Definition des Neofotografismus
Nun mal Tacheles. Mittlerweile glauben allerlei Menschen fotografische Weisheiten als Siegelbewahrer hüten zu müssen und allerlei Heilsprediger verspüren den Drang zur Verkündigung. Ganz im Trend liegt Purismus auf technisch hohem Niveau. Irgendwie sehe ich Parallelen zum Neoliberalismus (gegen Eingreifen des Staates in Wirtschaftsprozesse), die ich als Neofotografismus bezeichnen möchte. Hier nehme ich zwei Ausrichtungen wahr. So steht (a) gegen die Bearbeitung eines Bildes außerhalb der technikbasierten Automatismen und (b) Ablehnung der technischen Selbstverwaltung von Automatikprozessen ohne selektive Duldung durch den bedienenden Menschen.
Zugegeben, der Begriff des Neofotografismus ist eine freie Erfindung von mir. Manchmal habe ich das Gefühl, dass nur das, was ein spektakuläres Etikett trägt, als diskussionswürdig erachtet wird. Da nun die Fotografie zum wiederholten Male zum Volkssport geworden ist, erringt nur der Beachtung und Diskussionswürdigkeit, dass hochtrabende Etiketten vorweisen kann. Wer über die Websites von Fotografen huscht, wird oftmals eine reichhaltige Auflistung technischer Ausstattungen lesen können, die nach der Markenbekanntheit von Herstellern sortiert wurde. Unterstellt wird somit, dass nur Markenname und Markenbekanntheit gute Bilder erzeugt. Neofotografismus Typ (a).
Liberal wie wir alle sind, werden Ausnahmen zugelassen. Hauptsache die verwendete Technik ist modern. Herauszulesen kann man dies zumeist in Erklärungen von Fotografen, dass jedwede Automatik abgeschaltet wird, obwohl sie zu Verfügung stünde, wenn man sie bräuchte, ohne in Abhängigkeit zu dem Zustand zu kommen, falls man sie zulässt oder unterdrückt. Das Ganze hat etwas von der Legendenbildung des Mittelalters. Lobgesängen über edle Ritter, die sich ohne Rüstung ins Kampfgetümmel warfen, um die Schlacht zu Gunsten ihrer Seite zu entscheiden. Heldenverehrung kommt niemals aus der Mode. Neofotografismus Typ (b).
Was im Rahmen des Liberalismus seit Jahrhunderten Gültigkeit besitzt, ist die Institution von Forschung und Lehre. Wunderbar vorausdenkend sind Myriaden Theoretiker, die bar jeder Notwenigkeit einfach gedanklich und fragmentarisch zum Besten geben dürfen, was ihnen zwischen Suppe und Kartoffel einfällt. Schon seit alters her werden diese Denker Philosophen genannt. Ein sicherer Platz ist der Gelehrtenstuhl, weil der darauf Thronende traditionell nicht zum Thesenbeweis gezwungen wird. Es genügt, wenn er erste Ansätze liefert und die Schar seiner begierigen Schüler den Rest erledigen, um die These des Meisters zu untermauern. Ökonomisch ist das für den Philosophen auf jeden Fall, weil er seine Zeit nicht mit langwierigen Beweisführungen vergeuden muss, sondern sich sogleich dem nächsten Gedankenkrümel zuwenden kann. Genau das geschieht heute in der Fotografie … nicht nur vereinzelt, sondern schon recht geballt. Das Internet scheint unbegrenzte Verbreitung zu ermöglichen. Genau das ist Neo, also Neue, in der modernen Fotografie. Früher war das einmal anders. Da gaben nur diejenigen etwas zum Besten, die sich bereits in der Praxis in allerlei Beweisführungen bestätigen konnten. Aber diejenigen sind heute einfach nicht mehr modern, weil ihr Wissen bereits vor 50 oder mehr Jahren Gültigkeit hatte. Heute herrscht Neofotografismus.
