Die Wahrheit über Erwerbskonkurrenten, Vampire und Schlangengrube
Voller Freude kann ich verkünden, den Ausstieg aus der Schlangengrube der Auftragsfotografie gefunden zu haben. Rund dreißig Jahre hatte ich mich häuslich in dieser unwirtlichen Umgebung eingerichtet. Häufig kamen Vampire vorbei und irgendwie habe ich selbst eine Menge Erwerbskonkurrenten herangezüchtet. Jetzt ist es an der Zeit, die ungeschminkte Wahrheit über das Wesen und Unwesen der Fotografie zu sagen.
Um es gleich vorweg zu schicken: Den Vampirismus in der erwerbsmäßigen Fotografie gibt es seit über 170 Jahren.
Um jedem Missverständnis vorzubeugen: Ich freue mich über jeden Fotografen der mich offen und ehrlich anzapft, um seine Fotografie zu verbessern.
Um absolute Klarheit zu schaffen: Es gibt keine uneinholbaren Großmeister der Fotografie und niemand hat Anspruch auf die fotografische Allwissenskrone.
Wer sich mit der Fotografie befasst, hat ein wundervolles Beschäftigungsfeld gefunden. Es wird nie langweilig und allerlei Neues ist zu entdecken. Zudem lernt man nie aus. Fast täglich kommen neue Erkenntnisse hinzu. In Kombination mit einem fundierten Fachwissen wird die Sache immer runder und perfekter. Jeder Fotograf gleicht einem Kieselstein, der vom Fluss langsam weitergerollt wird. Dabei werden alle Ecken und Kanten abgeschliffen. An der Flussmündung hat der Kieselstein die für sich perfekte Form angenommen, obwohl diese von der Idealform der Kugel weit entfernt ist. So weit die Theorie.
In der modernen Realität bekommen Menschen an Weihnachten eine Kamera geschenkt. Anfang Februar entdecken sie irgendein Jubelforum im Internet, werden Mitglied, finden zwei oder drei Ratgeber und ein paar Jubelperser. Spätestens an Ostern bieten sie eigen Workshops zum Thema „bessere Fotografie“ an. Nebenbei machen sie Hochzeitsfotografie gegen Honorar (günstiges Umfeld, weil auf Hochzeiten in der Regel niemand weglaufen kann) und knipsen private Striptease-Einlagen von unbedarften Mäuschen gegen Entgelt (auch toll, weil Geltungsbedürfnis ein hervorragendes Bildmotiv darstellt). Zum Herbst hin werfen diese mittlerweile Namhaften ihren ersten Kalender auf den Markt und übernehmen Marketingaufträge der Industrie. Am darauf folgenden Weihnachtsfest liegt eine neue Hammerkamera unterm Weihnachtsbaum, weil die alte ausgelutscht ist und sie nicht mehr weiter bringt. Spätestens im Januar wird eine windschiefe Altbaumansarde als Studio bezeichnet und neben dem Schreibtisch brummt ein PC mit gigantischen Leistungsmerkmalen, weil sonst die ganzen Tools und Tüttelchen nicht mehr laufen. Um das Ganze finanzieren zu können, schnappen sie den ehemaligen Ratgebern die Aufträge weg und gehen in Preisregionen unterhalb der ethischen Schmerzgrenze. Um Werbung für sich zu machen, überhäufen sie die Presse mit kostenfreien Bildern und stellen sich selbst als den Nabel der fotografischen Welt dar. So weit die Praxis.
Die Differenz zwischen Theorie und Praxis ist gewaltig. Wie gesagt, ähnliche Erscheinungen gibt es schon so lange, wie es die Fotografie gibt. Vielleicht hat sich in der Moderne die Geschwindigkeit erhöht. Vieles ist einfacher geworden. GidF macht es leicht Wissen zu erlangen. Dabei ist es unerheblich, wenn die gefundenen Wahrheiten 50% Rabatt auf die Wirklichkeit beinhalten. Notfalls kann man ja immer noch ein wenig öffentlich jammern, um das Helfersyndrom bei Wissenden auszulösen. All das wäre nicht schlimm, wenn auf das Nehmen auch ein Geben folgen würde. Und hier sind wir bei den Vampiren angelangt. Blutsauger sind all diejenigen, die mit gewaltigem Durst aufsaugen, aber nach der Verdauung nur Unbrauchbares ausscheiden.
