Die Verherrlichung des Menschen

Reg170_003jweb Das Thema der Verherrlichung des Menschen ist in unserem Kulturkreis leider vorbelastet. War es doch die Untermauerung des nationalsozialistischen Machtanspruchs, der sich unter Anderem der Fotografie bediente. Bilder von Leni Riefenstahl wurden zur Verherrlichung und später zur Anklage eines Regimes, das sich mit dem Sehnen des Volkes zur Weltherrschaft auf jede nur erdenkliche Weise ins rechte Licht rücken wollte. Es mag perfide klingen, wenn wir heute der Fotografie dieser Zeit huldigen und gleichzeitig den Gedanken dahinter auf das Schärfste ablehnen. Aber ich denke, wir müssen auch bereit sein, das Eine vom Anderen zu trennen. Zudem muss heute jeder erkennen, dass die Verherrlichung des Menschen keine Erscheinung darstellt, die sich ausschließlich auf nationalsozialistisches Denken bezieht.

Wir alle sind in eine Welt des Sehens und Begreifens eingebunden. Die Fotografie ist im Laufe der letzten 100 Jahre immer wichtiger geworden. Keine Botschaft möchte heute auf das beweisende Bild verzichten und kein Produkt kommt um eine Abbildung herum. Es wird also Zeit, in der „kleinen Fotoschule“ das Thema der Menschenverherrlichung nochmals zu behandeln.

Nochmals? Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass nicht jede Fotografie eines Menschen verherrlichend ist. Darüber haben wir uns bereits kritisch auseinander gesetzt. Bildinhalt und Bildausführung sind zwei verschiedene Paar Schuh. Jeder Fotograf zeigt in seinen Bildern unvermittelt seine Art des Umgangs mit Menschen. Despektierlich, wertschätzend, neugierig oder überheblich … die Grundhaltung des Abbildenden ist immer zu erkennen. Der Abgebildete kann darauf keinen Einfluss nehmen. Für die Art der Abbildung ist alleine der Fotograf zuständig. Fraglich ist nur, ob es sich ein Fotograf leisten kann, seine Bilder in einem Fotostil auszuführen, die an das nationalsozialistische Erbe erinnert.

Ich denke, heute sind wir so weit, dass wir kritisch und mit gewachsenem Selbstverständnis mit solcherart Positionierungen umgehen können. Wer mir angesichts der gezeigten Bilder eine Huldigung des rechtsradikalen Gedankengutes unterstellt, wird mehr als nur meinen Zorn ernten. Ich liebe Menschen und liebe es, sie in Bildern zu verherrlichen. Und um allen Kritikern jedwede Oberflächlichkeit zu nehmen, verweise ich auf die zeitgleich zum Nationalsozialismus vorherrschende Fotografie des roten Lagers. Auch der Stalinismus bemühte sich um die Menschenverherrlichung mittels der Fotografie. Zwei totalitäre Unrechtsregime untermauerten durch Bilder ihren Machtanspruch. Wir können daraus lernen, dass die Fotografie gerne vor den Karren der Mächtigen gespannt wird. Diese Gefahr ist auch heute noch gegeben. Aber das liegt wiederum am Fotografen, dies zuzulassen.

Was hat das nun mit der „kleinen Fotoschule“ zu tun? Ich möchte alle Fotografen anhalten, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen und nicht bedenkenlos Bilder zu machen. Erst wenn diese Auseinandersetzung und Positionierung erfolgt ist, wird der wahre Wert eines Bildes erkennbar. Ich persönlich bedauere es sehr, dass heute eine Vielzahl von Bildern nahezu abwaschbar und austauschbar geworden ist. Geschieht dies aus einer Unsicherheit der Fotografen heraus? Immer nur auf technische Grundlagen oder unvollkommenes Wissen zu verweisen, ist aus meiner Sicht vollkommener Blödsinn. Vielmehr scheint es so zu sein, dass das permanente Streben nach der bildlichen Realisierung des Zeitgeistes diese Konturlosigkeit hervorruft. Deshalb spreche ich allen Fotografen Mut zu, sich auch einmal mit Bildgestaltungen zu beschäftigen, die außerhalb des üblichen Rahmens liegen.

Reg170_005jweb Ich habe meine hier gezeigten Bilder ganz bewusst mit einem Filmmaterial gemacht, dass in der soeben kritisch besprochenen Epoche als fotografischer Standard galt. Damals waren diese Filme orthochromatisch und somit für die Farbe Rot „blind“. In die heutige Zeit versetzt, werden mit diesem Filmmaterial Abbildungen möglich, die Konturen gegen den Einheitsbrei setzen und gleichzeitig einer Verherrlichung des Menschen entgegen kommen. Nicht nur der ständige Einsatz von Weichzeichnern macht Menschen schön!

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