Fotografie ist nichts anderes, als die Nutzbarmachung von physikalischen Gesetzen. Wer sich eines Fotoapparates bedient, lebt ungeachtet der eingesetzten Technik im Einklang mit den Naturgesetzen. Technik soll dem Menschen, somit auch dem Fotografen, dienen und nicht umgekehrt. In so mancher Diskussion über die Fotografie entsteht jedoch ein anderer Eindruck. Technik muss beherrscht werden, weil sie sonst die Vormachtstellung erlangt … so die Erkenntnis vieler Fotografierenden. Dies führt zu all jenen Erscheinungen, die ich hier als Neofotografismus verbrämt habe. Wir sollten uns alle an die Nase fassen und wieder zurück zu den Ursprüngen finden. Damit meine ich nicht, dass man unbedingt analog und retro unterwegs sein muss! Das möge jedem jetzt und in alle Zukunft selbst überlassen bleiben. Vielmehr bedeutet es, dass durch das Kümmern um das gute Bild, das feine Motiv, die aussagefähige Gestaltung, weder Kommissar Zufall noch Hochtechnologie die beherrschenden Kräfte in der Fotografie bleiben dürfen. Somit sind wir wieder am Anfang unserer Diskussion angelangt: Die fotografische Konstante ist die Kreativität.
Tags: Fotografie, Tacheles, Wahrheit, Zukunft
09. März 2010 at 10:42
was für eine schöne wortschöpfung …
auch wenn ein gewisses rumouren nicht zu übersehen ist, so wird sich am bejubeln der heilbringenden technik vorerst nicht viel ändern. und … das finde ich viel schlimmer: das wissen von vor 50 jahren wird mehr und mehr in vergessenheit geraten. diejenigen, die es beherrschen, tragen das wissen selten nach aussen … betrachten es vielleicht auch nicht als notwendig, weil es doch klar sein sollte. dem stehen die neos gegenüber, die es nicht wissen können, weil nie anders gelernt … um es mit T.V. Kaiser zu sagen: Ein Teufelskreis!
09. März 2010 at 11:00
Damit die Technik dem Menschen dient muss er sie beherrschen. So ist das im Handwerk nun mal.
09. März 2010 at 11:21
Ich sehe das ganz ähnlich wie kampffussel. Das Bejubeln der Technik stört mich nicht weiter. Ich zähle mich zugegeben auch zu denen, die sich von den Errungenschaften der modernen (wie auch der alten) Technik immer wieder begeistern lassen.
Ich finde es auch sehr schade, dass das alte Fotografenwissen in Vergessenheit gerät. Einer der Hauptgründe dafür dürfte sein, dass zu wenig von diesem Wissen im Internet zu finden ist, denn das Internet vergisst bekanntlich nichts (oder nur sehr schwer). Dieses Blog ist eine der wenigen löblichen Ausnahmen. Bevor ich darauf gestoßen bin, habe ich von vielen Techniken bzw. Vorgehensweisen und Bezeichnungen noch nie etwas gehört. In allen anderen Blogs, Websiten etc., die sich mit der Fotografie beschäftigen, wird im Prinzip immer nur das selbe “moderne” Wissen vermittelt.
09. März 2010 at 11:38
@ kampffussel Halt, stopp, Veto! Von wegen, es sagt ihnen keiner.
Ich würde jetzt mal behaupten, dass ich so 2-3 Gramm von dem alten Wissen besitze und würde es auch liebend gerne weitergeben, ABER es will ja keine Sau hören!
Das habe ich jetzt schon so oft erlebt, dass mir diesbezüglich Pseudointeresse entgegen gebracht wurde und sich letztlich als Lehrziel darüber gefreut wurde, dass man wusste was der ein oder andere Knopf an der Kamera macht; dies wäre auch leicht durch das lesen der Bedienungsanleitung herauszufinden gewesen, wenn man es dann getan hätte.
Du kannst ja mal 2 Workshops ausschreiben:
1. Aktworkshop ” blitzen bis zum Muttermund”
2. Photographie von A-Z
Dann schau mal wo Du wie viele Anmeldungen bekommst?
… und dann reden wir weiter!
Gruss
k.l.
09. März 2010 at 12:25
@ ka-el: ich sprach nicht von keinem oder so … selten habe ich es genannt (ganz bewusst gewählt!!!)
mhhh … ich denke der a-z workshop wird es nicht sein. ABER: sind die feuchtbiotop-knipser fotografen?