Wer mit seiner Fotografie wirklich Geld verdienen möchte, sollte sich auf all diese Dinge vorbereiten. Natürlich kann man Tipps und Ratschläge aufnehmen. Es wäre auch dumm, dies nicht zu tun. Natürlich kann man auch Tipps und Ratschläge geben. Aber alles hat seinen Preis. Dieser muss nicht auf harter Euro-Basis beruhen. Und hier stehen wir unvermittelt in der Schlangengrube der Fotografie. Schnell wird man erfahren, dass ein Biss nicht tödlich, aber sehr schmerzhaft ist. Alternativ kann man ich entscheiden selbst zur Schlange zu mutieren oder Schutzkleidung zu tragen. Verwerflich ist jedoch, wenn sich angebliche Foto-Gurus in die Brust werfen und minimalistisches Dummgeschwätz als selig machende Botschaft verkünden oder … noch schlimmer … bewusst Falsches in den Mantel der Wahrheit kleiden. Früher nannte man das „aufs Glatteis führen“. Das hält zwar die Konkurrenz auf Abstand, ist aber nichts als Lüge und dient gewiss nicht der Fotografie. Ich kenne eine ganze Reihe von guten Fotografen, die immer bereitwillig und zuverlässig ihre Erfahrungen mit anderen Fotografen teilen. So soll es auch sein. Man muss ja nicht gleich Betriebsgeheimnisse verraten.
Wettbewerb gibt es überall. Warum soll das in der Fotografie anders sein? Ich will hier nicht das Schwarze noch schwärzer reden. Mir geht es nur darum, mit klaren und offenen Worten die Heuchelei aufzudecken, die in der Fotografie, speziell in der erwerbsorientierten Fotografie, zur Normalität geworden ist. Oben habe ich die Hochzeitsfotografie erwähnt. Dies sollte keine Diffamierung der guten und erfahrenen Hochzeitsfotografen sein … eher das Gegenteil, weil sie sich im wohl härtesten Bereich der Erwerbsfotografie bewegen. Und der leichtfertige Leser könnte auch vermuten, dass alle im Internet Tipps und Ratschläge gebenden Fotografen nur die halbe Wahrheit sagen. Auch das ist nicht richtig! Aber man muss schon sehr genau hinsehen, wem man sein Vertrauen schenkt. Nichts ist besser als das eigene Sammeln von Erfahrungen. Nichts ersetzt das eigene Studium in mehreren Quellen. Dabei kann man ruhig in die Literatur einsteigen, die schon dreißig, fünfzig oder mehr Jahre auf dem Buckel hat. In den Grundlagen der Fotografie hat sich nichts verändert … aber vieles ist in Vergessenheit geraten. Zudem möchte ich all jene warnen, die an das schnelle Geld in der Fotografie glauben. Nur Kieselsteine werden nach langen Jahren am Ende tatsächlich ihr Auskommen mit der Fotografie haben. Ich weiß sehr genau, wovon ich rede.
Tags: Erwerbsfotografie, Fotografie, Geld verdienen, Guru, Ratgeber, Ratschlag, Tipp
06. Januar 2010 at 10:21
[...] Eben habe ich gesehen, dass Michael K. Trout unabhängig von mir auch einen kleinen Senf zum Thema im weitesten Sinne veröffentlicht [...]
06. Januar 2010 at 10:24
ach ja … solche texte schaffen freunde … positiv wie negativ gemeint.
wenn ich deine letzten beiträge so lese, hoffe ich, dass wir uns einmal real über den weg laufen, die zeit und muse finden miteinander zu reden.
