Bitte gebt mir Antworten
Vorgestern habe ich die Frage gestellt, warum so häufig digitale Bildwerke auf retro und analog getrimmt werden. Ich bitte um Antworten, was einzelne Fotografen dazu treibt, ein vollkommen digital erstelltes Bild am Ende als Analogbild auszugeben.
Nein, ich will nicht verurteilen … ich will nur verstehen …
Tags: analog, Bild, digital, Fotografie, Frage

26. Juli 2010 at 06:55
Unterstellung: Du greifst zur Pola, statt zur analogen SLR, weil du einen bestimmten Bildstile erreichen willst.
Ich könnte mir vorstellen, dass digitale Bilder idR mit mehr oder weniger dem gleichen Ziel auf analog getrimmt werden. Die Frage ist also eher: Warum nimmt man nicht gleich das entsprechende Werkzeug? Und darauf gibt es sicher zahlreiche Antworten.
26. Juli 2010 at 07:41
Faulheit? Die Suche nach dem schnellen “Erfolg”? Eine Polaroidkamera zu suchen, Filme zu beschaffen, damit zu experimentieren – das kostet Zeit, Einsatz, Energie. Wie viel einfacher ist es da einfach den Photoshop hervorzukramen und ein schnelles Resultat zu produzieren. Oder noch einfacher das fertige mach-Bilder-zu-Polas-Programm [1] herunterzuladen. “Sieh mal, was für ein toller Kerl ich bin”.
[1] http://www.tuaw.com/2009/12/14/first-look-and-reader-giveaway-lo-mob-for-that-retro-photo-loo/
In einer Gesellschaft, die den schnellen Erfolg dem fundierten Handwerk bevorzugt, darfst Du nichts anderes erwarten. Schön, dass es noch Fotografen wie Dich gibt, die sich mit dem Thema richtig auseinandersetzen und nicht einfach auf den schnellen Erfolg aus sind!
26. Juli 2010 at 07:50
Danny, Deine umformulierte Frage trifft sicher ins Mark. Ja, warum eigentlich?
Flupp, ganz ehrlich, ich finde die Bilder des von Dir angegebenen Links gar nicht schlecht. Das hat was … aber etwas ganz anderes. Ein feiner Beitrag, der eindeutig für das Eigenständige der jeweiligen Medien spricht.
Und sicher ist Dein Einwand des schnellen Erfolgs vor fundiertem Handwerk ein Dreh- und Angelpunkt. In ein paar Jahren werden wir uns wirklich über die Nachhaltigkeit unterhalten müssen. Mode und Trend auf der einen Seite und langfristiges Verfolgen eines Ziels sind zwei nicht zueinander passende Schuhe (geworden). Danke für Deinen Kommentar!
26. Juli 2010 at 09:04
Es betrifft in Wirklichkeit nicht nur Polas, sondern die ganze Bilderwelt des Analogen. Nicht selten sieht man in Online-Galerien die schlimmsten Digitalbilder in einen scheußlichen Negativrahmen gepfercht – sogar abwechselnde Hoch- und Querformate werden gesichtet.
Ich selbst kommentiere dann gerne die Frage, warum das so ist. Wenn in den Diskussionen doch schließlich immer von der überlegenen Digitaltechnik gesprochen wird, wozu dann der charmante Analograhmen? Warum abwechselnd Hoch- und Querformat auf dem Streifen? Wenn man sich dieser Optik bedienen will, warum schaut man nicht nach, wie das wirklich aussieht? Warum diese Lieblosigkeit.
Die Antwort, die dann fix kommt: keine.
Die Leutchens geben sich auch nicht die Mühe, darüber nachzudenken.
Detto mit dem Polaroid-Hype. Für viele dieser Bildverunstalter ist Polaroid einfach ein Bilderstil. Michael, bitte übersieh nicht, dass die meisten dieser “Fotografen” zu jung sind, um dieses Medium echt erlebt zu haben. Dementspreched gehen sie recht ungeniert an die Sache ran und sehen in dem Namen “Polaroid” einfach eine Farbgebung, ohne jemals das Haptische davon erlebt zu haben. Und wem sollte man die kreative Bildgestaltung verbieten können, nur weil man das selbst als Sakrileg empfindet? Wäre doch ziemlich egoschweinig …
26. Juli 2010 at 09:16
Vielleicht einfach weil die digitale Technik vorhanden ist. Als ich mit Fotografie angefangen habe, habe ich mir einfach das übliche Anfängermodell gekauft. Damals war das halt analog. Heute wäre es sicher eine digitale. Für heutige Einsteiger ist es wohl naheliegender ein Pola zu “erphotoshopen”, als sich mit dem “alten Zeugs” auseinander zu setzen. Zumal ja die Filme nicht gratis sind. Eigene Arbeitszeit dagegen aber nicht gerechnet wird.
Das Bild dann aber explizit als Pola auszugeben, hat wohl mehr mit Geltungsdrang als mit Kunst zu tun.
Gruss Healy
26. Juli 2010 at 09:21
golfiwangs letzter Abschnitt sagt es um Welten besser was ich eigentlich ausdrücken wollte
26. Juli 2010 at 09:24
@Healy: geht mir auch so.
