Zu deutlich die Wahrheit gesagt?

Mit meinen Offenlegungen über die Schlangengrube der Fotografie und die Funktionsprinzipien des Kunstmarktes habe ich wohl einigen Leuten auf den Schwanz getreten. Mittlerweile gehe ich in Spam-Mails unter. Schon vor rund 6 Monaten landete meine Mail-Adresse in Spam-Listen. Seit vorgestern hat sich das Ganze verdreifacht.

Schon seit einigen Monaten komme ich durch meinen zugespamten Mail-Account kaum noch durch. Und das, obwohl mein Spam-Filter schon den größten Teil der unbekannten Adressen herausfiltert. Da dies nun die dritte oder vierte Spam-Welle seit 2008 ist, werde ich mich von meiner alten Mail-Adresse trennen. So geht das nicht weiter. Was ist los im Internet-Dschungel? Jeder kann seine Meinung sagen, aber wenn er nicht sozialpädagogisch-windelweich herumsalbadert, wird er abgestraft. Wo sind wir denn? Ach ja, ich vergaß, wir sind im Internet.

Wird das Ding mit der Fotografie wirklich so ernst genommen, das kritisch-ehrliche Meinungsäußerungen zu terroristischen Aktivitäten führen? Die Fotografie wird zum Spielplatz für Internet-Terroristen. Oder ist es nur ein Ausdruck dafür, dass ich nun wirklich berühmt bin und schleunigst einen Spam-Manager einstellen müsste, der meine Außenkontakte in den Griff bekommt? Besonderen Spaß hätte der bestimmt mit den rund fünfzig gleich lautenden Mails, in denen mir gesagt wird, warum ich ein arrogantes Arxxxxxxx bin. Also ihr Lieben, es hat keinen Sinn mir eine E-Mail zu schreiben … ich habe die Nase voll und alle Mails gehen vorerst ins Nirwana. Ja, ich bin arrogant. Ansonsten empfehle ich meinen Blog nicht mehr zu lesen, wenn die Artikel ausschließlich der Adrenalinausschüttung dienen.

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38 Antworten zu “Zu deutlich die Wahrheit gesagt?”

  1. Vernon Trent Sagt:

    seit wann reagiertst du so allergisch auf den scheiss?

  2. christian Sagt:

    hab ich mich auch gerade gefragt

  3. Moondragon Sagt:

    Das ist ja mal ne Frechheit! Wie kommt man denn darauf jemandem absichtlich Spam-Mails auf den Hals zu hetzen? Die sind so schon nervig genug.

  4. kampffussel Sagt:

    ich kann michaels verärgerung verstehen. er stellt sich mit seiner meinung der diskussion. anstelle hier ein gegenargument als kommentar zu schreiben, fehlt ein paar leuten offenbar das gesäss in der hose. aber wie er so schön sagt: es ist das internet und man ist (angeblich) anonym … ;)

  5. Michael K. Trout Sagt:

    @ Vernon und Christian: Weil sanftweiches Gesäusel und stilles Leiden nicht zu mir passt!

  6. Michael K. Trout Sagt:

    Kampffussel, die Spanier nennen es Cochones, Eier. Wer Eier in der Hose hat, der kann sich auch direkt stellen.

  7. Marian Sagt:

    Interessant….ich kenne diese Art von Internetschlachten. Wer kann wem am ehesten und dauerhaftesten ans Bein pi..en. Ich muss da inzwischen nur noch lächeln, wobei du mein vollstes Mitgefühl hast Michael

  8. Michael K. Trout Sagt:

    Marian, ursprünglich wollte ich im Artikel noch etwas über Weitpinkel-Wettbewerbe aus Kindergartentagen sagen. Schön, daß Du das auf das hündische Beinchenheben gebracht hast ;-)

  9. Marian Sagt:

    Gibt es hier irgendwo auch ein Bild vom Künstler? …die Neugier… ;-)

  10. boris Sagt:

    Tja, viel Feind viel Ehr´oder wie war das? Ich hoffe nur Du verstehst das als Ansporn, wenn auch unter anderer Mailadresse. Es gibt viel zu viele Fencheltee-Sülzer, da wäre es um die kleine, feine Schar kantiger Typen (männl. + weibl.) die geradeaus sind Schade. Was wahr ist muss wahr bleiben, und wer eine andere Wahrheit hat soll sich gefälligst der Diskussion stellen. Hat ja keiner von uns die allein seeligmachende Weisheit…