06. Januar 2010 at 11:06
aber hallo, solche Beiträge bringen mich schnell in die Liga der bestverachteten Fotografen überhaupt
Was wahr ist, muß wahr bleiben. Wer ein Blatt vor den Mund nimmt, nur um jedermanns Liebling zu sein, wird bald jedermanns Arxxxxxxx *grins*
Kampffussel, ich hoffe auch auf ein reales Treffen. Du wanderst gerade in Richtung Spreeufer und ich in Richtung Amazonasdelta. Es ist gut möglich, daß wir uns auf diesem Weg treffen. Es wäre richtig schön!
06. Januar 2010 at 11:08
Bei Tilla gibt es heute übrigens einen Beitrag, der in eine ähnliche Kerbe schlägt … ganz unabhängig von meinem Artikel. Es ist schon seltsam, wie manchmal die Gedanken in die gleiche Richtung gehen.
06. Januar 2010 at 13:47
Hui, in dem Beitrag scheppert es richtig – da steigen Bilder vor meinem inneren Auge auf.
Nachdem ich nun ein paar Fotografen kenne, die nicht nur Geld damit verdienen, sondern ihr Handwerk auch noch von der Pike auf gelernt haben, bekomme ich immer wieder mit, wie sehr Du den “Pudels Kern” getroffen hast. Leider leben wir in einer bekomme-ich-das-nicht-billiger- oder mein-Neffe-hat-schließlich-auch-eine-Kamera-Welt, die “Preisregionen unterhalb der ethischen Schmerzgrenze” mehr als nur billigend in Kauf nimmt. Wo ein Markt ist …
06. Januar 2010 at 14:21
[...] etwa George Barrs Is Crap still crap , Tilla Pes Bilder für Millionen oder auch Michael K. Trouts Wahrheit über Vampire. Das Auge weint jedoch, wenn ich die Massen an nachgestelltem, automatisierten, abgekupferten [...]
06. Januar 2010 at 15:14
Tilla und Du sind ja sehr großzügig mit Kritik. Macht aber nix, irgendjemand muss halt auch Kitsch produzieren. Besser wir Amateure machen das, dann bleiben die Fronten klar. Aber ja, viele Köche verderben nicht nur den Brei sondern auch das Geschäft.
06. Januar 2010 at 15:48
Ein wirklich sehr spannender Beitrag, und nicht nur TillaPe, auch Dr. Martina Mettner (Buch: Wie man ein großartiger Fotograf wird) schlagen in die selbe Kerbe.
Es ist noch nicht all zu lange her, dass mich das Fotografier-Fieber gepackt hat, verbunden mit alle den oben beschriebenen Nebenwirkungen – doch mittlerweile lässt die Hitze (reich und berühmt) nach und ich bin froh, mich in meiner kleinen Nische einzumümmeln, d.h.: Auch wenn ich schon reichlich Anerkennung fand, verspüre ich nicht den Drang nach Größerem – mit dem Nebeneffekt, dass ich ganz entspannt genau das tun kann, was ich will oder in der Umkehrung: das nicht tun zu müssen, worauf ich keine Lust verspüre: mich nach den Erwartungen zu richten, die ein Auftraggeber, oder eine “Community” an mich stellt. Ich meide den Kontakt zu all den “Schnatterinchen” die ach so wichtig und prominent sind und pflege viel mehr den engen und persönlichen Kontakt per Mail oder im richtigen leben (ganz Web1.0).
Die Konsequenz? Zufriedenheit.
Natürlich ist man “stolz” auf seine Bilder, sonst würde man sie nicht zeigen. Dennoch fühle ich mich nicht gleich berufen, den Workshop “bessere Fotografie” anzubieten. Sollte mich jemand (persönlich) zu einem Bild befragen, gebe ich auch gern ausführlich Antwort – das Zauberwort dabei ist aber: persönlich. Ein darüber hinaus reichendes Sendungsbewusstsein habe ich nicht. Und an dieser Stelle komme ich wieder zurück zum Thema: Der Markt ist ruiniert, der Konkurrenzdruck erbärmlich – was bleibt einem (gewerblichen) Fotografen anderes übrig, als zu klappern (dies gehört ja bekanntlich zum Handwerk). Wohl dem, der sich von diesem Druck lösen kann.
