Ich habe Antworten bekommen
Vor wenigen Tagen habe ich meine Empörung heraus geschrieben, Fragen aufgeworfen und um Antworten gebeten. Ihr hattet viel Geduld mit mir, viele Antworten kamen, neue Gesichtspunkte haben sich zu altbekannten Ansichten gesellt und nun weiß ich: Nicht die Antwort sondern die Frage war falsch.
Ausgehend vom Gedanken, dass die Fotografie heute immer mehr von Fälschungen lebt, war meine Empörung von meinem Standpunkt aus betrachtet wahrscheinlich richtig. Um das Ganze jedoch zu begreifen, muss man seinen Standpunkt verlassen und das Geschehen aus einer anderen Perspektive betrachten. Fotografen sollte dies nicht schwer fallen, weil es ihr tägliches Geschäft ist. Also habe ich Umschau gehalten. Es ist eine recht schwierige Angelegenheit, seine eigenen Erkenntnisse nicht aufzugeben und trotzdem neue Erkenntnisse hinzu zu nehmen. Gerade die moderne Fotografie zwingt dazu. Das ist auch gut so, weil darin der Fortschritt liegt. Jetzt habe ich die für mich wichtigen Gedanken zusammen gestellt. Hier meine Thesen:
Ein großer Teil des modernen Lebens besteht aus Bildern. Ein Bild ist ein Dokument und egal ob ein Dokument echt oder unecht ist, ist es richtig oder falsch.
Der Beweis für die Echtheit eines Dokumentes beinhaltet grundsätzlich den vorausgeschickten Zweifel an dessen Echtheit. Die Echtheit des Beweises ist nicht verbürgt, solange kein als echt erwiesenes Dokument den Beweis erbringt.
An jedem echten oder unechten Dokument hängt eine Geschichte, die Teil eines großen Ganzen darstellt, das Historie genannt wird. Wenn eine Kiste voller Dokumente ausgeleert und dazu der Sack den damit verbundenen Geschichten ausschüttet wird, wird Dokumentiertes lebendig.
Dokumentiertes ohne Geschichte ist leblos und somit sinnlos. Sinnloses ist nicht zwecklos, wenn es im passenden Umfeld gezeigt, diskutiert und aufbewahrt wird.
Hat jemand erwartet, dass ich ohne Bissigkeit zu neuen Erkenntnissen komme? Sicher nicht. Was auf den ersten Blick böse und polarisierend wirkt, bietet aber auch neue Freiheit. Erlaubt ist, was machbar ist. Dieses moderne Lebensmotto ist ein Kennzeichen unserer Modernität und gleichzeitig auch Ausdruck unserer Freiheit. Wir alle können stolz auf diese weitgehende Freiheit sein. Allerdings liegt es in der Verantwortung eines jeden Menschen, die Freiheit so zu gestalten, dass die Freiheit Anderer nicht eingeschränkt wird. Damit kann ich mich wieder gut und gerne in der Fotografie und ganz besonders im fotografischen Teil des Internet bewegen. All das sind meine persönlichen Erkenntnisse, die keinen Anspruch auf allumfassende Richtigkeit erheben.
Tags: Beweis, Bild, Dokument, echt, Fortschritt, Fotografie, modern, unecht
30. Juli 2010 at 09:18
Auf die Gefahr hin, dass ich mich blamiere, aber: Die frisch gezogenen Schlüsse sind für mich nicht schlüssig. Auch, wenn deine Worte sonst sehr präzise sitzen, wiederholst du dich ein wenig und widersprichst dir sogar selbst.
Wo es bei mir hakt:
- Wie kann ein Dokument richtig oder falsch sein? Diese Begriffe sind für mich nicht mit Dingen wie z.B. einem Dokument verbunden. “Richtig” oder “fascl” sind doch eher Inhalte – in diesem Fall wäre das Dokument bereits zum Inhaltsträger mutiert, wir sprechen aber doch noch von einem Ding, also z.B. einem Foto. So gesehen müsste “echt” oder “unecht” durchaus passen.