  11. Marian Sagt:

    Tja, was sich die Leute früher nicht getraut haben, weil man sie ja erkannt hat und direkt dafür “verurteilen” konnte (auch im moralischen Sinne), das können sie jetzt ganz gut übers Internet ausleben. Kekswichsen, Weipinkeln…dreht sich alles um die Frage wer hat den Größten und wer macht den anderen platt?! Die Urinstinkte treten wieder zu Tage, trotz vermeintlicher Zivilisation…

  12. Marian Sagt:

    @boris:
    Ein wahres Wort! Fencheltee-Sülzer ist herrlich ;-)

  13. Michael K. Trout Sagt:

    @Marian (Neugiernase *zwinker*) gugg ma hier … ist aber schon rund 5 Jahre alt.

    @Boris … klar versteh ich das als Ansporn. Ich habe schon eine kleine Fotoschule fertig, bei der so einige Leute ins Grübeln kommen werden … aber die lesen ja doch nicht öffentlich bei mir *lach*
    Fencheltee-Sülzer! Genial!

    Sessen wir unss ma hin un dringen Ma_Tee … gans weich … Du … so sanft … verstehste Du …

  14. Marian Sagt:

    @Michael
    ähm…wo hier??? ;-)

  15. Marian Sagt:

    ahhh, jetzt

  16. Michael K. Trout Sagt:

    gerade entdeckt: A’lfi Hartkor … und es passt soooooo gut in das jetzt und hier!!!
    Danke Ronald!

  17. kampffussel Sagt:

    @ michael: du hast ihn entdeckt … ich wollte dich nicht darauf direkt ansprechen. es steckt auch ein stückweit michael darin … nur eben in meiner art es zu verarbeiten :)

  18. Michael S. Sagt:

    Moin Michael,
    entweder bin ich schon derb abgestumpft oder ich kann keine Texte mehr lesen.
    Wie kann man nach dem Genuss Deine Texte durchdrehen????

  19. Ulli Gabsch Sagt:

    Hallo Michael,

    Deine Blogbeiträge der letzten Tage fand ich sehr erquicklich, hatte nur leider keine Zeit, diese würdigend zu kommentieren.

    Was gibt es Schöneres, als eine Meinung zu haben – und mit dieser zu polarisieren?! :-)

    Freu’ Dich über die Aufmerksamkeit, welche Dir – egal wie – entgegengebracht wird!

    LG

    Ulli

    P.S.: Nein, berühmt bist Du noch lange nicht! :-D

  20. Michael K. Trout Sagt:

    Michael S. … Du uns abgestumpft? Wohl zu lange in “wichtigen” Foren unterwegs gewesen *grins*
    Ich habe schon bemerkt, daß in der Blogwelt rund um die Fotografie meine Auseinandersetzung mit dem Thema der Auftragsfotografie mit spitzen Fingern angefasst wurde. Allerdings bin ich ja nicht der einzige “altgediente” Fotograf, der sich aus der Schlangengrube zurück zieht. Einige haben es in Blogs kund getan, andere machen es still und leise. Ich weiß z.B. von min. 5 Kollegen, daß sie sich sozusagen “alternativ” verdingt haben.
    Natürlich ist das ein spitzer Dorn für all die, die noch an die heile Fotografenwelt glauben möchten. Und das elitäre Rumgewedel “wir machen das doch alle nur zum Spaß” und dabei hinterrücks Euronen einsammeln wollen, wird zu einer richtig breiten Bewegung. Klar, wer noch an das leichte Geldverdienen mit Bildern glaubt, für den sind diejenigen, die einmal die Wahrheit sagen dann so eine Art Traumzerstörer. Außerdem macht es keinen guten Eindruck, wenn man sich bei Freunden und Familie mit seinen Geldverdienplänen profilieren möchte und aus wissender Quelle die anderslautende Botschaft kommt.

    Ulli, dann bin ich ja beruhigt. Das mit der Berühmtheit hätte gerade gar nicht in meine Lebenspläne gepasst.
    Das mit der eigenen Meinung ist ja immer so eine Sache. Je schärfer das Profil, umso mehr Leute können sich daran schneiden … und tun es dann auch meistens.

