Filmmaterial bis an die Schmerzgrenze
Mittlerweile stecke ich seit Monaten in der Konzeption von neuen, kreativen Filmmaterialien. Eine sehr spannende und manchmal entnervende Aufgabe. Möglicherweise hat dies Ähnlichkeit mit Fließbandarbeit. So genau weiß ich das nicht, weil ich noch nie am Band gestanden habe. Außerdem dient das Fließband zur permanenten Produktion des Genormten. Kreative Filmmaterialien sind alles andere als Norm. Zudem sind sie Fenster zu unbekannten Welten. Gerade läuft die Kreativ-Konzeption für einen Farbnegativfilm, der mich reizt und gleichzeitig abstößt.
Fotografie in Farbe langweilt mich. Das ist eine sehr persönliche Ansicht, der sich wahrscheinlich nicht alle Fotografen anschließen können. Interessant finde ich die Materialien, die Besonderheiten aufweisen und weit entfernt von der Norm liegen. Normale Filmhersteller haben wenig Interesse an Normabweichungen. Rollei-Film und Spürsinn haben in den letzten Monaten Mut bewiesen und gleich drei kreative Filme auf den Markt gehauen. Redbird, Crossbird und Nightbird durfte ich in der Entwicklung begleiten und auch gleich mit schönen Coverbildern ausstatten. Im Grunde sind diese Filme genial, aber nicht wirklich weit außerhalb der Norm. Spürsinn hat dann noch den U125 vollkommen eigenständig erdacht und an den Markt gebracht. Auch hierbei hatte ich meine Finger mit im Spiel. Dieser Film ist weit entfernt vom Normalen, weil er nicht das ausgewogene und glatte Immerschönbild bringt, sondern in Extreme hinein gehen kann. So viel Mut können sich nur kleine Hersteller leisten, die auch die dafür geeigneten Kunden haben. Victory!
Ich lebe schon ziemlich lange in der Welt der Fotografie und konnte eine Menge Erfahrungen sammeln. Oft musste ich die Faust in der Tasche ballen, weil mir Filmhersteller das Normale als Nonplusultra verkaufen wollten. Wo bleibt da meine kreative Einmaligkeit, wenn ich mit Einheitsbrei meine Bilder machen soll? Es ist eine Frechheit, mich auf der Lemmingautobahn auszusetzen, nur weil das Normalzeug größere Absatzmengen garantieren. Deshalb jubele ich über meine Aufgabe, für einen Spürsinn-Exklusivfilm die Forschungssau zu machen. Kreativ, kreativ, kreativ. Aber ist Farbfotografie ohne Farbverfälschung tatsächlich kreativ? Ist denn jetzt Schwarzweiß oder Farbe interessanter?
Nun ja, jedenfalls forsche ich gerade um den Farbfilm herum, der von Knallsonne bis Restlicht alles ins Bild setzen kann. Hellfotografie ist irgendwie normal. Aber im Dunkeln öffnet mir der Film auf jeden Fall das Herz. Ohne Stativ, einfach aus der Hand, will ich einmalige Bilder machen. Das ist dann echt kreativ, weil in Farbe noch Details sichtbar werden, die sonst in Schwarzweiß eben zu sehr Schwarzweiß werden. Jetzt stehe ich vor der Frage, ob ein derartiger Film überhaupt auf Interesse stoßen könnte. Nun bin ich überfordert. Was sagt Ihr dazu?


17. November 2009 at 20:54
in diesem falle gefält mit das farbige um einiges besser als das schwarz weiße. dieses wirkt auf mich zu glatt und die bäume sehen aus wie schwarze flecken.
außerdem mag ich gerade kräftige farben.
und wie sagte schon der weise konfuzius…grobes korn bringt uns nach vorn
für meine dunkelhafenfotos wünsche ich mir einen buntfilm mit etwas größerem belichtungsspielraum.
für gute zeichnung in den schatten und unausgefranste lichter.
ein mittelding zwischen tages- und kunstlichtfilm vielleicht.
20. November 2009 at 18:49
Eigene Unzulänglichkeiten und die Ungeduld, vorhandenes Material den eigenen Zielen “anzugleichen” ganz einfach auf die Hersteller abzuschieben, ist bestimmt zu kurz gegriffen. Wer sich mal – damals – mit dem wahrhaft breiten Filmsortiment von Kodak beschäftigt hat, weiss, was ich meine.
22. November 2009 at 10:52
Ich nehme an, in der analogen Fotografie werden wir noch recht lange an der Wiederentdeckung von diversen Filmeigenschaften “basteln”. Auch mir ist aufgefallen, daß viel von dem, was wir vor 10 oder 20 Jahren als sichere Bewegungsräume hatten, heut so nicht mehr verfügbar ist.
Zwar haben wir heute wieder eine Filmvielfalt, wie sie es seit Jahren nicht mehr gab, gleichzeitig sind die Spielräume bei den meisten Filmen geringer geworden.
Winni, das war ein wichtiger Einwand von Dir! Wir dürfen nicht die Verantwortung der Anwendbarkeit auf die Filmhersteller verschieben. Gleichzeitig wünsche ich mir breitere Einsatzmöglichkeiten. Berni, der von Dir geäußerte Wunsch trifft es schon recht genau, wobei Tag-/Kunstlichtkombis wiederum technisch nicht so einfach sind. Schöner wäre eine Möglichkeit, daß im Hoch-ISO-Bereich ein universeller Film mit einprägsamen Farben zu Verfügung steht. Die Korndiskussion finde ich sowieso langweilig.
27. November 2009 at 20:37
Hier gefällt mir die farbige Variante eindeutig besser. Die Farben ist kräftig und harmonisieren sehr miteinander. Das finde ich einfach spitze. Ich bin gespannt.
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