Die Männlichkeit im Bild

Reg169_008jweb Meine Serie der „kleinen Fotoschule“ ist nun fast schon ein kleines Buch geworden. Ich schreibe rund um die Menschenfotografie und habe mich auch schon mit der stilvollen Abbildung des Mannes befasst. Aber wenn wir schon beim Thema sind, können wir den Mann auch einmal näher betrachten. Ganz besonders die Aktfotografie mit Männern ist ein eigenes, oft als schwierig bezeichnetes Sujet.

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Kernige Sprüche werden bereits jeder Männlichkeit in die Wiege gelegt. Vielleicht ist es auch eine genetische Veranlagung, dass von einem Mann das Männliche erwartet wird. Mir dreht es jedenfalls immer den Magen um, wenn ich vollkommen unmännliche Darstellungen auf Bildern sehen muss. Aber was ist männlich an der männlichen Darstellung? Stoppelbart, Kippe, Bier? Oder sind nur Helden gefragt, die frei und ungebunden über die Prärie reiten? Und niemalsnie soll der Mann als unterwürfig dargestellt werden?

Ich habe keine Ahnung, wie Frauen Männer gerne sehen möchten. Schließlich bin ich Mann. Und wie Männer Männer sehen wollen, kann ich nur einseitig beurteilen, weil ich heterosexuell bin. Schließt das nun die Fotografie von Männern für mich aus? Nein! Ganz im Gegenteil, weil Männer auch Menschen sind und ich bevorzugt Menschen fotografiere! Was ich nicht mag, ist die unangebrachte Süßlichkeit bei der Abbildung des Mannes. Und ich habe keine Berührungsängste, wenn es um Männer geht. Aus meiner Sicht sind das wichtige Voraussetzungen, für gute Männerbilder.

Reg169_009jweb Warum eiere ich hier so um das Thema Mann herum? In allerlei Fotoforen wird die Fotografie des „starken Geschlechts“ als schwierig dargestellt. Natürlich folgt nicht alles den Regeln, die auf die Aktfotografie mit Frauen anzuwenden sind. Das wäre ja auch öde, wenn nur nach „Schema F“ zu handeln wäre. Wichtiger ist die Darstellung des Geschlechts. Alleine der Körperbau lässt keine Verwechselung mit dem Körper einer Frau aufkommen und gilt schon als unverwechselbare Darstellung des Geschlechtes. Aber da gibt es immer noch ein hervorstechendes Merkmal, um das viele Fotografen großes Aufhebens machen. Zudem schlagen schnell FSK-Grenzen zu. So wird über Neigungs- oder Steigungsgrad des Geschlechtes ein FSK-Definition abgeleitet und auch die Ausgrenzung von autoerotischen Handlungen soll von Jugendaugen fern gehalten werden. Aber der selbst gesteuerte Griff in stellt doch schon eine typische Handbewegung des Mannes dar. Wenn das auch auszugrenzen wäre, dürften Jugendliche unter 18 Jahren auch nicht auf eine öffentliche Toilette gehen.

Fotografen haben es nicht leicht, wenn sie alle Regeln beachten wollen. Wieso machen wir uns nicht ein eigenes Bild von der Männlichkeit? Schließlich sind wir Fotografen und man erwartet von uns Bilder. Ich nutze übrigens gerne das Mittelformat für diese Art der Fotografie, weil es mir eine bessere Gesamtsicht auf den Mann gibt. Und als Filmmaterial wähle ich oft ein hartes Abbildungsmedium, weil all zu viele Grautöne mir zu weich erscheinen. Zum Glück gibt es orthochromatische Filme als Rollfilm. Damit bekomme ich dann die Bilder, die nicht „süßlich riechen“ und den Mann als Mann zeigen. Was ich gar nicht mag, ist die coole Studioumgebung. Irgendwie scheinen Männer nicht für dieses Umfeld passend zu sein. Die besten Bilder zeigen eine Andeutung von Umgebung und Lebensraum. Aber hier muss mit einem gewogenen Maß gehandelt werden. Männer sind kantig und das darf durch die Umgebung nicht negiert werden. Zudem spielt die Belichtungsmessung eine große Rolle. Ich bevorzuge ein deutliches Spiel zwischen Licht und Schatten. Mehr Tipps zum Thema habe ich jetzt nicht.

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