  21. Michael S. Sagt:

    Die Foren haben Vor- und Nachteile *grins*

    Vielleicht hilft es Dir, wenn Du weißt, dass es auch in anderen Berufen ähnliche Entwicklungen gibt. Ich bin Krankenpfleger, und in der Branche
    platzen täglich Träume. Die jungen Menschen erlernen den Beruf um andere Menschen zu helfen und landen mehr oder weniger heftig in einem industrieorientierten Gesundheitssystem.

    Mal was anderes Michael, ich habe mir auf Deiner Empfehlung hin eben eine Holga 135 pc ( Pinhole ) bei Spürsinn bestellt. Hoffentlich hält der Plastikfilmhalter einen Nightbird aus. Dieses Plastikteil soll mir nämlich helfen meine Träume zu visualisieren.
    Dreimal habe ich es versucht mir eine Pinhole zu bauen, dreimal gescheitert.

  22. Ronnie Sagt:

    Viel schlimmer fände ich keine Reaktion auf Deine Beiträge. Die, die zustimmen, nicken leise und andächtig und all die getroffenen Hunde bellen.

  23. Michael K. Trout Sagt:

    Ronnie, Reaktionen stören mich nicht … im Gegenteil. Mich stört nur, daß seit geraumer Zeit meine Kommunikationswege zugemüllt werden und Kommunikation so halt nicht mehr stattfinden kann. Na egal, ich werde eine neue Mail-Adresse basteln, wenn der Sturm im Wasserglas vorbei ist. In der Zwischenzeit gibt es “kleine Fotoschulen”, die noch ein wenig mehr Wahrheit sagen *grins*

    Michael S., ich habe immer einen Klotz im Magen, wenn die Gesellschaft als System bezeichnet wird. Schließlich ist es ein beliebter Sprachtrick, weil es volle und reibungslose Funktion unterstellt.
    Jepp, Lochkamera ist da eine echte Alternative zur Definition eines eigenen Systems. Holga Pinhole und Nightbird wird eine echte Herausforderung. Auch wenn das Ganze ISO 640 ausweist, brauchst Du Gegenlicht, Gegenlicht und nochmal Gegenlicht. Dann wird das mehr als genial.

  24. Michael (R.) Sagt:

    Tschuldigung dass ich mich einmische, aber das mit dem sozialpädagogisch-windelweich will ich nicht gehört haben, auch ich habe eine Berufsehre!

  25. Michael (R.) Sagt:

    @Michael S.
    Ja ich kenne das Problem, ich arbeite mit FSJlern, unter anderem in Krankenhäusern. Vorteil: Manche wissen am Ende des Jahres, dass die Realität zu heftig für sie ist und lernen gleich was passenderes.

  26. Michael K. Trout Sagt:

    Michael (R.), dann nehme ich das mit dem “sozialpädagisch” wieder zurück … aber für mich sind gewisse Arten der Gesprächsführung irgendwie sozialpädagogisch geprägt, wenn sie nur offene Frageformen in den Raum stellen und weiträumig um des Pudels Kern kreisen.
    Mag sein, daß ich da ungerecht Vorurteile pflege.

    Ist es nicht so, daß wir alle mehr oder weniger klare Aussagen erhoffen und oftmals mit unkonkreten Bruchstücken “befriedigt” werden? Seltsamerweise werden jedoch Personen, die klare und unmißverständliche Standpunkte beziehen, als zynisch, ironisch oder arrogant bezeichnet. Wer sich ein wenig “weicher” ausdrückt, kann sich immer noch bei Gegenwind auf das “… ich habe das anders gemeint” zurückziehen. Allgemein wird diese Diskussionsmethode Sozialpädagogen unterstellt, was eine böse Unterstellung sein kann.
    Unsere Gesellschaft liebt jedoch solche Schubladen ;-)