- Diskussionen übe die Echtheit füllen Bücher. Aber wie soll ein Dokument einen Beweis seiner Echtheit (für seine Echtheit?) erbringen? Das Dokument ist also so lange nicht echt (falsch?) bis es das Gegenteil beweist? Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz!
- Dokumente oder Dokumentiertes wird erst in Kombination mit Geschichte und Geschichten lebendig? Jein! So gesehen, müsste bei jedem Dokument oder Bild noch eine Historie zugefügt werden. Geht ja nicht. Oder meinst du damit, die Geschichte(n), die bei der Dokumenten-Betrachtung automatisch vom Rezipienten zugefügt werden – und wenn sie nur im eigenen Kopf entstehen? Dann ist es klar, denn jede Betrachtung wirft die eigenen Phantasie-Maschinerie an.
- Leben und Sinn eines Dokuments soll also von der Präsentation im “passenden Umfeld” abhängig sein? Einspruch! Das würde bedeuten, dass jemand erst ein passendes Umfeld bestimmen müsste, bevor etwas (und zwar wirklich egal, ob Bilder, Schriften, Filme oder jede andere Art von Dokumentation) präsentiert? Wer soll das sein? Der Zentralpräsident der Welt? Nein – meiner Meinung nach haben Dokumente verschiedene Formen von Leben und Sinn in sich. Daraus ergibt sich, dass jedes Publikum und auch jedes Individuum einem Dokument selbst (und eigenständiges) Leben und Sinn einhauchen kann. Plumpes Beispiel: Ausstellungen über Nazi-Verbrechen und KZ. Jeder einzelne Besucher (egal ob Schulkind oder Neonazi) belebt das Gesehene in seinem Kopf mit ganz eigenen Assoziationen und Gedanken …
Wo ich wiederum ganz bei dir bin: “Erlaubt ist, was machbar ist” und “Allerdings liegt es in der Verantwortung eines jeden Menschen, die Freiheit so zu gestalten, dass die Freiheit Anderer nicht eingeschränkt wird”. Ja, die Kombination dieser beide Aussagen trifft es wieder einmal. Im Sinne der Ehrlichkeit und Offenheit (und nicht zuletzt dem aufklärerischen Willen) sollte es doch im Interesse des Einzelnen sein, Dokumente aktiv durch die Hinzufügung von Geschichte(n) zu beleben. Leute, die das nicht tun (oder bewusst verfälschen) betrügen sich und andere dabei – aber das ist ein anderes Kapitel.
Bitte nicht falsch verstehen, dass ich hier so ins Detail gehe. Aber je knapper du deine Schlüsse ziehst, desto präziser müssen sie passen – und für mich treffen sie noch nicht auf den Punkt. Aber ich lasse mich gerne überzeugen …
30. Juli 2010 at 09:26
Also, … du bist ein sehr sachlicher Empörer
Allerdings liegt es in der Verantwortung eines jeden Menschen, die Freiheit so zu gestalten, dass die Freiheit Anderer nicht eingeschränkt wird
Ich denke, damit kannst du dich auch im “nicht”fotografischen Teil des Internets bewegen
Das könnte man glatt als “Eigenverantwortung” bezeichnen, wenn ich das ein wenig spitz formulieren darf. Die willentliche Selbstbeschränkung um das; “Erlaubt ist, was machbar ist.“, nicht so gar aus dem Ruder laufen zu lassen. Ich glaube, an diesem Verantwortungsgefühl, müssen wir alle noch ein wenig basteln.
30. Juli 2010 at 10:11
golfiwang, jetzt sehe ich auch die Unschlüssigkeiten in meiner Ausführung, obwohl es in meinem Kopf absolut schlüssig ist. Hm, ich werde da wohl nacharbeiten müssen. Dazu brauche ich allerdings eine kleine Weile.
antiferengi, ist vielleicht die Ungleichverteilung des Verantwortungsgefühls der Dreh- und Angelpunkt an vielen Mißlichkeiten des modernen Lebens?