26. Juli 2010 at 10:19
Würde den obigen Kommentaren zustimmen. Wer erst im digitalen Zeitalter in die Fotografie eingestiegen ist, hat erstmal keinen Bezug zum analogen. Wie auch? Ich selber bin zwar schon ein älteres Semester, habe aber in der analogen Hochzeit nicht fotografiert. Jetzt bin ich über die digitalen eingestiegen und merke, wie schwierig es ist, in unserer Zeit den analogen Workflow umzusetzen.
Für analoge Kameras, egal welcher Coleur, wird z.T. unverschämt viel Geld verlangt, die Funktionstüchtigkeit ist manchmal eine zweifelhafte Angelegenheit usw. Für Filmmaterial gilt ähnliches, Apothekenpreise und begrenzte Auswahl, sieht man von Spezialhändlern mal ab. Der Weg vom Film zum Bild ist noch aufwändiger. Wer also nicht Material und Möglichkeiten von der vorlaufenden Generation oder aus dem Bekanntenkreis erbt, der hat erstmal Aufwand vor sich.
Dazu kommt die Lernkurve, die im digitalen Bereich anders aussieht, manche Dinge sind einfacher zu erlernen, ander schwieriger, aber insgesamt ist es leichter, an Ergebnisse zu kommen.
Gleichzeitig ist im digitalen nicht mehr der Print das entscheidende Ziel. Die digitalen Zwischenstufen sind für die Publikation im Netz bereits hinreichend geeignet, ohne je ein Papierbild in der Hand gehalten zu haben.
Gleichzeitig definiert analoge Fotografie in weiten Teilen bestimmte Stilmittel, die auch von der digitalen Generation gerne aufgegriffen werden. Korn, Schwarzweiss, Crossentwicklung, Polaroid. Etwas aus der Mode heutzutage: Runzelkorn und echte Filter.
Letztlich, da stimme ich golfiwang zu, handelt es sich zunächst um visuelle Stilmittel. Am Bildschirm sehen die Dinger dem Vorbild zumindest hinreichend ähnlich.
Echte Abzüge, und das ist mindestens mein Zwischenfazit aus digital, sind halt doch was anderes. Die digitalen Abzüge aus dem Massenlabor fühlen sich schon irgendwie künstlich an, sehen künstlich aus und sind halt insgesamt: Kunst äh, künstlich.
Aber leben wir nicht sowieso in einer knallebunten Plastikwelt? Ist künstlich das neue natürlich?
26. Juli 2010 at 13:03
faulheit? schneller erfolg? keine ahnung was pola wirklich ist oder war? das klingt mir zu einfach …
sicherlich muss man differenzieren, wer welche retro-effekte wie einsetzt. egal was die fotografie an technik bzw. verfahren hervorgebracht hat, am ende war es ein stilmittel. in meinen augen gibt es eine ausnahme: das digitale. es ist an charakterloser neutralität und perfektionismus kaum zu überbieten. auf der anderen seite bietet das digitale ausgangsmaterial möglichkeiten, auf dem digitalen weg “alte” stilmittel anzuwenden.
muss ich … weil mir die analogen stilelemente besser gefallen … deshalb auch gleich analog fotografieren? da bekomme ich bauchschmerzen …
ich möchte mal einen anderen gedanken einwerfen. auf internetbilder gebe ich relativ wenig bis überhaupt nix. spannend wird es, wenn die “künstler” ihre arbeiten zu papier bringen sollen. in den echten bildern gibt es wesentlich mehr zu entdecken, was der bildschirm und so ein kleines bildchen nicht zeigen kann.
und genau dieses zeigen können trennt die spreu vom weizen …
26. Juli 2010 at 13:28
Auf eine prägnate Frage eine schnelle Antwort: mir gefällt die analoge Anmutung einfach besser. Digitale Bilder sind mir zu glatt, aber ich mache sie auch, habe sogar eine Vollformat, aber am Ende finde ich analog einfach charmanter.
Wenn es für mich bezahlbar wäre, dann wären Kiev, Zenit, Minolta, Starflex, Pentax 110 meine steten und ausschließlichen Begleiter, doch das ist es nicht. Vielleicht wird es, wenn ich noch mehr über Filme, Entwicklung und die Fotografie im Allgemeinen gelernt habe.
Ich liebe Beschränkungen, wie Festbrennweiten – vielleicht auch ein Motiv, warum ich eine Sigma DP1s gekauft habe. Für eine moderne Digitalkamera kann sie erstaunlich wenig, aber analog ist sie nicht.
26. Juli 2010 at 14:34
Ich würde mich, ohne ausreichende Sicherheit, Helay anschließen. Auch in Bezug auf golfiwangs Abschnitt bezüglich des größtenteils jüngeren Publikums.
Einfach, weil die digitale Technik da ist, und vor allen Dingen als multifunktionales Instrument und Handwerkszeug begriffen wird, welche die Möglichkeit der automatischen Generierung von Stilelementen zusätzlich liefert. Das ganze ist aber mit einem großen Respekt vor alten Stil-, und Ausdruckselementen verbunden.
Zudem sollte man es nicht ausschließlich aus Sicht der künstlerischen Fotografen sehen. Im letzten blog habe ich in meinem Kommentar versucht, dies anhand von eigentümlichen Unrationalitäten von Astrofotografen zu vergleichen. Man kann dies aber auch anderswo beobachten. Wer im jungen Metier der Mangazeichner, wo gut die Hälfte sich des digitalen Handwerkszeuges bedient mal zuschaut, wird diese Unrationalitäten genauso sichten,wie auch den Respekt vor besagten alten und irgendwie noch immer einflussreichen Stilelementen.