  27. Michael (R.) Sagt:

    Puh, das wird jetzt ein wenig ausführlicher, aber ich gehe trotzdem mal drauf ein :-)
    Also, die oft Sozialpädagogen unterstellte Gesprächsführung ist ein Klischee, das sich im wesentlichen aus Gesprächsführungsmethoden aus der psychotherapeutischen Richtung speist. Rogers wäre hier zu nennen, aber auch Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg. Beiden ist gemeinsam, dass sie im Kern davon ausgehen, dass Kommunikation mehrdimensional ist. Eines der einfachsten Modelle dazu stammt von Schulz von Thun und bennent vier Ebenen, auf denen Kommunikation stattfindet. Kurz gesagt sind Kommunikationsvorgänge nicht ausschliesslich Sachaussagen, sondern beinhalten auch Unterpretationsmöglichkeiten als Selbstaussage, als Beziehungsaussage und als Apell.
    Ungewollte Konflikte entstehen, wenn sich die Ebenen widersprechen bzw. widersprüchlich aufgefasst werden. Konflikte werden dabei als Störungen gelingender Kommunikation aufgefasst. Störungen erzeugen relfexive, zirkuläre Kommunikationsstrukturen und fahren sich dann leicht fest.
    Ziel einer gelingenden Kommunikation ist es daher zum einen, die Ebenen kongruent zu halten und bewusst zu bedienen, zum anderen zirkuläre Strukturen konstruktiv zu nutzen. Daher rühren die Techniken des zirkulären Fragens (Rogers) und der Trennung von Beobachtung und Interpretation (Rosenberg). Aber: Sozialpädagogen verfügen über ein weitaus umfassenderes Methodenrepertoire, die Verkürzung bezieht sich auf wenige Situationen und rührt daher, dass professionelle, methodische Kommunikation eben nicht Alltagskommunikation ist und daher oft befremdlich wirkt. Ist ein bisschen wie der unterschied zwischen Amateur und Profi in der Fotografie :-)
    Deine Erfahrung, dass klare Standpunkte und deren Pointierte Vertretung oft abwertende Reaktionen erzeugt kann ich teilen. Zynisch bin schon oft genannt worden. Meine Hypothese: Wer klare Standpunkte vertritt und Kompromisse nur auf der Grundlage fundierter Abwägungsprozesse zulässt und einfordert erzeugt beim Gegenüber schnell Angst. Zum Schutz vor dieser Bedrohung werden negitv besetzte Zuschreibungen aktiviert, d.h. der andere begegnet einer vermeintlichen Abwertung seinerseits mit einer abwertenden Haltung.
    Das alles hat übrigens mit Eiern recht wenig zu tun…

  28. Michael K. Trout Sagt:

    Michael (R.), jetzt habe ich echt etwas gelernt! Danke.

    Ich muß jetzt einmal ein Lob aussprechen. Mir gefällt die Kommunikation von uns allen hier außerordentlich gut. Das meinte ich auch mit dem Geben und Nehmen. Es muß ja nicht immer alles um das gleiche Thema gehen. Jeder Einzelne kann so viel aus seinem eigenen Erfahrungsbereich beitragen, daß es eine reine Lust wird, die Gespräche über den Blog zu führen.

    Außerdem wurde mir nun eine wichtige Sache in der Fotografie klar.
    Die Hypothese von Michael (R.) bringt eine neue Sicht auf die Dinge: Wer klare Standpunkte vertritt und Kompromisse nur auf der Grundlage fundierter Abwägungsprozesse zulässt und einfordert, erzeugt beim Gegenüber schnell Angst.
    Ist das nicht auch in der Fotografie so? Hierüber werde ich mir einige Gedanken machen.

  29. Esther Sagt:

    Ein frohes neues Jahr allerseits!

    Danke Euch! Ich habe jetzt auch viel gelernt beim Lesen Deines Eintrags Michael und der folgenden Diskussion. Mir gefällt die Gesprächskultur hier außerordentlich und nebenbei habe ich gelernt, wieso (also eine Facette des wieso) wahrscheinlich ich so oft Angst verursacht habe bzw. angefeindet wurde.

    Ich dachte beim Durchlesen, dass dies ggf. auch ein Grund dafür sein mag wieso oftmals von “mangelnder” Kritikfähigkeit gesprochen wird. Einerseits wird vieles schnell persönlich genommen und ist – vielleicht öfter als man denken mag? – auch so gemeint. *schulterzuck* Kritik = Fehler = Schlecht? Ist es das was ggf. da sooft abläuft.

    Jetzt verzetteln sich meine Gedanken. Vielleicht schreibe ich noch später etwas dazu.

