder ich nutze Edeldruckverfahren. Aber dazu schreibe ich in Kürze mehr. Und hier noch ein wenig Analogtechnik zu den gezeigten Bildern gefällig? Film: Spürsinn U125; ISO 125; Entwickler: Spürsinn HCD; Mischung: 1+15; 11 Minuten Standentwicklung; Temperatur: 22 Grad; Bewegung: gelegentlich gegen die Dose getreten.
[home]
Tags: Akt, analog, Bilder, Entwickler HCD, Fotografie, Fotoschule, Gegenlicht, U125



23. September 2009 at 11:39
“… gelegentlich gegen die Dose getreten” ist genau die Message, die mir immer wieder gut tut. Geile Ergebnisse auch ohne Stoppuhr und Verkrampfung, sondern mit einer guten Portion Erfahrung, Mut und Lässigkeit – ich kann das nicht oft genug hören und lache gedanklich schon wieder über dogmatische Forendiskusionen über Prozesse die reproduzierbar beherrscht werden müssen. Und zwar mit dem gebotenen Ernst!
23. September 2009 at 12:30
Gegenlichtfotos sind sehr oft Geschmacksache. Der eine hätte den Schatten noch gerne perfekt durchzeichnet, der andere liebt schwarze Stellen und das harte Spiel des Lichts.
Das macht diese Art der Fotografie ungemein spannend, weil man den “inneren” Blick des Gegenübers kennen lernt.
Umso geiler, wenn auch bei der Entwicklung gespielt wird. Ja, das dagegen treten gefällt mir auch. Ein bisschen Beliebigkeit darf sein, schon um zu zeigen, dass nicht alles, womit gespielt wird, Ernst genommen werden muss
23. September 2009 at 13:57
Also hoppla! Wenn ich gegen die Dose trete, dann mache ich das natürlich reproduzierbar dosiert und mit großer Sorgfalt. Nenene, wie das gleich wieder auf die leichte Schulter genommen wird
08. Oktober 2009 at 19:23
“Vor rund einem Jahr habe ich damit aufgehört und bin wieder vollkommen zum Analogen zurückgekehrt.”
Lustig, Michael – dieser Satz könnte genau so von mir stammen. Meine schäbige Digitalknipse aus Plastik gegen eine 40 Jahre alte SL66 getauscht – die beste Entscheidung meines Fotografenlebens, das damit erst richtig begann. Der U125 kommt übrigens richtig gut, wie ich finde!