Der Geschlechtsverkehr als Akt der meditativen Enthaltsamkeit


Wir sind alle ein wenig krank – früher waren wir ein wenig Bluna. Früher, was bedeutet diese Worthülse und warum schließt diese spitze Zunge in der Überschrift das Wort Geschlechtsverkehr mit ein?
Vor einem Jahr fand ich in einem Antiquariat ein Buch, das schon vor 30 Jahren verlegt wurde und einen Überblick über 150 Jahre Fotografie gibt. Wenn ich es durchblättere (heute), dann erhalte ich demnach einen Einblick, was und wie in frühen fotografischen Werken (vor 181 Jahren) gearbeitet wurde. Auf fünf oder zehn Jahre mehr oder weniger kommt es im Anbetracht der immensen Zeitspanne nicht mehr an. Auf jeden Fall reizt die Durchsicht des Buches zu einem Vergleich mit dem heutigen Spektrum der Fotografie.

Es scheint so, dass sich der klassische Akt in all den Jahren kaum verändert hat. Die Kameras wurden nur dicker und die abgebildeten Frauen etwas dünner. Oder dicke Kameras nehmen heute dicke Frauen auf und die Fotografen rutschen unvermittelt in die Ecke der Genrefotografie. Genre, ein sehr seltsames Wort. So seltsam, wie das Wort Sujet, welches ich mittlerweile selbst gerne verwende, weil sich der Sinninhalt so angenehm der allgemeinen Begriffswelt entzieht. Sujet ist für einen Fotografen auch leichter anzuwenden, weil er der Einschubladisierung des Genres spätestens nach dem zweiten Bild nicht mehr entrinnen kann. Sujet ist da flockiger, weil es allgemein als Zutat und nicht als Zuordnung verstanden wird. Uff, Glück gehabt beim Schreiben dieser Zeilen. Die Kurve ist gelungen.

Was vor 181 Jahren (wie gesagt, plus/minus ein paar Jahre) keine Rolle gespielt hat, war die Fotografie des Geschlechtsverkehrs. Warum war das so? Schamhaftigkeit oder Tabu? Puritanismus des Zeitgeistes? Oder einfach nur Mangel an Gelegenheit?
Dem sollten wir hier einmal auf den Grund gehen.

Wenn ich überlege, dass damals (ich umgehe elegant das Wort „früher“) die Kinderzahl einer Familie im Durchschnitt bei 4,4 lag, die empfängnisbereiten Tage einer Frau im Monat berücksichtige und den natürlichen Empfängnisschutz in der Stillzeit (Babynahrung aus der Flasche gab es noch nicht) einkalkuliere, hierbei die schwankende Vermehrungsbereitschaft im männlichen Ejakulat berücksichtige (Sperma ist eben nicht an jedem Tag im gleichen Maß und gleicher Vermehrungsqualität abzapfbar) und der Mangel an Verhütungsmittel als differenzierend hinzugerechnet, können wir davon ausgehen, dass früher (das ist es wieder, eines meiner Lieblingsworte) die Ehepaare im vermehrungsfähigen Alter vier Mal in der Woche Geschlechtsverkehr hatten. Die in der Statistik üblichen Kommazahlen lasse ich jetzt weg, weil halbe Kinder nicht sehr standfest sind.

Wie sieht es heute bei modernen Paaren aus? Ich denke, im Grundsatz würde noch die gleiche Geschlechtsverkehrsfrequenz vorliegen (Sonderformen des paarigen Einzellebens lasse ich jetzt außer Acht), wenn sich nicht die moderne Verhütungskultur auf die modernen Menschen auswirken würden (die Moderne ist in diesem Satz absichtlich hervorgehoben, weil die Betrachtung absichtlich die ewig Gestrigen herausfiltert).
Also näher heran, an die moderne Verhütungskultur. An erster Stelle steht hier gewiss das Fernsehen, an zweiter Stelle PC- und Video-Spiele und an dritter Stelle das Internet. Diese Verhüter wirken zuverlässig und heimtückisch, da ihre Anwendung der Entspannung dient, sie also so sehr und körpergesamt entspannen, dass zwischen den Geschlechtern keine Spannung mehr aufkommt.
Zudem dienen diese Medien auch der Zerstreuung. Wir alle kennen das geflügelte Wort vom zerstreuten Professor, der in all seiner Beschäftigung die grundlegenden, menschlichen Bedürfnisse vergisst. Der Geschlechtsverkehr ist durchaus als ein solches Bedürfnis anzusehen und der moderne Mensch entwickelt sich durch die Zerstreuungsmedien zwar geistig weiter, aber entfernt sich auch von seinen Grundbedürfnissen. In Kombination mit der eingeschränkten Empfängnisbereitschaft der Frau (im Monat), dem schwankenden Vermehrungspotentiale im männlichen Ejakulat (auch im Monat, damit wir auf der Zeitstrecke eine Schnittmenge bekommen) und den perfektionierten Verhütungsmitteln (siehe oben plus Chemie, Hormone und Latex-Errungenschaften), lässt der Kindersegen zum Bedauern der Rentenkassen erheblich nach. Hinzu kommt, dass die Beschäftigung mit substituierenden Medien (Fernsehen, PC- und Video-Spiele und Internet) das verfügbare Zeitfenster für den Geschlechtsverkehr eingrenzen.

