Artikel mit ‘Fotografie’ getagged

Im Schatten der Milliarden des Kunstmarktes

Sonntag, 29. August 2010

Nach vorsichtigen Schätzungen beläuft sich der weltweite Handelswert des Kunstmarktes auf 40 Milliarden Dollar pro Jahr. Andere Quellen sprechen von 20 Milliarden Dollar. In Europa sind, nach einer Enquêtestudie des Bundestages, ca. 6 Millionen Beschäftigte in der gesamten Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Dies steht für ein Wirtschaftsvolumen von rund 650 Milliarden Euro, das Populärschaffende nicht einschließt. Basierend auf Zahlen des Arbeitskreis Kulturstatistik e.V. ist Deutschland im mehrjährigen Vergleich mit 5% bis 6% daran beteiligt. Angesichts dieser Summen hat der Wirtschaftsbereich „Kunst“ eine beachtliche Größe, mit verhältnismäßig stabiler Wirtschaftskraft. Selbst die 2008 einsetzende Wirtschaftskrise hat daran wenig geändert. Lediglich die Sparte der zeitgenössischen Kunst kam nahezu vollkommen zum Erliegen.

Angesichts des gigantischen Wirtschaftsvolumens lohnt das Nachdenken über das Gesamtgefüge der Kunst. Exakte Zahlen über den Anteil der Fotografie am weltweiten Kunstmarkt gibt es nicht. Zudem ist es schwierig, in der Fotografie zwischen Kunst und Populärschaffen abzugrenzen. Letzteres wird direkt im Auftrag oder im Nachhinein für aktuelle Berichterstattung oder Illustration verwendet. Ob Werke anschließend Eingang in den Kunsthandel findet, wird wohl in den wenigen relevanten Fällen durch einen Kultstatus geregelt.

Bei all dem muss man sich Gedanken darüber machen, wie hoch die monetäre Ausschüttung an zeitgenössische Fotokünstler ist. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland über den Vertriebswege der Online-Verkaufsgalerien weniger als 5 Million Euro pro Jahr bei den Fotografen ankommen. Dies mag auf den ersten Blick eine beachtliche Summe sein, die sich jedoch schnell relativiert. Mehr als 10.000 Fotografen bieten über Online-Galerien ihre Werke an. Man braucht keinen Rechenschieber, um den Durchschnittsbetrag von 500 Euro pro Fotokünstler zu errechnen. Zum Lebensunterhalt kann dies keinesfalls dienen.

Der Verkauf über Verkaufsgalerien mit festen Ausstellungen und Ladengeschäften oder Auktionen lässt den Handel mit zeitgenössischer Fotokunst etwas freundlicher aussehen. Allerdings werden hier im Überwiegenden limitierte Kunstwerke oder Einzelstücke gehandelt. Die Erstellungskosten für derartige Kunstwerke ist erheblich höher und rechtfertigt im gleichen Zug hohe Verkaufspreise. Branchenkenner gehen davon aus, dass in Deutschland pro Jahr rund 60 Millionen Euro in der unikaten Fotokunst gehandelt werden, mit einem Rohertrag von 20 bis 30 Millionen für die Künstler. Die Anzahl der an diesem Handel beteiligten Fotokünstler ist nicht bekannt, wird jedoch auf deutlich weniger als 2.000 geschätzt. In diesem Bereich kommen wir also dem notwendigen Beitrag zum Lebensunterhalt schon wesentlich näher. Trotzdem reicht es, verglichen mit Lebenshaltungskosten und Normallohn, bei Weitem nicht aus.