Noch immer sind mehr als die Hälfte davon manuelle (also Zeichenstifte und so), Zeichner, welche i.d.R. doch schneller sind, als der Sehnenscheidenendzündungs-gefährdete Mauszeichner. Was den letzteren nicht von seiner Wahl des Instrumentariums abhält. Der größte Anteil sind hier allerdings die Mixer, welche beides verwenden.
Aber selbst der ausschließlich manuelle Zeichner, neigt des öfteren dazu, seine Bilder einzuscannen und wie der andere auch, den “Cartoon”-Filter nochmals drüber zu ziehen.
Ich würde einfach mal ganz inkompetent behaupten, dass es nicht rational erklärbar ist, sondern der Ausdruck einer Zeit selber. Eine Zeit, die digitale Kameras und Bild-ver/bearbeitung als gewohnt und normal empfindet, aber den Respekt vor Orientierung über Stil nicht verloren hat. Vielleicht gibt es sogar eine stille Sehnsucht nach Orientierung hier. Letzteres liegt vielleicht ein wenig darin verborgen, das es mittels digitaler Kameratechnik leichter/schwerer (?) ist, eine eigene Stilrichtung zu verfolgen, oder zu entwickeln. (Ob es leichter, oder schwerer ist, kann ich bezüglich Fotografie nicht beurteilen, – beim Design über Grafiksoftware ist es eindeutig schwerer.)
26. Juli 2010 at 17:27
Viele, sehr viele hervorragende Kommentare, die ich mir erst einmal durch den Kopf gehen lassen muß. Ich erkenne viele Aspekte, die mehr als nur einen Verständnispunkt bringen. Antworten von mir gibt es auf jeden Fall … wenn alles gesackt ist.
Aber zwei Dinge möchte ich trotzdem heraus greifen.
@kampffussel, ich hätte auch Bauchschmerzen, wenn ein Diktat lauten würde, daß einem Gesetz gleich vorschreibt, mit welcher Kamera, mit welchem Abbildungsmedium ich was machen darf und was nicht. Das geht gar nicht! Andererseits ist es eine Sache der Fairness, z.B. in Foren wo das Analoge (evtl. sogar fest gebunden an einen bestimmten Film oder Aufnahmeklasse) thematisiert und gewünscht wird, daß dort keine digitalen Fakes eingebracht werden. Das war der Auslöser meiner Empörung.
@Michael(R.) … die Preisdiskussion ist relativ. Da ich auch eine gewisse Zeit digital gearbeitet habe (immerhin stieg ich mit der Leica C1 in dieses Segment ein), kenne ich die Halbwertzeit von Chips sehr gut. 60.000 Auslösungen und das digitale Abbildungsmedium glänzt bei einigen Modellen mit erheblichen Pixelfehlern. Über die Tonnen zerschrotteter Akkus möchte ich jetzt nicht reden. Eine Vielzahl meiner analogen Kameras haben wahrscheinlich schon die halbe Million Bilder in ihren Bauch geschafft, ohne auch nur im Ansatz nachzulassen. In meiner Zeit der Reportagefotografie waren es jährlich bei 200 Arbeitstagen min. 10 Kleinbildfilme am Tag, also 72.000 Bilder im Jahr. Das muß eine Reportagekamera locker wegstecken … und zwar über mehrere Jahre hinweg. Somit ist die Preisrechnung Analog/Digital schon einmal hinkend.
Zudem gibt es einen Haufen gebrauchter Kameras (bitte nicht eBay als Beispiel nehmen) für kleines Geld bei hervorragender Funktion. Wer tatsächlich will, der greift da zu. Wer nicht will, für den ist es auch ok.
Filmmaterial gibt es nicht mehr an jeder Ecke. Dafür gibt es heute mehr Auswahl, als noch vor 20 Jahren. Und ständig kommt Neues hinzu. Ich will jetzt nicht schon wieder Spürsinn verlinken, aber wer dort hinein schaut bemerkt, daß es schon Filme für Euro 1,irgendwas gibt und man kann natürlich auch im Preis nach oben greifen kann.
Und um dem Allem noch ein Krönchen aufzusetzen, kann man auch im Großformat glücklich werden. Klar, ich habe auch so ein Teil … mit einem Objektiv, das locker das dreifache einer normalen DSLR kostet, aber weniger als ein Digitalvollformathammer der neuesten Generation … und nur 1/10 einer digitalen Mittelformat. Preis ist auf jeden Fall relativ und in unserer Diskussion hier max. an vierter oder fünfter Stelle ein Argument.
26. Juli 2010 at 20:49
Die Frage ist: Warum stellt sich die Frage immer und immer wieder? Was zählt ist doch das Ergebnis! Ob eine analoge Kamera länger durchhält oder in der Summe über die Jahre eventuell günstiger ist oder ob digitale Dinger mal den einen oder anderen Pixelfehler haben – das alles ist völlig egal!