30. Juli 2010 at 10:14
zwei dinge schießen mir bei der diskussion durch den kopf … ganz großzügig ausgelegt:
1. bei der einführung des farbfernsehens war ein gebildeter mann der felsenfesten meinung, dass das farbfernsehen nicht der sehgewohnheit des menschen entspricht und es deshalb über kurz oder lang zu schäden führen wird.
2. als gary numans “are ‘friends’ electric” erschien, führte es im radio zur dikussion, ob elektronische musik die zukunft ist und die guten alten rockbands aussterben werden. die verbale auseinandersetzung wurde erwartungsgemäß emotionsgeladen geführt und das pro und contra hielt sich nach meinem dafürhalten die waage.
meine meinung: in der zeit des umbruchs ist es schwer in der masse eine “vernünftige” diskussion zu führen. es tun sich neue wege auf … die man für sich persönlich gehen kann oder nicht. egal ob analog oder digital: wer sich nicht der reinen effekthascherei hingibt und stattdessen seine sichtweise in ein bild überträgt, wird immer etwas echtes erschaffen … egal ob es auf der realität basiert oder einer fantasie entspricht.
was mir persönlich wichtig ist: das neue handwerk “digital” darf nicht das analoge verteufeln und damit als antiquiert in die vergessenheit schicken. die “erlebnisarchäologie” zeigt, dass selbst noch nach jahrhunderten ein bedarf besteht zu erfahren, wie pyramiden oder burgen erschaffen wurden.
und: grundsätzlich sollte man als erstes jeden text, jedes bild oder video in seiner “echtheit” in frage gestellen … nicht konsumieren und einfach glauben, sondern sich auseinandersetzen.
30. Juli 2010 at 12:13
Allerdings liegt es in der Verantwortung eines jeden Menschen, die Freiheit so zu gestalten, dass die Freiheit Anderer nicht eingeschränkt wird
Das nennt sich Gesellschaftsvertrag und ist die Grundlage unserer FDG (freiheitlich-demokratischen Grundordnung). Stammt aus dem 18Jh.
Zur Richtig/Falsch Echt/Unecht Problematik nur eine Anmerkung: Ein Dokument ist per se echt und richtig. Erst seine soziale Deutung produziert Zuschreibungen, die einer ethischen (richtig/falsch) oder marktwirtschaftlichen (echt/unecht) Bewertungen unterliegen. Es ist also niemals das Dokument, sondern der Mensch bzw. die Leute.
An jedem echten oder unechten Dokument hängt eine Geschichte, die Teil eines großen Ganzen darstellt, das Historie genannt wird. Wenn eine Kiste voller Dokumente ausgeleert und dazu der Sack den damit verbundenen Geschichten ausschüttet wird, wird Dokumentiertes lebendig.
Dokumentiertes ohne Geschichte ist leblos und somit sinnlos. Sinnloses ist nicht zwecklos, wenn es im passenden Umfeld gezeigt, diskutiert und aufbewahrt wird.
Die Unterscheidung von Sinn und Zweck ist hier wichtig und hilfreich. Aus der Theorie psychischer Systeme wissen wir, dass der Menschliche Geist (nicht das Gehirn!) auf der Grundlage von Sinn operiert. Sinnzuschreibungen sind die Grundlage für jeden Gedanken und Referenzen in die Umwelt werden ausschließlich über Sinnzuschreibungen erzeugt.
Das Dokument an sich ist daher tatsächlich sinn-los, wenn wir davon ausgehen, dass Sinn ein Zuschreibungsmuster und keine Tatsache ist. Sinnzuschreibungen werden von Menschen erzeugt und evtl. untereinander kommuniziert. Auch soziale Systeme, die auf Kommunikation basieren, unterscheiden Kommunikation anhand von (zugeschriebenem) Sinn.
Zweck ist bereits ein abgeleiteter Begriff, d.h. ein zugeschriebener Sinn mit einer Aufladung durch eine Zielsetzung. Das passende Umfeld interpretiere ich demnach passend im Sinne von: zielführend. Welches Ziel verfolgt eine Präsentation? In der Regel werden drinstecken: Kontextualisierung von Einzeldokumenten untereinander, Bezug zum Erzeuger, historische Bezüge, Bezüge zum Werk anderer, Assoziative Kontextualisierung.