Spätestens seit Anfang der 1970er Jahre scheint der Bereich der von Sammlern beauftragten Kunstfotografie in Deutschland keine Rolle mehr zu spielen. Andere europäische Länder, allen vorweg Frankreich und die Benelux-Länder, sowie Japan und die USA, zeigen gänzlich andere Tendenzen. Auf diesen Märkten sind deutsche Fotokünstler allerdings weniger gefragt. Übereinstimmend wird signalisiert, dass aus künstlerisch-kreativer Sicht aus Deutschland wenig erwartet wird. Dementsprechend gering ist das grundsätzliche Interesse. Tatsächlich zeigt sich im internationalen Vergleich die deutsche Kunstfotografie weniger innovativ und beinahe gleichförmig konservativ. Wie zur Bestätigung des für Deutschland geltenden Rufs des ingenieurmäßigen Denkens und Handelns in Deutschland, finden sich auf internationalen Kunstschauen entsprechende Bestätigungen in größerer Anzahl. Nachbesprechungen solcher Veranstaltungen untermauern dies beständig.

Abschließend muss betrachtet werden, welche Auswirkung der allgemeine Ruf eines Landes auf den Markterfolg eines einzelnen Künstlers hat. Grundsätzlich wird die Herkunftsangabe immer mit einer Erwartungshaltung verbunden. Dies ist keine neue Erscheinung, sondern traditionell verankert. Hinzu kommt, dass Deutschland mit einem im Ländervergleich sehr geringen Kunstmarktaufkommen eine geringe Bedeutung im internationalen Handel hat. Dies erschwert Künstlern das Eigenmarketing, ohne das es auf dem Handelsparkett nicht geht. Bedauerlich auch, dass in Deutschland die Kunstförderung von staatlicher Seite nicht in der künstlerischen Fotografie ankommt. Auch Messen und Ausstellungen mit internationalem Ruf finden nicht statt. Somit ist nicht verwunderlich, dass deutsche Fotokunst im Blick der internationalen Öffentlichkeit nur ein Nischendasein fristet.

Eine nüchterne Bilanz. Aber nicht jeder Fotograf, der seinem Hobby frönt, will Künstler mit Erwerbsinteressen werden. Im Grunde befreit eine solche Sicht der Dinge. Was für Erwerbskünstler eine bittere Realität darstellt, kann für andere einen interessanten Gestaltungsraum entstehen lassen. Wichtig erscheint dabei das Abwenden von Allgemeinplätzen und Hinwenden zu Neuem. Kunst kann nur in einem vorbereiteten und passenden Umfeld gedeihen. So wird, wie aus der neueren Kunstgeschichte zu entnehmen ist, die Grundlage einer Kunstausprägung in der breiten Bevölkerung gelegt, durch Erwerbskünstler weiter entwickelt und trifft wieder auf allgemeines Kunstinteresse. Daraus entsteht das Gesamtgeflecht der Kultur, im Zeichen der zeitgenössischen Kunst.

Die eingangs genannten Zahlen des Wirtschaftsfaktors „Kunst“ sind beeindruckend. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass auch die Kunst einen entscheidenden Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt beizutragen imstande ist. Aktuell droht zumindest einem Bereich, der künstlerischen Fotografie, eine Verödung. Dieser Prozess hat jedoch bereits vor Jahrzehnten begonnen. Demzufolge ist der Zeitpunkt günstig einen Neustart zu initiieren, da weder Traditionen noch Konventionen dagegen stehen. Aber Kunst kann nicht alleine den Erwerbskünstlern überlassen werden, da Kunst in der Verantwortung des gesamten Volkes steht.

Ich habe Antworten bekommen

Freitag, 30. Juli 2010

Vor wenigen Tagen habe ich meine Empörung heraus geschrieben, Fragen aufgeworfen und um Antworten gebeten. Ihr hattet viel Geduld mit mir, viele Antworten kamen, neue Gesichtspunkte haben sich zu altbekannten Ansichten gesellt und nun weiß ich: Nicht die Antwort sondern die Frage war falsch. (weiterlesen…)

Bitte gebt mir Antworten

Montag, 26. Juli 2010

Vorgestern habe ich die Frage gestellt, warum so häufig digitale Bildwerke auf retro und analog getrimmt werden. Ich bitte um Antworten, was einzelne Fotografen dazu treibt, ein vollkommen digital erstelltes Bild am Ende als Analogbild auszugeben.
Nein, ich will nicht verurteilen … ich will nur verstehen …