Niemand würde auf die Idee kommen das Ergebnis des Tischlers nach dem Einsatz seines Handwerkszeugs zu beurteilen. Er kann Nachtschränke bauen, die aussehen wie vor 100 Jahren… oder 50…
Fotografieren ist die Kunst sich über Momente mitzuteilen, ein Hobby, ein Beruf, eine Leidenschaft…
Gleich wie Du es anstellst… Ein Foto ist ein Foto ist ein Foto…
26. Juli 2010 at 21:55
@Stilpirat
Das Ergebnis ist in beiden Fällen jedoch Schrank.
Sei mir nicht bös, aber Dein Vergleich hinkt. Natürlich kann ein Tischler einen Schrank bauen, der dem aus der Jahrhundertwende gleicht
Und selbstverständlich darf er dafür Werkzeuge benutzen, die es zur Jahrhundertwende noch nicht gab.
Aber er würde niemals Plastik mit Furnier beschichten und dann behaupten können, der Schrank wäre wie zur Jahrhundertwende und natürlich aus bestem Holz
27. Juli 2010 at 07:26
@Tilla Du weist ja, daß ich ein Analog-Fan bin, trotzdem möchte ich das Digitale nicht verteufeln und die analoge Fotografie mit Feenstaub überziehen. Möglicherweise hinkt der Vergleich in der Tat. Aber nur deshalb, weil ein Schrank ein Nutzgegenstand ist.
Wenn mich ein Foto berührt, dann berührt es. Ich hab bei Flickr unzählige Fotos gevavt, die mich emotional anstecken. Dabei sind unzählige mit “analogen Charakter”. Mich interessiert dabei nicht, ob diese Fotos auf analog getrimmt wurden oder “echte” analoge Fotos sind. “Der Weg ist das Ziel” mag für den Fotografen eine Rolle spielen. Dem Betrachter sollte es egal sein…
Ich wage mal eine furchtbar ketzerische und böse These:
Die Diskussion wird vor allem aus dem Lager der Analog-Fotografen immer wieder angezettelt, weil man es als ungerecht empfindet, einen Riesenaufwand für ein Ergebnis zu betreiben, daß der Digitalfotograf mit 2 Mausklicks auch hinbekommt und sich hinterher leider nur die Wenigsten dafür interessieren, ob das Ergebnis echt analog oder unecht digital ist. *duckundweg*
27. Juli 2010 at 07:42
Stilpirat, duck Dich! *lach*
Ist es tatsächlich so, daß in der digitalen Verarbeitung der analoge Touch mit 2 Klicks erzeugt werden kann? Ich habe meine Zweifel.
27. Juli 2010 at 07:42
Spannende Diskussion hier! Ich bin ja digital eingestiegen und gehe immer mehr auf Analog. Einfach weil ich nicht nur vor dem Rechner hängen möchte. Weil es spannend ist auf die Ergebnisse zu warten. Weil es “ruhiger” ist. Ich fotografiere analog anders als digital.
Warum man digitale Bilder gern wie analoge Werke aussehen lässt? Vielleicht weil sie fast jeder – auch die jüngeren Generationen -aus dem Familienalbum kennt? Aus Bildbänden?
MKT – Du hattest erzählt, dass die Programmierer von Photoshop ins analoge Fotolabor geschickt wurden um das was sie später zu coden hatten in “echt” zu lernen. Somit stammt Bildbearbeitung doch aus dem Handwerk. Wer weiß vielleicht finden so ein paar Leute zurück: vom Rechner in die Dunkelkammer?
Was mich treibt ein digitales Bild zu bearbeiten? Das kann ich nur so ausdrücken:
Ich bearbeite es – bis es mir gefällt!
27. Juli 2010 at 07:45
@Michael Ja leider! Schau Dir mal das “Alien Skin Exposure 3″ PlugIn für Photoshop an… da kriggse Angst!
27. Juli 2010 at 07:58
NAch langem Mitlesen, besinne ich mich wieder auf die Ausgangsfrage. Und die lautet nicht nur, warum Leute ein Bild digital bearbeiten, sondern “was einzelne Fotografen dazu treibt, ein vollkommen digital erstelltes Bild am Ende als Analogbild auszugeben?”
Vielleicht der Reiz, zu sehen, wer überhaupt den unterschied entdeckt?
Ich kann mir nur vorstellen, dass diese Leute so von sich überzeugt sind und es einfach versuchen wollen, ab welcher Könnerstufe sich die Gemeinde hinters Licht führen lässt. Denn dann können sie sagen, dass es wirklich kein “Original” (in der Fotografie sowieso Thema mehrerer Theorien) mehr gibt, sondern, dass alles auch künstlich generiert werden kann – von ihnen.
Wie bereits weiter oben geschrieben: mir machen eher die Leute Angst, die sich Versatzstücke aus dem Analogen “klauen”, um ihre schlechten Digibilder damit (Rahmen, Perforationen, Kopierrahmen, falsche Hassi-Rahmen, künstliches Korn, Vignettierung …) zu pimpen. Oft aus Unwissenheit, oft aus dem Gefühl heraus, aus Nostalgie etwas tun zu müssen, weil es im Familienalbum eben doch nicht soooo schlecht ausgesehen hat, wie sie in den Foren immer behaupten (müssen).