@ moondragon: ich halte das internet nicht für das medium fotografie zu vermitteln. so etwas kann man nur live “erlernen”, “praktizieren” usw.. neben dem wissen um das handwerk muss eine stimmung transportiert werden … und an diesem emotionalen kommt das web nicht ran
09. März 2010 at 14:21
yepp! abgenickt und gebloggt. meine rede, meine rede… danke für diesen schönen artikel.
09. März 2010 at 16:53
Auf die Gefahr hin, als Banause durchgereicht zu werden: Was genau willst du uns nun sagen?
Herr Olsen bringt es im Posting auf den Punkt. Um die Technik zu nutzen (oder eben auszuschalten) muss man sie erst mal beherrschen. Wie sie dann genutzt (oder eben nicht) wird, steht auf einem anderen Blatt.
Klar, im Optimalfall widmet man sich der Umsetzung der Kreativität und schafft Werke, die Fragen nach der angewandten Technik überflüssig machen. Andererseits: auch in der verwendeten Technik kann der Reiz liegen. Ich würde das eine nicht ohne das andere sehen.
Ich habe hier noch immer so medientheoretische Werke von Vilem Flusser liegen, der die Fotografie mal gaaaanz abstrakt auseinander nimmt und in Kamera (Werkzeug), Information (Inhalt), Bild (einerseits Oberfläche, andererseits auch Inhalt und Information) einteilt. Wenn man ganz konzentriert folg, abstrahiert man das technische Thema sehr schnell und dringt in neue Dimensionen ein. Und zwar solche, die Fotografen wahrscheinlich noch nie betreten haben.
Das geht dann soweit, dass man auch jeden anderen Gegenstand beliebig deuten (und somit auch um-deuten) kann. Achtung: Kreativität kommt aus der abstrakten Richtung. Ganz ohne Neo-Fotografismus und Auslöser!
10. März 2010 at 07:13
@golfiwang
Banause! *ggg*
Natürlich muss die Technik beherrscht werden, damit sie einen nicht am Gängelband führt
Aber das heißt ja nicht automatisch, dass einen die verwendete Technik zum besseren Fotografen oder das alleinige Wissen um die Technik zum allwissenden Guru macht, n’ est-ce pas?
Ein Denker, der nicht schreibt und nur darüber redet, dass er denkt, ist eben kein schreibender Denker.
Ein Fotograf, der stundenlang über die neueste Technik reden kann und nicht fotografiert, ist kein Fotograf.
10. März 2010 at 08:26
Was will ich mit diesem Artikel sagen?
Im Grund ist mir Golfiwang (der alte Banause *grins*) auf die Spur gekommen.
Selbstverständlich muß ich das Werkzeug in all seinen technischen Finessen verstehen, solange diese Finessen von mir beherrscht werden und nicht mein Handeln beherrschen. Frei nach dem Motto: ein Taucher der nicht taucht, taucht nich, sage ich auch, ein Fotograf, der nicht fotografiert … Tilla schrieb es schon.
Wir dürfen nicht unbeachtet lassen, daß es einen Unterschied zwischen Fotografie und Bearbeitungskomposition gibt. Gerade heute ist die Abkehr von der Bearbeitungskomposition in nahezu verzweifelten Aktionen zu beobachten. Da wird nicht mehr in/mit der Kamera ein Bild gestaltet, sondern erst in der digitalen Welt. Die Technik, die uns dazu befähigt, beginnt den Abbildenden zu beherrschen. Er kommt in einen Teufelskreis, dem er sich durch “unbearbeitet” entziehen möchte. Zwar wird dadurch nichts besser, aber es scheint oberflächlich ein Weg zu sein. Vergessen wird jedoch, daß ein gutes Bild bereits vor der Aufnahme beginnt. Nun gut, das ist jetzt sehr abstrakt und ich werde meine Gedanken dazu in einen Blog-Artikel packen.