  30. Michael K. Trout Sagt:

    Esther, mir ist auch schon aufgefallen, daß Kritik nur noch mit “schlecht” gleichgesetzt wird. Mehr sogar … es gibt immer mehr Menschen, denen es unangenehm ist, wenn sie öffentlich gelobt werden, obwohl Kirtik auch Lob sein kann. Dies bedeutet (wilde These von mir), daß weder Gutes noch Schlechtes zu einer Person gesagt werden darf, wenn sie nicht kritikfähig ist.
    Nun eine weiter These von mir, die wirklich an Wildheit kaum zu überbieten ist: Die meisten Menschen sind heute nicht kritikfähig … dashalb verlaufen Kommunikationen so seicht, also im Mittelfeld mit bewußter Aussparung von Gut und Schlecht.
    Das Ganze dehnt sich dann natürlich auch auf Lebensbereiche und Gesellschaftsbereiche aus.

  31. boris Sagt:

    Naja Michael, das mit den Superlativen ist immer so eine Sache und von den “meisten Menschen” zu sprechen dürfte eine Schippe zu viel sein.

    Ich glaube jedoch, dass sich die Diskussions- und Streitkultur verändert hat. Ich glaube ein zunehmendes Unvermögen und eine zunehmende Unwilligkeit festzustellen, sich ernsthaft einem Streitgespräch zu stellen um eine Position argumentativ zu verteidigen. Nach dem ersten Schlagabtausch mündet dies allzuoft in ein beleidigtes “das/du ist/bist mir jetzt zu blöd” oder gleitet in die verbale Müllkippe ab.

    Ursachen? Kann ich nur vermuten und ganz vermessen könnte man auf die Pisa Studien, sprachliche Verarmung und ähnliches kommen. Ich habe als Kind daheim noch gelernt zu diskutieren und zu streiten und war stolz wie Bolle wenn ich meine Eltern argumentativ mal schachmatt gesetzt hatte.

    Aber das ist ja schon ein Stückchen weiter als die Frage nach Lob & Kritik. Nunja, alles was am Ego kratzt muss erst mal verkraftet werden. Man sehe sich die Heerscharen von Gesangesstümpern diverser Casting-Shows an, die lügendetektorfest davon überzeugt sind ein wahres Goldkehlchen zu haben…

  32. Michael K. Trout Sagt:

    Boris, meine Überzeichnung bezüglich der “meisten Menschen” habe ich zwar unbewußt, aber nicht ohne Hintergrund gewählt. Es ist das Gesellschaftsbild, das uns präsent erscheint. Ob das nur eine laute Minderheit oder eine sichtbare Masse ist, kann so nicht exakt gesagt werden. Es ist jedoch auffällig, daß die Ballung dieses Verhaltens spürbar wird.

    Diskussionskultur wird heute tatsächlich nicht mehr häufig gepflegt. Es betrifft alle Lebensbereiche. Auch die Kunst der Argumentation leidet darunter. Woran das liegen mag, ist mir nicht so recht klar. Liegt es tatsächlich an der Verarmung der Sprache oder ist es doch die Angst irgendwo anzuecken. Möglicherweise ist es auch der Wunsch, in jeder Situation “gut dazustehen”. Dadurch wird natürlich das Kantige nicht mehr kultiviert.

    Ich finde es übrigens bemerkenswert, auf welch hohem Niveau diese Diskussion hier immer weiter geht. Wundervoll!

  33. Michael (R.) Sagt:

    Um das Niveau mal noch ein bisschen zu schrauben, kleine Lektüre zwischendurch, wir müssen das Rad nicht neu erfinden
    Erste Abkürzung: http://de.wikipedia.org/wiki/Kritikkompetenz
    Zitat:
    Im empirischen Modell von Bruce stellen sich folgende Konstrukte als geeignet heraus, Kritikkompetenz auf individueller Ebene zu messen. Für aktive Kritikkompetenz sind dies:

    * Kooperationsbereitschaft/ Perspektivenübernahme
    * Konfliktbereitschaft/ Selbstüberwachung
    * Selbstwert
    * Humor

    Kooperationsbereitschaft/ Perspektivenübernahme, Konfliktbereitschaft/ Selbstüberwachung und Humor lassen sich auch zur Messung der passiven Kritikkompetenz nutzen. Außerdem wurden für diesen Teil der Kritikkompetenz als relevant identifiziert:

    * Veränderungsbereitschaft
    * Akzeptanz/ Reaktanz

    Dann folgt eine Aufteilung in je Vier Typen von Kritikgebern und -nehmern.