Wir werden auf keinen grünen Zweig kommen. Ich hatte gestern große Lust, in einem österreichischen Forum auf hierher zu verlinken und um Original-Statements zu bitten. Aber die Diskussionskultur lässt dort leider etwas zu wünschen übrig. Das hätte nur zu einer weiteren unnötigen analog/digital-Streiterei geführt und hier das Gespräch vergiftet. Fazit: Die Antwort auf die Eingangsfrage in Einzel-PNs oder persönlichen Gesprächen suchen …
27. Juli 2010 at 08:41
Noch ein Gedanke: Vielleicht handelt es ich bei der “Retro-Welle” einfach um eine Gegenbewegung? Die digitale Technik hat einen gewissen Perfektionsgrad erreicht. Ziel erreicht. Zeit für Neues. Neue Ansprüche. Neue Definitionen. Neue Ausdrucksweisen. Neu im Sinne: Für unsere Zeit neu – nicht im Sinne von “noch nie da gewesen”.
27. Juli 2010 at 10:34
Vielleicht gibt man ein Digitalbild als Analogbild aus, weil an der Abgabestelle Bilder nicht nach ihrer Aussage(kraft) beurteilt werden, sondern danach, welche Technik, welcher Kamerahersteller benutzt wurde.
Besonders witzig finde ich diese Diskussion in einem Medium, in dem man ausschließlich digitale Werke betrachten kann. Absurd!
27. Juli 2010 at 11:28
Bis vor zwei Jahren habe ich noch vollmundig in die Welt geblasen, daß ich für meine Fotografie stets das geeignetste Medium wähle. Mal digital, mal das analoge Kleinbild, mal das analoge Mittelformat, mal das analoge Großformat. Vom digitalen Mittelformat konnte mich noch nie jemand überzeugen, weil es aus meiner Sicht einfach nur ein Homunkulus ist.
Nun ja, mit der Zeit habe ich aber gemerkt, daß ich mich im Analogen eher wiederfinde.
Dabei ist es vollkommen egal, ob die Präsentationsplattform online(digital) oder offline (analog) ist. Tetti, ich finde es nicht absurd, auf einer digitalen Plattform das Analog-Thema zu besprechen.
Esther, der Gedanke bezüglich der “neuen” Ausdrucksform lohnt wirklich ein wenig weiter verfolgt zu werden.
golfiwang, ich bin fest davon überzeugt, daß es keinen Kampf Digital versus Analog mehr gibt. Einzelne werden das noch weiter am Leben erhalten, aber das sind auch diejenigen, die über den Sinn des Führerscheins diskutieren. Und derjenige, der eine Fahrerlaubnis erlangt hat, wird auch nicht gezwungen ein Fahrzeug zu führen.
Ganz nebenbei ist mir gerade der Gedanke gekommen, daß ich noch keinen Analogfotografen erlebt habe, der HDR (genauer HDRR = High Dynamic Range Rendering) mit seinen Bildern machen möchte … obwohl das sehr einfach ginge. Ein spannender Gedanke: Gibt es auch analoge Fakes, die dem Digitalen in die Parade fahren?
27. Juli 2010 at 11:45
@Michael K. Trout: Die Besprechung ist nicht absurd. Das Zeigen von analogen Bildern meinte ich eher. Weil vom analogen Bild bis zur digitalen Repräsentation wieder einige Schritte unternommen werden, die die Besonderheit von “analogen” Werken beseitigt. Ich kann auch den Charme einer Schelllackplatte nicht auf eine CD pressen. Wenn das klappen würde, gäbe es diese ganze Diskussion nicht. Digital kennt keine Werte zwischen 0 und 1, analog schon.
27. Juli 2010 at 16:32
@ trout: ich pflichte dir bei: wird klar und deutlich vom polaroid gesprochen, dann haben die digitalen ableger dort nix zu suchen. da sind wir wieder bei der fotografie und bildmanipulationen/montage und ähnliches angekommen. besagte fotografie verdient … aus meiner sicht … nur den namen, wenn der bildinhalt nur in “gewissen grenzen” und nahezu ganzheitlich entwickelt … bearbeitet wird.
bei meinen “digitalen polaroids” verwende ich (versuche ich zu verwenden) den namen des programms als schlagwort: “poladroid”.
27. Juli 2010 at 18:04
Vielleicht ist die Antwort eine ganz einfache…
Ich möchte vorher kurz ausholen…
Ich habe auf einem Flohmarkt eine Polaroidkamera für 1€ gekauft. Schnäppchen…Aber das Filmmaterial ist für mich doch auf die Dauer doch zu teuer…
Also..wenn ich ein Bild haben möchte, dass wie ein Polaroid aussehen soll, dann nutze ich die Möglichkeiten von Photoshop.
Vielleicht ist das der Grund, warum einige Fotografen zu diesem Stilmittel greifen…
Gruß
Marko
der heute morgen noch sehr geile s/w Aufnahmen vom 22.9.2007 angesehen hat…weil er wieder mehr zur Kamera greifen wird und endlich das entwickeln von S/w Aufnahmen lernen möchte….:-))))
27. Juli 2010 at 21:31
Wenn ich selber photographiere ist, wie bei einer guten Reise, oft “der Weg das Ziel” – d.h. das Wie und Warum ist mir wichtig – darum auch gerne mal alte Camera mit Geschichte, SW Film etcpp.