Aus den entsprechenden Kontexten werden Steuerungsimpulse erzeugt, die sinngebenden Charakter entfalten und daher nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Sinnerzeugung beim Betrachter manipulieren können. Gelingt dies, wird beim Betrachter der Eindruck einer konsistenten Sinngebung erzeugt, in der Regel wahrnehmbar durch den Eindruck von Stimmigkeit. Damit ist richtig/falsch und echt/unecht immer noch nicht erschlagen. Hierzu werden in der Regel noch externe Impulse eingebaut, also Zertifikate, Gutachten, Beweisketten etc.
Was wollte ich sagen? Ähm, kann das mal jemand lesen und mir Bescheid geben?
30. Juli 2010 at 12:32
@ Michael (R.)
Was du sagen wolltest? Wenn ich es für mich kurz zusammenfasse, würde es lauten: alles hat einen Sinn. Aber der Sinn variiert mit der Betrachtungsweise.
Ja, das meine ich auch. Der Sinn (eines Dokuments) muss nicht dem Sinn des Betrachters entsprechen. Wenn hinter dem Dokument ein Sinngeber (Künstler?) steckt, kann dieser dem Dokument eine (echte oder falsche) Historie zur Seite stellen. Damit wird die Sinngebung des Betrachters gelenkt. Klassisches Beispiel: Konzeptkunst oder generell sehr offene Kunst, die eben individuell betrachtet (und analysiert) werden kann.
Ein klassischer Marketingsatz lautet: Ich weiß erst, was ich gesagt habe, wenn du mir sagst, was du gehört hast.
Dieser Satz trifft auf viele Bereiche des täglichen Lebens zu. Das FEEDBACK zeigt, wie etwas (ein Dokument, eine Meinung, eine Tat) angekommen ist. Und selbst dann müsste man ein GEGEN-FEEDBACK geben, um zu sagen, wie das erste FEEDBACK angekommen ist.
Wenn wir es genau nehmen wollen, sind wir also in einer Schleife gefangen.
Selig sind die, die einfach nur betrachten können …
30. Juli 2010 at 12:53
Aua, gerade wünsche ich mir einen etwas langsameren Geist, weniger Schleifen im Gehirn und die Gabe einfach nur etwas betrachten zu können.
Ihr fordert mich wirklich heraus!
Danke dafür …
30. Juli 2010 at 12:59
Haha, danke dir.
In Wirklichkeit stellst du die Herausforderung und einen (oder sogar mehrere) große Schritte in eine Richtung. Wohin wir nun sprinten bleibt uns überlassen. Aber eines ist sicher: die (argumentativen) Wege kreuzen sich immer wieder …
Ich wälze mich derzeit durch theoretisches Fotomaterial (Flusser, Barthes, Benjamin und ein Sammelsurium an Beiwerk). Eigentlich nicht unspanend. Aber ich staune immer wieder, wie Leute um den heißen Brei reden/schreiben können, wenn es doch auch Bilder und Ideen zu betrachten gäbe.
Andererseits: es ist auch spannend, dem Bildnerischen das Bild zu nehmen und es auf eine andere Ebene zu transferieren. Diese Abstraktion eröffnet ebenfalls neue Möglichkeiten. Sinn, Sinnhaftigkeit und das Sinnverständnis ergeben sich aus der (individuellen) Kombination dieser Dinge.
30. Juli 2010 at 13:22
@M.K.T Dem schließe ich mich an, wenn man dem Begriff Verantwortung seine Vielfalt lässt.
Ich meine, da wird ziemlich viel Schindluder mit betrieben
30. Juli 2010 at 15:02
Ich übersetze jetzt mal für mich ins einfache Deutsch und bitte darum, Gnade walten zu lassen:
“Jemand der Digital fotografiert und dem Bild eine analoge Anmutung gibt, ist ein Fälscher, da er vorgibt analog zu fotografieren, dies aber eigentlich nicht tut.” Was fängt wo an und hört wo auf?
Bin ich bereits ein Fälscher, wenn ich ein Digitalbild in scharz/weiss umwandle?