ka-el, ich denke, die Fotografie ist mal wieder an einem Wendepunkt. Dein Einwand passt genau auf die Sparte, die sich in kürzester Zeit in die Region der spektakulären Bildergebnisse katapultieren möchte. Anhänger dieses Gedankens gibt es überreichlich und deshalb wird das irgendwie zum Auslaufmodell (vermute ich). Nichts geht daran vorbei, daß ein gutes Bild noch immer vom guten Motiv bestimmt wird. Und ja, Kampffussel, auch Feuchtbiotop-Knipser sind Fotografen, auch wenn sich mir bei derartiger Banalität die Haare zu Berge stellen.
ka-el, Du hast außerdem einen wichtigen Punkt “geliefert”: Wer “alte” Techniken beherrscht, kann in neuen Techniken nur noch besser werden.
Moondragon, im Grunde wäre das Internet zu klein, all die Erkenntnisse und Ratschläge der Alten hier hinein zu quetschen. Dabei geht es nicht um die physikalische/virtuelle Größe, sondern um die Verknüpfung des Wissens. Mir selbst kam vor ein paar Monaten eine wichtige Erkenntnis, als ich in einem Buch von 1923 blätterte. Da ging es um eine Tabelle, in der die Lichtqualität im Freien nach Monaten und Uhrzeit aufgelistet wurde und in Beziehung zu Filmeigenschaften (ok, damals schrieb der Autor von Platten), Filtern, Entwicklungsmethode und sogar Gradation von Fotopapier gebracht wurde. Für mich ging ein ganzer Kronleuchter auf … 99% der heute Fotointeressierten wäre in ein Häääää verfallen. Wenn die Informationsverknüpfungen fehlen, ist die beste Information wertlos. Leider.
10. März 2010 at 13:06
@kampffussel und @Michael K. Trout:
Dann lasst es mich anders formulieren. Es müsste im Internet vermehrt darauf hingewiesen werden, dass dieses Wissen existiert und wie bzw. wo man es sich aneignen kann (“alte” Lektüre, Workshops, etc.).
Bzgl. Informationsverknüpfung: Ist das Internet nicht die geeignetste Plattform um einzelne Informationen zu verknüpfen? Außerdem muss doch in der materiellen Welt auch jeder für sich Verknüpfungen zwischen den Informationshäppchen herstellen. Dass man die Erkenntnisse, die man durch praktische Handlungen erfährt, nicht durch das Internet (oder durch Bücher) vermittelt bekommen kann, ist klar.
Apropos Lichtqualität, darüber wolltest du doch auch mal was schreiben (siehe http://www.mktrout.de/?p=3251#comment-3608). War das in dem Buch nicht vielleicht sogar die Tabelle, die du damals erwähnt hast?
10. März 2010 at 14:55
Die technischen Grundlagen haben sich aber verändert. Die Kamera hat von der Holzkiste mit lichtempfindlicher Schicht als camera obscura einen weiten Weg zurück gelegt. Ähnlich moderner Autos sind heute so viele technische Vorkehrungen vonnöten, um ein Bild zu erzeugen, dass kein Fotograf sie noch beherrschen kann. Oder weiss jemand hier wie man den Readout eines CMOS-Sensors im Pseudoassembler des DIPs programmiert?
Die Digital-Technik wurde so getunt, dass sie das Verhalten analoger Vorgänger emuliert, aber die Physik ist ab einem bestimmten Punkt komplett eine andere.
Das ist die Grundlage, vor der viele jüngere und auch ältere Neueinsteiger an die Fotografie herantreten. Die wenigsten von uns haben Erfahrungen mit historischen verfahren, woher auch.
Daher rührt m.E. auch der Reiz, die Technik soweit zu entkernen, dass zumindest der Anschein von Abenteuer in die Fotografie zurückkehrt.
Pädagogisch ist dieser Drang zur Zweckentfremdung oder Umwidmung teil eines (da is er wieder) Aneignungsprozesses, ein ausloten der Möglichkeiten und Grenzen und damit erstmal für mich gerechtfertigt.
Das was Dich annervt (und mich zunehmend auch) ist das männlich geprägte Gesprächsverhalten, das sich im Internet reproduziert: Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem!
