Elf Regeln um ein guter Fotograf zu werden
Seit über 30 Jahren versuche ich ein guter Fotograf zu werden. Ich könnte lang und breit erzählen, warum ich im jugendlichen Leichtsinn den Weg in die Fotografenlehre ging. Die Träume waren voll von Geld, schönen Frauen, schnellen Autos, freie Zeiteinteilung, Ausleben der künstlerischen Freiheit und Reisen quer durch die Welt. Vieles davon wurde Realität, aber einiges davon hat sich nur für einen begrenzten Zeitraum gehalten. So geht es im Grunde den meisten Fotografen. Aber so ein alter Bär wie ich kann so manchem Neustarter ein paar Tipps geben.
Vielleicht denkt der eine oder andere Leser gerade darüber nach, auch den Weg des Fotografen einzuschlagen. Deshalb hier elf erprobte Grundsätze, die weiterhelfen.
1. Vertraue nur Dir und sammele so viel Fachwissen wie möglich
2. Technik ist gut und unverzichtbar – aber nur die Technik, die Du 100% verstehst, kannst Du nutzen
3. Wenn Du viel Technik brauchst, haben Deine Bilder wenig Wert
4. Wenn Du schon einmal ein ähnliches Bild gesehen hast, denke darüber nach, ob sich das Auslösen lohnt
5. Wenn Du trotzdem den Auslöser drückst, musst Du sicher sein, dass es DEIN Bild ist
6. Wenn Du ausschließlich Lob für ein Bild bekommst, dann hast Du etwas falsch gemacht
7. Wenn Du ausschließlich schlechte Kritiken bekommst, kann das der pure Neid anderer Fotografen sein oder Deine Bilder sind tatsächlich schlecht
8. Wenn Du als angesagter Fotograf giltst, dann ist das in der Regel nur eine kurze Phase
9. Ein echter Fotograf bist Du erst dann, wenn Du an fast nichts anderes mehr denken kannst
10. Ein gute Fotograf bist Du erst dann, wenn Du über Fotografie nicht mehr nachdenken musst
11. Ein Meisterfotograf bist Du dann, wenn ständig neue Erkenntnisse über die Fotografie ohne langes Grübeln kommen
Und was ist mit den Tipps zum Geldverdienen?
Das Geld kommt dann, wenn man Käufer für seine Bilder findet. Darum muss sich jeder Fotograf fragen, für welchen Preis er sich und seine Bilder verkaufen will. Steht Kunst zum Verkauf? Dann ist das Ganze ein langer und mühsamer Weg. Stehen fotografische Dienstleistungen zum Verkauf? Dann muss der Fotografen den Zeitgeschmack treffen und sich in Stil- und Preiskampf ein um das andere Mal im ständigen Vergleich mit anderen Fotografen bewähren. Der sicherste und einträglichste Weg führt über die Themen Lifestyle und Mode. Um dort ein festes Standbein zu bekommen, sind die Punkte 1 bis 11 zu befolgen. Wenn der Weg über die Kunst gehen soll, dann sind die Punkte 1 bis 11 zu befolgen. Und falls es Food- oder Reportagefotografie sein soll, dann hält man sich am besten an die Punkte 1 bis 11. Bei der Portrait-, Akt-, Tier-, Hochzeits- oder Familien-Fotografie sind die Punkte 1 bis 11 unentbehrlich. Einzig dann, wenn nur schöne Bilder gemacht werden sollen, dann ist nichts anderes als eine vollautomatische Kamera nötig und jedes Fachwissen stört. Dann, lieber Fotograf, nimm so viel Geld wie Du bekommen kannst … die Konkurrenz ist groß und solche Glücksfälle werden immer seltener!
Tags: guter Fotograf, Regeln, Tip, Tipps
17. November 2009 at 08:54
ein gelungenes statement des “alten bären” …
mich beschleicht das leichte gefühl, etwas ironie mit sarkasmus herauszuhören … vielleicht ist das punkt 12: der fotograf kann trotz aller kunst und ernsthaftigkeit, mit der er sein handwerk betreibt, trotzdem über sich lachen!
17. November 2009 at 09:52
wenn ich die Regel 2 lese müsste ich auf die Lochkamera zurückgreifen
Regel 12 ist auch gut
17. November 2009 at 09:54
Haste jut jesacht! .
17. November 2009 at 10:42
Moin.