Kleine Geschichte am Rande:
Ich hatte bis vor 2 Monaten noch ne Hasselblad 500c/m. Auf einem Porträtshooting mit meiner Digitalen holte ich das Ding raus und schoß ein paar Filme voll. Ich hatte wunderbare Filme, hab ordentlich gemessen und belichtet. Nachdem ich die Filme im Fachlabor hab entwickeln lassen und Abzüge davon erstellt wurden, ging ich freudestrahlend mit Abzügen von der Digitalkamera und der Hasselblad zum Kunden und präsentierte im die 15 Tüten voller Bilder.
Der Kunde hat weder den Unterschied gesehen noch war es irgendwie von Belang für ihn. Er freute sich über die Bilder. Ihm war es schnurzpeipegal womit sie gemacht wurden.
Die Bilder aus der Hassi waren übrigens so sauber, fussel- und fleckenfrei und ohne Korn, das der Unterschied zum Digitalbild nur für den Kenner sichtbar wurde… und das bei einem nicht nur gefühlten finanziellen Ungleichgewicht.
Bin ich eigentlich auch ein Fälscher, wenn meine analogen Bilder nachdem Ausbelichten so aussehen wie digitale Bilder?
30. Juli 2010 at 17:02
Stilpirat, schau bitte noch mal ganz genau auf meinen obigen Blog-Artikel. Daraus wird (aus meiner Sicht) eindeutig klar, daß es nicht den Sündenfall “Digital wir Analog” oder “Analog wie Digital” oder “sonstwasoderwie” gibt. Im vorherigen Blog-Post wurde an einer Stelle von authentischer Fotografie gesprochen. Dies war der Faden, an dem ich mich entlang gehangelt habe.
Für mich ist die Kette eindeutig. Bild = Dokument = echt. Solange ich nicht behaupte, daß ein grünes Dokument rot ist, kann ich Farbgestaltung betreiben bis der Arzt kommt. Alles gut.
Solange niemand einen Beweis verlangt (oder vorher nicht ausdrücklich gesagt wird, daß ein Dokument/Bild mit dieser oder jener Technik erstellt werden muß), ist jedes Dokument/Bild zweifelsfrei und so lange gilt der Spruch “ein Bild ist ein Bild ist ein Bild”.
Nicht die Anmutung eines Bildes, sondern die dazu gegebene Information/Geschichte macht es zu einem echten oder falschen Dokument.
Jedes Dokument/Bild hat eine Geschichte. Im einfachsten Fall eine Entstehungsgeschichte.
Achtung, jetzt kommt der Haken!
Auch echte Bilder können falsch sein … dies bedeutet, daß nicht zwingend jedes analoge Bild gut ist, oder jedes digitale schlecht, oder jedes analoge mangelhaft (mißverständlich auch als Retro-Look angesehen), oder jedes digitale Bild hammerscharf und so weiter.
“Ein Bild ist ein Dokument und egal ob ein Dokument echt oder unecht ist, ist es richtig oder falsch.”
Dies bedeutet, daß wir uns aus den weichen Faktoren “gut” oder “schlecht” (da sie durch Geschmack beeinflusst werden) trennen und eine Zwischenstufe zur rein technischen Beurteilung finden müssen.
Warum soll ein “normaler” Bildbetrachter Unterschiede bemerken, wenn er nicht weiß wonach er suchen muß? Das empfinde ich als etwas zu hohe Anforderung.
Die Preis-Leistungsdiskussion hatten wir schon im “Bitte gebt mir Antworten“.
02. August 2010 at 10:35
Da fällt mir folgender Satz ein: “Der Mensch tut nur für sich Sinnvolles.” Weiß jetzt nicht mehr wo ich diesen Satz herhabe. Einschränken würde ich diesen Satz lediglich zeitlich: Kurzfristig immer – Mittelfristig nicht mehr so häufig – Langfristig wird man sehen.
02. August 2010 at 10:42
@Esther: Achtung mit dem Sinnbegriff. Umgangssprachlich verstehen wir unter sinn etwas anderes, als der Soziologe damit meinen würde.