Dazu eine Prise Auto-Quartett und Genitalvergleich und schon sind wir alle wieder im Kindergarten gelandet. Nett!
Gleichzeit ist das Fotografische Wissen, von dem Du sprichst zwar technisch und inhaltlich aktuell, keine Widerrede in diesem Punkt. Dennoch ist es veraltet. Bitte was? Ja, veraltet.
Die veraltung des Wissens ist kein inhaltlicher, sondern ein sozialer Prozess. In dem Augenblick, in dem die jüngere Generation beschliesst, dass bestimmte Wissenbestände auf ihre Situation nicht oder nur unter großen Anstrengungen anwendbar sind, dass dieses Wissen keinen Anwendungswert besitzt, tritt die Überalterung ein.
In der Wissenschaftstheorie kennt man diese Vorgänge unter dem Begriff Paradigmenwechsel, nachzulesen bei Thomas S. Kuhn, The Structure of Scientific Revolutions.
Kuhn macht seine Phasen des Wandels zwar an äußeren Merkmalen fest, der beschriebene soziale Prozess ist aber übertragbar.
In der Feuerzangenbowle gibt es diese schöne Sequenz:
Dr Brett: Na, lieber Professor, es wäre ja auch traurig, wenn eine neue Zeit nicht auch neue Methoden hätte.
Bömmel: Ja, ja, ihr Jungen, ihr wollt immer alles besser machen. Und ihr macht es auch besser, das weiß ich ganz genau. Aber ich bin für die neuen Methoden zu alt.
… und ich geh jetzt in den Baumarkt mir Klebeband besorgen für mein Display.
10. März 2010 at 16:00
Moondragon, jepp das ist das Ding mit der Tabelle (boah, Du hast ein Gedächtnis!!!!).
Im Grunde wäre das Internet tatsächliche eine geeignete Plattform zur Informations- und Wissensverknüpfung. Leider ist das Internet durch seine Offenheit auch Spielplatz für Polarisierung. Ich weiß mit Sicherheit, alle Werke zu einem Thema gescannt und ins Internet gestellt, gibt Information, jedoch wenig Begreifen. Die gleichen Werke in eine Bibliothek auf den Lesetisch gepackt, einmal durch und hin und her gelesen ergibt gleiche Information, jedoch das Begreifen ist komplett da. Vielelicht kann mir jemand bei der Entschlüsselung des Rätsels helfen … definitiv ist der Begreifensprozess im Internet geringer. Das ergeben jedenfalls Studien über das Fachgebiet Fernstudium.
Michael (R.), da hast Du ja mal ein schönes Ding reingehauen, für das ich jetzt locker mal ne Stunde brauche …
10. März 2010 at 16:22
Naja, das Stichwort “Lichtqualität” hat mich wieder daran erinnert. Ich musste dann ein bisschen suchen, bis ich den entsprechenden Artikel nebst zugehörigem Kommentar gefunden habe. Das mit der Tabelle fiel mir erst hinterher auf.
Wie gesagt würde ich mich freuen, wenn du uns bei Gelegenheit anhand eines ausführlichen Artikels an deiner Erkenntnis teilhaben lassen würdest, und hoffe, dass mir dann zumindest ein kleines Lämpchen aufgeht und ich mich nicht zu den 99% zählen muss.
10. März 2010 at 18:24
Moondragon, ich mach gerade für Spürsinn einige Tests, ob die Tabelle für moderne Filmmaterialien anwendbar ist. Einige Differenzen habeich schon entdeckt. Aber im Grunde scheint die Hauptsache seit jeher gleich zu sein. Wenn ich damit fertig bin, gibt es sicher einen Artikel darüber von mir.
Bei meinen Recherchen ist mir aufgefallen, daß früher Fotografen solche Kalkulationsscheiben immer dabei hatten. Zuerst dachte ich “Hilfsschule”. Aber dann wurde es mir klar, daß tatsächlich (a) wegen Vorplanung und (b) wegen Belichtungskorrektur eine solches Hilfsmittel sehr nützlich sein kann. Ich habe gewühlt und gesucht, aber nirgendwo eine solche Scheibe von früher gefunden. In einigen alten Büchern gibt es Abbildungen (Zeichnungen) davon. Es scheint gerade so, als wäre in den 1930er Jahren das aus der Mode gekommen, im Müll gelandet und dann in Vergessenheit geraten. Aber ich bin dran!