Wenn ich mir Bilder anschaue zählt einzig das Ergebnis das ich sehen kann – ob analog, digital, Hybrid, Pola, Cross, Gimp oder wie auch immer ist schnurz.
Wenn andere meine Bilder sehen dürfte es ihnen ähnlich gehen – die ganze Diskussion dreht sich daher IMHO um einen furchtbar langen Bart …
28. Juli 2010 at 07:31
Tetti, das ist sicher richtig, daß ein von analog zum digitalen gewandeltes Bild, bis auf wenige Details, kaum noch Unterschiede aufweist. Aber gerade die Details sind es, die manchmal spannend sind. Eine verrückte Welt. Aber gewiß werde ich darüber noch einmal gründlich nachdenken.
kampffussel, Grenzdefinitionen sind genau das, was nötig und gleichzeitig einengend ist. Gegen offen und ehrlich angesagte Technik habe ich nichts. Im Gegenteil, ich kann es dann richtig einschätzen/schätze. Andererseits finde ich es noch besser, wenn keine technische “Entstehungsgeschichte” zu Bildern angegeben wird. Dann kann das Bild selbst wirken und notfalls kann man rätseln, wie es entstanden ist. Meine Empörung betrifft ja auch nur die “Aktionen”, in denen etwas für etwas anderes ausgegeben wird.
muclomo, der Bart mag lang sein. Klar, alleine bezogen auf das Bild ist das “wie entstanden” vollkommen egal. Ich kann ein gutes Digitalbild genauso begeistert bejubeln, wie ein analoges Bild. Es kommt auf das Bild an! Störend sind jedoch (a) Aktionen, in denen ein digital entstandenes Bild als “echt analog” ausgegeben wird und (b) permanent von digitaler Seite dem Analogen Fehlerhaftigkeit und Minderwertigkeit unterstellt (und deshalb nahezu zwanghaft Bildfehler hinein operiert) wird. Aber auch das hat schon eine lange Tradition, als Mittelformatfotografen dem Kleinbild dies unterstellten (in der Literatur nach meinem Wissen erstmals um 1925) und die immer währende Diskussion um Korn bei SW-Filmen, das von den Einen geliebt und den anderen gehasst wird. Nur zwei Beispiele aus einer ganzen Reihe Uralt- und Immerwiederdiskussionen in der Fotografie. Das ist aber noch lange kein Grund, darüber nichts (mehr) zu sagen.
29. Juli 2010 at 20:13
Zitat:
“Störend sind jedoch (a) Aktionen, in denen ein digital entstandenes Bild als “echt analog” ausgegeben wird und (b) permanent von digitaler Seite dem Analogen Fehlerhaftigkeit und Minderwertigkeit unterstellt (und deshalb nahezu zwanghaft Bildfehler hinein operiert) wird. ”
Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die jungen Fotografen/innen ein echtes Polaroid, ein handwerklich gutes Dia oder handwerklich guter SW-Abzug gar nicht mehr in natura kennen und Analog nur noch mit der Holga / flickr in Verbindung bringen. Die Werbung für die digitalen Produkte machen dann den Rest.
Digital ist eben null oder eins, exakt, scharf und immer kontrollierbar, während analog nicht exakt und nicht 110% kontrollierbar dargestellt wird, da wird ja mit Flüssigkeiten und Emulsionen gearbeitet.
30. Juli 2010 at 05:49
Michael S., vielleicht ist es richtig, daß eine Vielzahl Menschen nicht mehr das haptische Erlebnis des Analogen kennen. Andererseits dürften sie es jedoch … zumindest im Ansatz … aus den Fotoalben von Eltern und Großeltern kennen. Das Erfahren der Arbeiten mit Emulsion und Chemie ist allerdings mit Sicherheit eine fremde Welt für die meisten Fotografen geworden.
Gestern Abend saß ich an einem Fotografen-Stammtisch und zeigte “live” meine Emulsionslifts. Die Anwesenden konnte trotz ausführlicher Erklärung nicht begreifen, wie ich derartige Bilder machen kann. Es scheint schwierig zu sein, gedanklich aus dem digitalen Workflow heraus zu kommen.
Marko, Deinen Preis-Einwand habe ich etwas länger abgewogen. Ja, das Digitale scheint im ersten Moment “preiswerter” zu sein. Auch dieses Thema hatten wir gestern am Stammtisch. Der PC kostet eine Menge Geld, gehört aber mittlerweile zu häuslichen Standardausstattung. Das sind also Ehda-Kosten. Die Investition für eine Digitalkamera wird einmal aufgebracht und somit ist sie eben auch da. Nun erscheint es so, als könnte man damit für alle Ewigkeiten alles machen. Im Grunde eine nicht ganz falsche Ansicht. Qualität wird in der Analogfotografie ständig diskutiert und ist immer die erste Anforderung der Betreibenden. In der Digitalfotografie wird schneller ein Level akzeptiert, sind die Betreibenden schneller zu Kompromissen bereit. So jedenfalls das Ergebnis des gestrigen Abends. Gerade der letzte Gesichtspunkt kam von den eingefleischten Digitalfotografen. Die Begründung für die Akzeptanz kam dann auch und hat mich sehr erstaunt: Weil nur die neuesten Bilder interessant sind und die von vor einem Jahr den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen, also alt, uninteressant und (noch) mangelhaft(er) in der Qualität sind. Ich war sprachlos.