02. August 2010 at 11:06
Ich verstehe das Wort “Sinn” in diesem Satz so: Meine Handlungen oder Nichthandlungen sind ein Ausfluss dessen, wie ich meine Welt und ich mich in ihr jeweils im Augenblick wahrnehme und interpretiere.
Der “Sinn” setzt sich aus vielen “Sinnen” zusammen. Wahrnehmung, Glauben, Erfahrungen (Weltbild), Sprache, Bedürfnisse, etc. pp.
Die soziologischen, philosophischen oder auch psychologischen Auseinandersetzungen mit dem “Sinn” sind zwar interessant – aber meiner Ansicht nach oft wenig alltagstauglich.
Letztendlich nervt es mich häufig, dass Leute “Stenografie” reden – auch Fachsprache genannt – aber nicht mehr sagen, was sie meinen bzw. sagen ob sich sich gerade einer Fach- oder Umgangssprache bedienen.
02. August 2010 at 11:50
Kleine Provokation: Blende, Verschlusszeit und bildaufbau sind auch Fachsprache.
Ich gebe Dir ja insofern Recht, als Fachsprache a) als solche ausgewiesen sein will und b) nicht in allen Fällen zur Erhellung der Fragestellungen beiträgt. Aber die Verwendung fachlich fundierter Überlegungen immer und jederzeit unter das Kuratel der Alltagstauglichkeit zu stellen ist, gelinde gesagt, nicht zielführend.
Ich habe mich auf Deine zeitliche Verschiebung der Sinnhaftigkeit von Handlungen betogen. Das ist aber kein Problem des Sinns, sondern der späteren Neuzurechnung angesichts neuer (historisch-biografischer) Tatbestände. Unser Gehirn erzählt unsere Biografie jeweils als Geschichte und folgt dabei anerkannten, narrative Kausalitäten.
Im Zuge der Ermittlungen zum Tod von Dominik Brunner wurden in letzter Zeit häufiger Forschungsergebnisse der Neuro-Biologie herangezogen, die darauf hindeuten, dass Erinnerungen nicht als solche abgespeichert und abgerufen werden, sondern sich bei jedem Zugriff quasi verflüssigen und neu abgespeichert werden.
Was also gestern sinnvoll war bleibt gestern sinnvoll, auch wenn die Folgewirkungen im heute und morgen das gegenteil zu Tage fördern.
Der gleiche Prozess findet in sozialen zusammenhängen statt, nur dass Sinn und Erinnerung hier soziale, gemeinsam vereinbarte und kommunizierte Konstruktionen sind.
08. August 2010 at 18:01
Der Diskurs beschäftigt mich:
Warum wird ausgerechnet das Faken von Digitalbilder als Polaroid so kritisiert – Schwarzweiss, Großformatränder oder Kleinbildstreifenlook und ähnliche Techniken eher geduldet ?
Ich denke es hat mit dem Ursprung und der Wahrnehmung von Polaroids zu tun. Warum waren in den 70er und 80ern Polaroids so populär – abgesehen vom oft wissenschaftlich / dokumentarischen Einsatz ? Polaroids waren der probate Weg Dinge zu fotografieren die andere Leute nicht unkontrolliert zu Gesicht bekommen sollten – insbesondere in den (immer noch) prüden und bigotten USA. Palaroids sind der Inbegriff des geheimen, lasterhaften, scheuen und intimen Bildes.
Heute geht das alles mit Videos und Digitalbildern. Erstaunlicherweise hat diese Entwicklung aber nicht zu mehr Intimität geführt – die aktuelle Generation kann garnicht darauf warten ihre geheimsten Bilder und Filme möglichst schnell öffentlich zu machen. Und jetzt wird damit auch noch die Ikone des heimlichen Bildes geschändet – welch ein Frevel !
08. August 2010 at 18:17
@muclomo: Spannende Interpretation. Das Pola: heimlich, echt, einmalig. Herrlich!
09. August 2010 at 15:14
Hallo Michael…
ich hab gestern eine alte Balgenkamera erstanden…
Ich bräuchte da mal deinen kompetenten Rat:-) am besten per Mail:-)
LG
Marko