10. März 2010 at 21:26
Sehr schön. Ich bin schon gespannt!
11. März 2010 at 13:46
Ich kenne jetzt nur die Amateurtabelle aus der Anleitung meine Isolette…. Aber ich würde mit Freuden wieder Belichtungstabellen auswendig lernen, für der Fall das der Beli ausfällt!
Vielleicht sollte ich mal den Sucher abkleben, den Beli ignorieren und alles auf Blende 8 1/125s knipsen…. unbearbeitet, Ehrensache. Achja und die Entfernung wird dann natürlich auch von Hand geschätzt.
Aber dann kann ich ja gleich die Isolette auspacken. Kein Beli, kein Schnibi, alles nur Schätzwerte.
12. März 2010 at 15:53
Michael K.Trout: Rührt diese Entwicklung nicht aus einer anderen Richtung her? Alles was die Digitalen heute können gab es schon um 1900, nur nicht so schnell und so “perfekt”. Die Hoffnung die viel hatten, dass das digitale fotografieren ( neue Technik = Kunstform oder gar Richtung) eine neue Fotografie hervor bringt, wurde nicht erfüllt. Stattdessen unbeherrschbarer Datenmüll, ständige updates und die Angst den technischen Anschluss zu verpassen. Für das eigentliche Bilder machen bleibt dann kaum noch Zeit. Logisch das dann die Bildermacher anfangen sich Gedanken zu machen. Den Technikfreeks, denen können die updates gar nicht schnell genug kommen. Aber von denen reden wir ja hier nicht.
golfiwang: Kannst Du mir ein Einsteigerbuch von Vilem Flusser empfehlen?
12. März 2010 at 16:09
Namensvetter, ich habe es ja nicht so mit der Musik, habe aber Freunde/Bekannte, die sich in diesem Umfeld bewegen. Dort höre ich häufig, daß nach einer Welle des Komplizierten eine Welle des Einfachen folgt. In der Fotografie haben wir das sicher auch. Nur wird es hier leichter, durch Technik das erledigen zu lassen, was ich nicht selbst machen will. Das trifft auf Digital und Analog zu. In den 1980er Jahren habe ich mir eine Pentax A110 mit allem Schnickschnack gekauft und mich hernach gefragt, warum ich mich noch mit meiner dicken Leica abschleppen soll. Was das kleine Ding zustande brachte, grenzt für mich heute noch an ein Wunder und wie gesagt, ich mußte da nicht lange rumdrehen und trotzdem war es gewiß keine Barfußfotografie.
Andere Beispiele finden wir in der Konica Hexar AF und manch anderem Modell. Schneller, höher weiter ohne Aufwand. Ich muß zugeben, in meinem Fundus sind einige dieser Apparate zu finden. Das sind Phasen. Aber niemals würde ich auf die Idee kommen, derartige Hochtechnologie zu kastrieren. Das kann nur Menschen einfallen, die nichts anderes haben oder nichts anderes kennen. Und da sind wir wieder am Neofotografismus angelangt.
12. März 2010 at 20:50
Michael K. Trout: Kann sein das da Leute unterwegs sind die den Weg den Du beschrieben hast ganz bewusst gehen. Die einen stellen die Kamera auf Automatik und gut ist. Die Anderen müssen ja die heutigen Kameras kastrieren, denn es gibt ja keine Digitale ohne Belichtungsmesser und nur Blenden.-Entfernungsring sowie den Belichtungszeitenknopf.
13. März 2010 at 12:36
Hallo Mike!
Vielen Dank für den superguten Artikel, den ich – selbstverständlich auch mit Link zu Dir – gleich in meinen heutigen Photography News verarbeitet habe:
http://www.lapplandblog.eu/files/bdea82a1e6101980a3b4e6991ae9ca05-1135.php
Viele Grüsse
Henning
16. März 2010 at 16:51
Genial erledigt!