    Das Modell ist insofern charmant, als es schonmal die Komponenten für Kritikfähigkeit auflistet und eine Typisierung von Kommunikationsstrategien (bzw. Zurechnungspunkten) vornimmt.

    Eine ganze Reihe der von Euch geschilderten Frustrationen lassen sich z.B. ein Muster aus mangelnder Passung von Kritikstilen bei Kritikgeber und -nehmer reduzieren.
    Erst wenn ich über diesen Ansatz nicht mehr weiterkomme würde ich mangelnde Kritikfähigkeit unterstellen, dann allerdings ist zu prüfen, in welchem Bereich die Defizite liegen (Verdacht: gaaanz oft Humor :-) )

    Dazu kommt, das die Fähigkeit auf Situationen mit unterschiedlichen Verhaltensmustenr zu reagieren sich erst mit zunehmendem Alter ausprägt, Jugendliche können komplexe soziale Situation oft nur schwer einschätzen und entsprechend ihre Reaktionsmuster anpassen. Berufliche Ausbildung und familiäre Vorerfahrungen spanne das Feld ebenso auf.
    Um nochmal die Fachlichkeit Sozialer Arbeit (so heisst die Sozialpädagogik heute) rauszustellen: genau das zeichnet diesen Berufsstand aus, Situationsadäquat auf andere Menschen einzugehen und sie durch Unterstützung und empathische Kritik in Problemlagen zu begleiten. Kurz gesagt.

  34. Sam Sagt:

    Am Rande, grade im Bereich Internet gibt es einen sehr schönen uns lesenswerten Artikel über Kritik von Paul Graham:

    “How to disagree”:
    http://www.paulgraham.com/disagree.html

  35. Michael K. Trout Sagt:

    Uff! Jetzt beginnt mein Denkkasten zu rotieren.
    Habe ich das richtig verstanden … erbitte Korrektur meiner gedanklichen Irrwege:

    * Mangelnde Passung von Kritikgeber und -nehmer führt unweigerlich zu Mißverdständnissen (das ist logisch und normal)
    ** Wenn auf einer Seite im Kommunikationsstil der Humor fehlt, wird dieser falsch als Ironie oder despektierlichem Umgang interpretiert.
    ** Es gibt verschiedene Arten von Humor, die gleichfalls falsch interpretiert werden können.
    * Kritik (positiv und negativ) benötigt dringend Akzeptanz/Reaktanz, um verstanden zu werden.
    ** Die eigene Einschätzung des Selbstwert ist Voraussetzung der Veränderungsbereitschaft
    *** Konfliktbereitschaft funktioniert nur bei intakter Selbstüberwachung und hängt unmittelbar mit dem Selbstwert zusammen.
    **** Daraus folgert, daß Kooperationsbereitschaft mit den Möglichkeiten der Perspektivenübernahme bzw. Positionierung der eigenen Ansichten (Kommunikationsstrategien) unmittelbar mit der Einschätzung des Selbstwert zusammenhängen.
    ***** Enthalten ist darin eine Art Generationenkonflikt, der Kommunikationsstil, Akzeptanz/Reaktanz und Veränderungsbereitschaft beeinflusst.

    Ist das so weit eine mögliche Schlußfolgerung?

    Auf jeden Fall sehe ich ab sofort Sozialpädagogen in einem anderen Licht!

  36. Michael (R.) Sagt:

    * Mangelnde Passung von Kritikgeber und -nehmer führt unweigerlich zu Mißverdständnissen (das ist logisch und normal)

    Nicht unweigerlich, aber es lässt sich auf dieser Annahme eine Menge erklären, wenn Kommunikation schiefläuft, siehe dazu auch Kommunikationstheoretische Grundlagen bei Schulz v. Thun (einfachstes Modell, das geht noch wesentlich komplexer:-))

    ** Wenn auf einer Seite im Kommunikationsstil der Humor fehlt, wird dieser falsch als Ironie oder despektierlichem Umgang interpretiert.
    ** Es gibt verschiedene Arten von Humor, die gleichfalls falsch interpretiert werden können.