30. Juli 2010 at 08:23
Spannende Ansichten hast Du da am Stammtisch aufgeschnappt. Warum genügen die Bilder vom letzten Jahr nicht mehr den Ansprüchen? Weil der Fotograf sich weiterentwickelt hat oder weil die Technik sich weiterentwickelt hat?
Anderer Punkt die Finanzierung: Es ist spannend, dass laufende Kosten oft als “teurer” empfunden werden als (erstmal) “Einmalige”. Das ist ja nicht nur in der Fotografie so. Viele Großstädter – die ich kenne – begründen so ihr Auto: Sie brauchen es nicht, aber die Öffentlichen seien ja soooo teuer. Bei denen handelte es sich übrigens entweder um Singles bzw. Paare mit jeweils eigenem Auto.
30. Juli 2010 at 09:26
„Qualität wird in der Analogfotografie ständig diskutiert und ist immer die erste Anforderung der Betreibenden.“
Aus meinem rudimentären Wissen rund ums Qualitätsmanagement ist hängen geblieben: Qualität ist kein Gütesiegel, sondern ein Kriterienset. Soll heissen: Qualität ist zunächst eine Reihe von Eigenschaften, die wahrnehmbar sind und einen Sachverhalt beschreiben. Das Messwertproblem und das Bewertungsproblem sind damit noch lange nicht erschlagen.
Anders formuliert:
Die rauhe Oberfläche eines RC Papieres (im Gegensatz zur glatten PE), der Weisston eines Papieres, die Dichte des Negativs und die Gradation des Papiers, etc. alles das sind Qualitäten. Wenn ich jetzt eine Auswahl aus allen wahrnehmbaren Qualitäten treffe und bewerte komme ich zum Umgangssprachlichen Begriff der Qualität. Eine Priorisierung der bewerteten Qualitäten und die Verdichtung auf einen Wert bezeichne ich zur Unterscheidung als Güte.
So, was ist jetzt die erste Anforderung der Analogies? Das hört sich für mich nach genau der gleichen Technobabblenummer an, wie bei den Digitalies, wenn z.B. das Thema High-Iso/Rauschen aufschlägt. Man kann endlos diskutieren und wird letztlich immer bei der Aussage landen: Kommt drauf an, was Du damit realisieren willst.
Ich meine, das Ergebnis der Analog-Digital Debatten ist ja inzwischen hinlänglich bekannt und publiziert. Beide Verfahren haben unterschiedliche Qualitäten und sind im Grunde einander ebenbürtig. Die Arbeit, um zum guten Print zu kommen fällt an anderen Stellen an und die Kosten sind ebenfalls an unterschiedlichen Stellen aufgelaufen. Die Psychologie individueller Kosten-Nutzen Rechnungen sollte hier allerdings nicht unterschätzt werden, wir Amateuere rechnen anders als Profis, die einen Teil der Kosten als Investitionen und Abschreibungen bewerten würden, die Arbeitszeit berechnen müssen und wo auch ein anderes Ergebnis/Präsentationsform angestrebt wird.
Wie ich oben schon angedeutet habe, die Gleichung ist ausbalanciert, solange das Ergebnis im Print/an der Wand zählt. Das Gleichgewicht verschiebt sich allerdings massiv, wenn nicht der Print, sondern die digitale Präsentation in niedriger Auflösung an erster Stelle steht.
Aber was ganz anderes: Ich würde an die Frage noch anschließen: Warum gehen Leute, die im digitalen Zeitalter gross geworden sind den Weg zur Analogfotografie? Warum boomen Sachen wie Lomo oder Pinhole derzeit so? Auch den Pola-Hype würde ich gerne verstehen, für mich war Pola immer ein Mittel, um in der Arbeit mit Gruppen schnell Bilder in der Hand zu haben und die Teilnehmer in Kontakt untereinander zu bringen, der Kunsthype wurde und wird meines Erachtens durch einige wenige Akteure z.T. aktiv geschürt. Anders ist es nicht zu erklären wenn im Grunde fehlerhaftes Ausgangsmaterial mit unvorhersehbaren Ergebnisse aufgrund mangelnder Qualitätskontrolle als ideale Ausgangsbasis für Unikatskunst verkauft wird. Das Ganze läuft wohl ähnlich wie bei der Lomografie, je unvorhersehbarer das Ergebnis desto Kunst
30. Juli 2010 at 12:48
Esther und Michael (R.), die Kosten-Nutzen-Diskussion ist so alt wie die Welt, beginnt beim Bierkasten (0,33er Flaschen oder 0,5?) und endet irgendwo hinter dem Horizont der Qualitätsmerkmale … die, wie Michael /R.) richtig sagt, eine vom Anwender oder einer Institution erschaffene Merkmalliste (in einem Toleranzbereich) entsprechen müssen. Wenn es richtig läuft, treffen die Gesamtkosten (Anschaffung + laufende Kosten) am richtigen Punkt mit der Gesamtsumme der Qualitätsmerkmale zusammen.