06. Januar 2010 at 15:52
Moni, im Grunde bereitet mir mein Artikel ja selbst Schmerzen. Seit knapp 10 Jahren wird in der Fotografenausbildung (IHK/HWK) das Anforderungsniveau permanent zurückgeschraubt. Im Gegensatz dazu wird in der Meisterprüfung die Latte so hoch gehängt, daß kaum einer der Teilnehmer ohne Angstschweiß und Klimmzügen das durchstehen kann. Schwierige Situation.
Andererseits wird an Universitäten und Hochschulen auf sehr unterschiedlichem, aber durchweg hohem Niveau gelehrt.
Insgesamt kann man davon ausgehen, daß (anders als vor 20 oder 30 Jahren) der Ausbildungsstand von gelernten Fotografen sehr unterschiedlich ist. Von Passbildautomaten bis zu universell einsetzbaren Praxis- und Technikkennern ist alles anzutreffen.
Nun kommen noch die Fotografen hinzu, die im Selbststudium das “Handwerk” erlernen. Wenn ich von Handwerk rede, dann meine ich diejenigen mit Verdienstambitionen. Auch daran ist nichts falsch und ich kenne eine Menge, die das sehr gut und richtig machen. Aber ich mußte auch die anderen kennen lernen. Hinzu kommen dann noch einige aus diesem Kreis, die sich selbst als Maßeinheit der Fotografie ansehen. Wenn man über eine gewisse Zeit ihren Werdegang verfolgt, wird man schnell feststellen, daß genau diese am Anfang als Vampire unterwegs waren und nun bewußt oder mangels besserer Erkenntnis die halbe Wahrheit sagen.
Ich bin der Ansicht, daß jeder der etwas zu und über die Fotografie zu sagen hat, dies auch tun kann und soll. Die Form dessen ist nicht maßgebend. Wichtiger ist jedoch die angemessene Entlohnung, da sonst jedwede Verdienstmöglichkeit in der Fotografie in die Bedeutungslosigkeit geht.
06. Januar 2010 at 16:05
Namensvetter, hier geht es nicht um Kitsch!
Kitsch kann sehr gut und schön sein.
Und hier werden auch nicht die Amateure angesprochen, die ohne Verdienstambition manchmal bessere Ergebnisse erzielen, als diejenigen, die dafür Geld nehmen.
Ich glaube auch nicht, daß rein fotografisch ein Unterschied zwischen Amateuren und Erwerbsfotografen besteht. Derjenige, der sein Geld mit der Fotografie verdienen muß, hat eben nur noch ein paar andere Faktoren, die ihn treiben. Einerseits muß er seinen Kühlschrank füllen, andererseits muß er gut arbeiten und die Ergebnisse müssen passen. Ich persönlich bin nun nach vielen Jahrzehnten aus der Auftragsfotografie ausgestiegen, weil der Umsatz geringer als meine Kosten wurde. Ok, dann ist es so.
Mit meinem Blogartikel war weniger das negative Kritisieren im Vordergrund, sondern mehr die Offenlegung einer von Außen ach so schön und schillernden wirkenden Welt. Fotografie im Erwerbssinn ist ein knallhartes Geschäft. Dabei ist es wichtig, Freund und Feind zu kennen. Mehr habe ich nicht gesagt.
Und mir macht es großen Spaß, nun in kleinen Häppchen mein Fotowissen in der kleinen Fotoschule zu veröffentlichen. Vielleicht fällt das ja bei dem einen oder anderen Fotografen auf fruchtbaren Boden. Erwerbskonkurrenz habe ich nicht mehr zu befürchten, da meine Kunstprojekte gut laufen und dies hoffentlich auch so bleibt. Zurück in die Schlangengrube kann ich nicht mehr, weil man ich da glatt auffressen würde
06. Januar 2010 at 16:06
Lieber Michael,
das alles gibt es auch in anderen Gewerben.
Leute die mit Schwarzarbeit und Selbstausbeutung versuchen das große Geld zu machen ist nicht neu. Nur es gibt immer mehr davon, die durch die Medien und der Werbung geblendet diesen Weg gehen.
Es fehlen nach meinem Geschmack in den Texten von Tilla und Dir die Gesichtspunkte der Wertigkeit und der Wahrhaftigkeit.