    So kann das laufen…
    Ich habe die Arbeit von Anette Bruce nur überflogen, aber sie scheint (muss das noch lesen) einen Zusammenhang von Humorgeprägtem Kommunikationsstil und Selbstwert zugrunde zu legen.

    * Kritik (positiv und negativ) benötigt dringend Akzeptanz/Reaktanz, um verstanden zu werden.

    Die Paare sind jeweils als komplementäre Verhaltensmodifikatoren zu verstehen. Akzeptanz und Reaktanz sind zwei gegensätzlich wirkende Muster bzw. Haltungen. Wichtig für den Kritikstil ist, ob eine Person eher zu akzeptierendem oder ablehnendem Verhalten neigt, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlt. Kritik kann als Aggression verstanden werden, die entsprechende Reaktion hängt daher von diesem Parameter ab.

    ** Die eigene Einschätzung des Selbstwert ist Voraussetzung der Veränderungsbereitschaft
    *** Konfliktbereitschaft funktioniert nur bei intakter Selbstüberwachung und hängt unmittelbar mit dem Selbstwert zusammen.

    Den Thesen würde ich unter Vorbehalt zustimmen, muss mich auch hier in die Grundlagen der Arbeit erst noch einlesen. Grundsätzlich wird die Konfliktbereitschaft durch Selbstkontrolle begrenzt, sodass Eskalationen weniger wahrscheinlich werden und eine höhere Bereitschaft zur Perspektivenübernahme wirksam werden kann.

    **** Daraus folgert, daß Kooperationsbereitschaft mit den Möglichkeiten der Perspektivenübernahme bzw. Positionierung der eigenen Ansichten (Kommunikationsstrategien) unmittelbar mit der Einschätzung des Selbstwert zusammenhängen.

    Kann ich mir so nicht vorstellen, wenn die Parameter unmittelbar zusammenhängen sind sie in der Studie nicht als unabhängige Faktoren identifizierbar und damit müsste methodologisch einer eleminiert werden.
    Wenn ich Bruce richtig verstehe bilden sich in der untersuchten Umwelt (Betriebsklima) entsprechend disponierende Strukturen heraus.

    ***** Enthalten ist darin eine Art Generationenkonflikt, der Kommunikationsstil, Akzeptanz/Reaktanz und Veränderungsbereitschaft beeinflusst.

    Weniger ein Generationenkonflikt als eine typische Biografische Entwicklung. Altermilde nennt sich das im Volksmund. :-)
    Das Original der Theorie von Anette Bruce findet sich als Diss hier
    http://kups.ub.uni-koeln.de/volltexte/2007/1930/pdf/Kritikkompetenz_im_Management_Annette_Bruce_060707.pdf

    Allerdings habe ich in den nächsten Tagen keine Zeit die Arbeit durchzuarbeiten, vielleicht nächste Woche mal. Sorry, stecke mitten im Seminar.

    Kritisch zu prüfen wäre auch die jeweilige Übertragbarkeit, die Studie ist eine relativ neue Einzelstudie aus einem eng begrenzten Feld (Betriebliche Wirklichkeit)

    Ich kann verstehen wenn Dir der Kopf brummt, geht mir auch bald so.

  37. Michael K. Trout Sagt:

    uiuiui, nun wird es wirklich ganz hart … auf einem Blog rund um die Fotografie nun ein wenige … äääh, was ist das denn nun?

    Wir bewegen uns nun fast auf dem Hochschulniveau, exakt zwischen Kommunikationstheorie und Gesellschaftskritik. Selbstverständlich müssen wir sehen und begreifen, um zu verstehen. Hier verbindet sich nun eine Menge, auch bezüglich Verständnis in der Fotografie.

  38. Michael K. Trout» Blogarchiv » Die Arbeit ruft und ich verzweifle Sagt:

    [...] So, was mache ich jetzt? Und dummerweise habe ich vor wenigen Tagen meine E-Mail-Adresse wegen Spamüberflutung ins Nirwana geschossen. Irgendwie klappt gerade nichts so, wie es eigentlich laufen soll. Ich muss mir dringend [...]

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