Michael (R.), ich weiß nicht so genau, ob wir einen Retro-Hype oder eine Neueroberung (Rückeroberung?) von gewissen Medien erleben. Auch die Polaroid-Diskussion stellt sich aus meiner Sicht vollkommen verschoben dar. Die Filme, die nun von impossible neuerfunden (tatsächlich, es handelt sich um vollkommene Neuentwicklungen) auf den Markt gebracht wurden, gab es in ähnlich “unperfekter” Ausführung auch bei Polaroid. Es waren auch schon früher Materialien für Künstler/Kreative. In Europa traten sie jedoch nicht so sehr ins Rampenlicht, weil der hauptsächliche Zielmarkt in den USA lag. Das kennen wir aber auch von der normalen Filmindustrie. Dort hat z.B. in den 1970er Jahren Kodak (England) eine große Vielfalt Kreativfilme in eng begrenzten Mengen hergestellt. Da der englische Fotografenmarkt diese Filme förmlich aufsaugte, kamen nur ganz selten diese Filme hier bei uns an. Internet gab es noch nicht und somit wurde die Botschaft der Verfügbarkeit nicht weit verbreitet. Hätte es damals schon mit Internet eine ähnliche Informationsverteilung gegeben, würden wir heute nicht so erstaunt auf den jetzigen “Hype” schauen. Definitiv gibt es seit rund 2 Jahren mehr kreative Filmmaterialien, als noch vor 10 oder 20 Jahren. LOMO oder so sind nur ein Teil dieser Kreativerscheinung. Und wenn wir uns heute über den “Lomo-Bildstil” ereifern, dann müssen wir auch ganz klar sehen, daß dieser ursprünglich der “Japanischen Schule” aus Mitte der 1960er Jahre entliehen ist. Nicht mehr, nicht weniger. Und Lochkamera-Fotografie verbreitete sich ab 1890 und wird seither permanent von seinen Anhängern betrieben und gepflegt. Bekannt wurde es in der Breite eben durch Internet-Diskussionen. Nun ja, da haben wir es wieder. Das Internet ist schuld
Und Kunst ist das noch lange nicht, nur weil es geht *rofl*
31. Juli 2010 at 09:43
Michael, dass die Kosten-Nutzen-Diskussion sehr alt ist … klar. Dennoch habe ich den Eindruck, dass sich einiges verändert hat. Klar kann ich es nicht genau greifen. Versuche es dennoch:
Oft höre ich die Frage – nicht nur von jungen Leuten: “Was ist das Beste? Wie soll ich mich entscheiden?” Oft antworte ich darauf: “Ich weiß nicht, was das Beste für Dich ist. Probiere es aus. Was willst Du denn und was auf gar keinen Fall?” Der Dialog geht oft dann weiter: “Keine Ahnung. Daher möchte ich wissen, was das Beste ist. Test-xy sagt Produkt-xy ist das Beste.” “OK – hast Du Dir die Kriterien angeschaut? Entsprechen sie Deinen Kriterien?” … Oft enden solche Gespräche damit, dass mein Gegenüber enttäuscht ist, dass ich nicht weiß, was das Beste (für sie) ist …
… manchmal erzähle ich dann von meinen Wegen und Irrwegen, sowie davon immer noch mitten im Lernen, Erfahrungen sammeln und ähnliches bin. Dass ich Risiken eingehe – mal nicht das Beste für mich zu erwischen, etc. Selbst ein Fehlkauf hat einen Nutzen: später weiß ich besser, was ich möchte und was nicht.
Die Kosten-Nutzen-Diskussion im Netz befremdet mich häufig. Oft werde ich einfach das Gefühl nicht los, dass eigene Entscheidungen mit von anderen “rational” aufgestellten Kriterien begründet werden. Oder gar die Entscheidung auf diesen “Grundlagen” getroffen wurde.
So nach dem Motto: Wenn ich mich (für mich) “falsch” entscheide – war der “Test” verantwortlich – die haben “falsch” getestet. Nicht ich – weil ich mich auf den Test verlassen habe.
31. Juli 2010 at 15:16
Esther, mitten in Deinem Text steht eine wichtige Aussage: Man muß Risiken eingehen.
Oft entsteht der Eindruck, wenn “ich” mit dem Mainstream schwimme, kann man nichts falsch machen. Ein fataler Fehler in der Fotografie! Mainstream war da schon immer die untere Kante des Erreichbaren.
07. August 2010 at 00:00
warum mischt man vinylsches knistern digital auf audio bei? /mehr abstand zum bild und zur zeit, das tut wohl. das eigentliche bleibt immer, nämlich das, was auf dem bild drauf ist, egal mal grün, mal blau, mal vintage. postpop oder neopopdada – diese zeit ist diesbezüglich zwar relativ zum kotzen, aber sie soll einen ja nun nicht abhalten vom sehen, oder? gruß und herzlich viva.
15. August 2010 at 08:43
Mein lieber Herr Schneck,
Neopopdada ist ja wohl der geilste Begrifft der letzten Tage! Postpop wird leider heutzutage zu schnell mit der gelben Post verwechselt.
Wir sollten uns mal zusammensetzen und (was wir ja schon lange einmal tun wollten) auf einem Bild unserer beider Schaffenswut vereinen. Rötelzeichnung auf Emulsionslift! Kann es eine größere Sprengkraft für die Revolution der Künste heute geben?
Revolutionärer Gruß mit geballter Faust
29. August 2010 at 10:35
[...] K. Trout Gedanken über Leben, Fotografie und Erotik « Bitte gebt mir Antworten Im Schatten der Milliarden des Kunstmarktes [...]