Im digitalen Zeitalter kostet ein Bild soviel wie eine Eiskugel oder gar weniger. Und wenn man nicht aufpasst und/oder die Datensicherung nicht ernst nimmt, sind die Bilder für immer weg. Mal sehen wie viele von den heute so hochgelobten Digitalbilder wir noch in 15 oder 20 Jahren bewundern können.
Auch die für Jedermann möglichen unbegrenzten Möglichkeiten der Manipulationen der Bilder stellt den Betrachter vor großen Problemen. Welchen Fotografen/in und welchen Bilder kann ich trauen.
Sicher waren Manipulationen früher auch möglich und wurden auch gemacht. Ich habe aber den Eindruck gewonnen, dass das Verhältnis von manipulierten zu nichtmanipulierten Bilder sich umgekehrt hat. Dramatisch sogar.
06. Januar 2010 at 16:10
Ach so, wir haben nun zwei Michaels hier. Ab nun bin ich Michael S. und habe den Text mit dem Anfang, Lieber Michael, geschrieben.
06. Januar 2010 at 16:11
Michael S. (jetzt wird es wirklich verwirrend mit den Michaels), da hast Du einen wunden Punkt angesprochen. Wie realistisch ist das Fotorealistische den heute noch? Niemand wird dies beantworten können.
Gleichzeitig gehen wir in eine neue Ära der Fotografie. Wir haben heute nicht mehr die harte Konfrontation zwischen Analog und Digital. Das ist Schnee von gestern. Ich bin fest davon überzeugt, daß wir uns wieder mehr um das Bild kümmern können. Einzig bleibt die Frage, ob wir dem Bild trauen können und ob es fotografiert oder gemalt ist.
Manipulationen stehe ich durchaus wohlwollend gegenüber … Fälschungen nicht.
06. Januar 2010 at 16:20
knipsbuex, da kann ich wirklich nichts mehr hinzufügen!
06. Januar 2010 at 16:50
Ist ja wie früher in der Schule, vier Michaels. Fehlen noch ein paar Thomas und Christians.
Zum Thema: Ich beneide keinen Künstler und keinen Fotografen in wirtschaftlicher Hinsicht, befürchte aber dass die aktuelle Situation die Du beschreibst struktureller Natur ist. Selbständigkeit ist immer Selbstausbeutung, an dieser Erkenntnis führt zunächst mal kein Weg vorbei. Das ergibt sich aus der Kombination von Selbständigkeit in einer kapitalistisch und damit marktförmig vermittelten Ressourcen-Umwelt. Klartext: Selbständigkeit hat nichts mit autonomem Wirtschaften zu tun.
Wer also Marxsche Selbstverwirklichung mit selbständiger Erwerbstätigkeit verwechselt hat seine Gesellschaftstheorien nicht richtig gelesen.
Kunst wiederum hat weder mit autonomer Existenzsicherung noch mit Selbstverwirklichung im obigen Sinne zu tun.
Die globalisierte Moderne hat hier ganz wesentlich dazu beigetragen. Der Wettbewerb ist so unüberschaubar geworden und die Leistungsgrenze so dermassen wegerodiert, dass letztlich jeder entweder in der Nische existiert oder über kurz oder lang einfach übertrumpft wird. Wie die Nische dann aussieht und wie lange sie Bestand hat ist eine andere Frage.
06. Januar 2010 at 17:18
knipsbuex, das sehe ich genauso.
Michael K. Trout, zur zeit bin ich auf folgendem Trip: Wenn ich als Bildkonsument unterwegs bin und ein Bild gefällt mir, versuche ich mehr über den Fotografen/in raus zu bekommen. Erst wenn ich den Fotografen/in als Glaubwürdig einstufe kann ich mich für das Bild so richtig und hemmungslos begeistern.
Michael K. Trout,”Manipulationen stehe ich durchaus wohlwollend gegenüber … Fälschungen nicht.”
Stimme ich zu.
06. Januar 2010 at 21:04
Michael S. wir suchen allesamt in der einen oder anderen Richtung unseren Wohlfühlpunkt.