Nun wurde wissenschaftlich festgestellt, dass die regelmäßige Selbstbefriedigung des Mannes das Fruchtbarkeitspotential des Ejakulates steigert. Jetzt finden wir den Bogen zur modernen, auf das Internet ausgerichtete Fotografie!

Im Internet ist eine Art Selbstheilungsgruppe entstanden, in der Männern ein Spielraum geboten wird, mit sich selbst zu spielen, um die eigene Fruchtbarkeit im Sinne der Potentialsteigerung zur Bevölkerungswachsfähigkeit positiv zu beeinflussen.
Früher galt das Wort „Wichser“ als Schimpfwort. Heute ist es eher einen Anerkennung für ernsthaft und gut trainierte Männer, denen ich hiermit meine Anerkennung aussprechen möchte, da sie die letzten aufrechten (durchaus doppelsinnig zu verstehen) und potentialoptimierten Vermehrer sind.
Demzufolge sind die Männer, die im Internet nach Motivationsbilder für ihr Trainingsprogramm suchen, die Stütze unseres Bevölkerungsstandes … potentiell eben, solange sie keine empfängnisbereite Frau finden, um den vermehrenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen.
Anders ausgedrückt, ist das Selbstbefriedigungstraining eine besondere Art der Enthaltsamkeit und Internet-Sex das Medium der Meditation. Rein, weiß und unbefleckt. Selbstbefriedigung dient einem höheren Ziel. Selbstbefriedigung ist pure Meditation im Sinne des Bevölkerungserhaltes und Vorbereitung auf große Taten. Bilder mit sexuellem Inhalt sind Medien der unbefleckten Meditation.
Vollkommen logisch, dass sich dies auf die Fotografie auswirkt.

In früheren Zeiten wurden Bilder mit sexuellem Inhalt alleine der Kunst wegen erstellt.
In heutiger Zeit müssen Fotografen sehr genau überlegen, für welchen Zweck sie solche Bilder erschaffen. Entweder dienen sie der Kunst, oder sie erschaffen Meditationsbilder.
Und rein nach der Meditationslehre, gibt es verschiedene Stufen der Meditation.
Bilder von explizit dargestellten Schamlippen gehören zur ersten Meditationsstufe.
Zuschaustellung weiblicher Selbstbefriedigung sind der zweiten Stufe zuzuordnen.
Darstellungen von Girl-Girl-Spielen gehören zur dritten Stufe, wobei sie einer Trainingseinheit mit höherem Anspruch dienen, weil der Trainierende sich auf eine doppelte Vermehrungsversorgung vorbereitet.
Bilder des reinen Geschlechtsaktes sind eindeutig die höchste Ebene, weil sie für den trainierenden Mann ein meditatives Hineinversetzen in den abgebildeten Mann bedeuten, der geschlechtsverkehrend vermehrend agiert. Darstellungen von multiplen Begattungen (also ein männliches verkehrt vermehrend mit mehreren weiblichen Geschlecht/ern) gehören demnach zur Meditationsstufe allerhöchst+1 und werden hier nicht näher betrachtet, um es noch halbwegs verständlich zu halten (der Text ist sowieso schon viel zu lang).

So weit, so gut. Ich bin froh, dass ich diesen Sachverhalt einmal klären konnte. Zwar haben meine Überlegungen noch einige Lücken, aber als grundsätzliche Diskussionsbasis mag es ein guter Anfang sein.
Was noch zu klären bleibt, ist die Frage des Trainingsverhaltens der Frauen, der Meditationsebene von Männerbildern (in der Darstellung solo, Paar oder Gruppe), die Auswirkung von Bildern des Gruppensexes (mit vielen Männern und Frauen) auf diese Trainingseinheiten und die vermehrungstechnische Auswirkung von Meditationsvorlagen, die Oral- oder Anal-Sex darstellen.

Ganz für mich alleine muss ich klären, ob ich fotografisch auf dem falschen Weg bin. Ich mache recht häufig PornArt. Kunst steht für mich an erster Stelle, wenn ich ge- und erlebte Sexualität bis hin zum Geschlechtsverkehr fotografiere. Meine Kunst eignet sich wohl selten oder gar nicht als Meditationsvorlage, weil die Bilder nicht rein, nicht weiß und nicht gründlich unbefleckt sind. Ich sehe schon, als Künstler bewege ich mich auf dem schmalen Grat der Anarchie, wenn ich so abbilde, wie ich eben abbilde. Oder ist ein guter und gehaltvoller Geschlechtsakt in sich große Kunst? Für alle Beteiligten wäre dies wünschenswert.

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[dieses Bild hat mich zu diesen Überlegungen geführt - JoyClub]

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3 Antworten zu “Der Geschlechtsverkehr als Akt der meditativen Enthaltsamkeit”

  1. Lady-Games, Dildospiele oder auch “Meditationsbild” « Kaelart’s Weblog Sagt:

    [...] ausführliche Überlegungen findet man hier. [...]

  2. ka-el Sagt:

    Wie hier schön zu erkennen, sind Fotografen nicht zwangsläufig Konkurrenten, sondern können sich in ihrem Schaffen und den Gedanken wechselseitig inspirieren.

    lg
    kael
    *sich sehr über diesen Austausch freuend*

  3. Michael K. Trout Sagt:

    sowas nennt sich Inschbiration oder so ;-)
    Gruß zurück, Michael

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