))
Werde mir die Regeln zu Herzen nehmen. Und mal schauen, vielleicht treffen wir uns in 10 oder 20 Jahren in Arles wieder, wenn ich meine grooosse Ausstellung dort habe
Gruss Norbert
17. November 2009 at 11:53
Meine wichtigste Regel fehlt: Befolge niemals Regeln – die machen alles nur kaputt!
17. November 2009 at 18:39
@aebby:
… also das mit der Lochkamera mache ich ja schon mal.
17. November 2009 at 18:43
verdammt, ich hab mir gerade eine spiegelreflex mit hokus pokus und zoom gekauft.
da muss ich erstmal tagelang die gebrauchsanweisung mitführen
und für aebby habe ich in der fc eine lochkamerabauanleitung hochgeladen.
17. November 2009 at 21:33
kampffussel, wer bei der Fotografie noch lachen kann, hat noch nie Datenblätter gelesen *grins*
Jepp Aebby, Du verstehst das mit dem hyperfokalen Raum zu 100%! Brennweite 100 bei einer Lochgröße von 0,39 Millimeter auf die Blende umgerechnet einen Verlängerungsfaktor von schlappen 520 auf die mit dem Beli gemessene Blende 16 ergibt. Dat musse nich verstehn, dat musse wissen, dat isse Urform vonne Kamera, weil viel später erfunden wie dat Dinges mitte Linse
claudia, mach ich artig mal einen Knicks.
Norbert, gemacht! Bitte sorge dafür, daß ich dann mit meinem Rolli über keine Treppen rumpeln muß *zwinker*
stilpirat, ich bin entrüstet! Glaubst Du denn, hier sei eine Anarchistenversammlung?
Ulli, das mit Deiner Camera erscheint mir obscur.
berni, welche Abgründe tun sich denn da auf? Du hast doch tatsächlich noch ein altes Modell gekauft, ohne WKWBAS-Transmitter (ups, Abkürzungswahn: wie knipse ich wie blöde aber schön)
@all, jetzt wollte ich einmal ganz ernsthaft dem Nachwuchs ein paar gute Tipps geben und jetzt wird mir unterstellt, daß ich ne “spitze Zunge” verfasst hätte. Tztztz
17. November 2009 at 21:42
Ich sitze gerade am Bildschirm und grinse, ich erinnere mich an meinen ersten programmierbaren Taschenrechner auf dem ich ein Programm geschrieben hatte, das Verlängerungsfaktoren für Lochkameras ausgerechnet hat.
@Berni … kannst Du mir einen Link geben, ich bin schon lange nicht mehr in der FC gewesen.
18. November 2009 at 17:40
@Trout:
Aber, geschätzter Michael, was ist denn an meinen Lochkameras obscur?!
18. November 2009 at 19:52
michael.natürlich analog und nicht gerade jung. für einige fotosachen bin ich mit scharfstellen zu langsam und mit festbrennweiten zu unflexibel. natürlich hab ich sofort nen m42 adapter mitorganisiert, sodass ich zb. mein 35iger flektogon auch dranschrauben kann
aebby,
das startbild
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/7151/display/18965200
und etwa 2o folgende
22. November 2009 at 10:36
Ulli, ich finde Deine Lochkamerabilder wundervoll! Für machen Außenstehenden mag es obscur erscheinen, wenn ein Bild ohne Stabilisator, Rein-/Rausautomatik und sonstige Spitzenwertdiskussionen die von Dir gezeigte Ausdruckstiefe bekommt.
Berni, jetzt erlangt der Begriff “matschige Bilder” eine neue Dimension
22. November 2009 at 12:58
[...] Elf Regeln, um ein guter Fotograf zu werden von Michael K. Trout Wer seit über 30 Jahren versucht, ein guter Fotograf zu werden, der hat etwas zu berichten. So auch Michael K. Trout, der jetzt elf Regeln aufstellt, die Dir helfen sollen, ein besserer Fotograf zu werden. Aber Vorsicht: Hüte Dich vor der Ironie [...]
23. November 2009 at 16:22
@berni … danke für den Link, die Idee mit den zwei Filmpatronen ist genial
01. Dezember 2009 at 08:57
[...] Elf Regeln um ein guter Fotograf zu werden Michael schreibt in diesem Beitrag über seine Erfahrungen als Fotograf, was ein guter Fotograf drauf haben muss und wie (bzw. ob) du mit dem Fotografieren Geld verdienen kannst. Zum Artikel [...]