Vor etwas über einem Jahr war ich Teilnehmer an einer größeren Diskussionsrunde in Berlin, die den Kunstbezug der modernen Fotografie beleuchten sollte. Auf dem Podium rechts neben mir saß ein Professor, der sich zuvor in der Aufwärmrunde harsch abwertend über Trash-Kunst, Lomografie und eigenwillige Bildschnitte ausließ. Auf dem Podium hämmerte er dann den Satz ins Publikum: Die heutige Fotografie ist Opium fürs Volk.
Bingo dachte ich, der weiß genau, wie er sich verkaufen muß.
Mit Abstand betrachtet ist das Ganze aber durchaus in Zusammenhang zu bringen. Fotografie besteht nicht nur aus einem Teil, einer Stilrichtung, einer allgemeingültigen Darstellungsweise.
Gerade das veranlasst uns, hinter Bilder zu schauen. Wir wollen uns wohlfühlen, wenn wir ein Bild bewundern, vielleicht sogar kaufen. Mittlerweile ist es so, daß wir im ersten Moment an Betrug und Lüge denken und erst mühsam vom Gegenteil überzeugt werden müssen. Dies ist eine bedenkliche Entwicklung. Zudem müssen wir wieder lernen, die Fotografie differenzierter zu sehen und gleichzeitig auch andere Arten und Ausdrucksweisen zulassen.
Michael (R.) Du hast einen sehr interessanten Aspekt eingeworfen. Vielleicht bin ich ein unverbesserlicher Romantiker, wenn ich mich zur Selbstverwirklichung bekenne. Selbstredend kommt mit dem ökonomischen Zwang eine Komponente hinzu, die das Maß der Selbstverwirklichung in wirtschaftliche Grenzen bringt.
Kunst hingegen ist eine Sache, die zunächst nicht diesen Rahmenbedingungen folgen sollte, jedoch in der Realwelt durchaus wirtschaftliche Konzepte erfordert. Der Künstler der am Kunstmarkt vorbei “produziert”, muß entweder eine eigene Kunstgattung mit Kaufkraft erzeugen oder das Ganze sein lassen. Marktbildung erfolgt jedoch im Kunstsektor nach anderen Regeln. Das ist eine eigene Form der Freiheit. Wahrscheinlich ist die Nische die Erfolgsbasis der Zukunft. Dies gilt aber für alle Wirtschaftsbereiche.
07. Januar 2010 at 10:05
Was mich interessieren würde: Was machst Du denn jetzt, wenn Du Dich nicht mehr in die “Schlangengrube der Auftragsfotografie” wagst?
Lg, Robert
07. Januar 2010 at 10:46
Robert, ich habe mich Anfang 2009 auf fotografische Kunstprojekte konzentriert. In dem Bereich bin ich schon seit einigen Jahren “nebenbei” tätig und “bediene” einige Sammler. Mittlerweile werden meine Projekte auch von dort aus in der Entstehungsphase mit Vorschüssen versorgt.
Dann gehen einige Werke in den Kunsthandel.
Den größten Teil meiner künstlerischen Arbeiten erstelle ich mit “ungewöhnlichen” Fotogeräten oder in außergewöhnlichen Ausarbeitungen … Unikate in Salzdruck, Bromoil, Cyanotypie, Platin- und Pigmentdruck.
Das mit der Kunst läuft recht gut.
Um den Kühlschrank zu füllen, bin ich Teil der Spürsinn-Mannschaft. Schwerpunkt der letzten Monate war die Konzeption von neuen Filmmaterialien und Entwicklungsmethoden. Im Moment befasse ich mich mit der Konstruktion einer neuen Kamera. Analog rockt … und irgendwie verstehe ich davon mehr als vom Digitalen.
15. Januar 2010 at 20:11
Sehr schön geschrieben. Da steckt ne Menge Wahrheit drin.
16. Januar 2010 at 21:20
… und ne Menge Erfahrung
11. März 2010 at 13:57
Ich sage jetzt noch nichts, muss noch die anderen Artikel in Deinem Blog lesen. Kann also noch ein paar Tage dauern.
Bis neulich.