Das Paradox des perfekten Unperfektionismus

Samstag, 24. Juli 2010

Auf meinen Streifzügen durch das Internet stieß ich auf ein Paradox des perfekt umgesetzten Unperfektionismus. Da mich beruflich und privat die Sofortbild-Fotografie nicht mehr loslassen möchte, schaue ich natürlich auch die Werke von anderen Fotografen an. Teilweise bin ich erstaunt, was da alles zu sehen ist. Ich hätte es nie für Möglich gehalten, zu welchen gigantischen Leistungen Polaroid-Kameras in der Lage sind und wie gestochen scharf ein abgelaufener Polaroid-Film abbilden kann. Ganz ehrlich, heute wurde ich aufgeklärt … ich bin naiv. Weit über die Hälfte aller auf flickr & Co. gezeigten „echten“ Polaroids sollen digitale Fakes sein. (weiterlesen…)

Bewegung bewegt

Donnerstag, 22. Juli 2010

Eine Revolution auszurufen ist die eine Sache – die Inhalte der Revolution zu erklären, die andere. Ich habe die Revolution in der künstlerischen Fotografie angezettelt, nun muss ich auch Inhalte erklären. Ein Thema ist die Bewegung. Der Doppelsinn dieser Aussage ist kaum zu überbieten. Eine Revolution ist immer eine Bewegung. Wenn es um Fotografie geht, also die Kunst des stehenden Bildes, ist das Einfangen von Bewegung schon etwas schwieriger. Eine der schwierigsten Aufgaben für einen Fotografen ist nach wie vor die Realisierung von Bewegungen in einem statischen Bild. Sicher hat jeder Fotograf bereits aus Zufall ein Bild mit Bewegungsunschärfen eingefangen. Dies jedoch geplant als Bildstil zu praktizieren, ist schwieriger als man glauben mag. Jetzt verbindet sich wohl die Revolution mit der „kleinen Fotoschule“. (weiterlesen…)

Die scharfen Seiten der Revolution

Mittwoch, 21. Juli 2010

Kommune 1 und APO, freie Liebe und Provokation. Über 40 Jahre ist es her, dass revolutionäres Aufbegehren den Muff der bigotten Bürgerlichkeit jedem Winkel deutscher Wohnzimmergemütlichkeit vertreiben wollte. Rückblickend muss man sagen, dass dies recht gründlich geglückt ist. Selbst das Gutbürgertum gibt sich nicht mehr schockiert, wenn in einem Straßencafé ein Paar den bald folgenden Geschlechtsverkehr ungehemmt vorbereitet. Alles scheint offener zu sein, freier, weniger Zwängen unterworfen. Wie kommt es nun, dass die heutige Fotografie mehr Zwängen und Regeln unterworfen ist, als je zuvor? Hat die Betonierung einer neuen Moraldoktrin schon längst die künstlerische Fotografie zur Unbeweglichkeit verdammt? Die Revolution ist ausgerufen. Nun muss sich die Revolution selbst befreien. Es geht nicht um analoge oder digitale Fotografie und es geht auch nicht um Polaroid, Emulsionslift, Bildmanipulation oder sonstige Bearbeitungsmethoden. Es geht um Bildinhalt und Darstellung … nicht mehr, nicht weniger. (weiterlesen…)

Nackt unterm Rock

Montag, 19. Juli 2010

Ich rede von Revolution und will die künstlerische Fotografie revolutionieren. Am Wochenende hatte ich einige Gespräche, die mir zeigten wie wenig Verständnis in der Fotoriege für mein Anliegen herrscht. Es ist doch so bequem das heute Verfügbare anzuwenden, weil auch mit wenig Aufwand Aufsehen erregt werden kann. Die Mehrzahl der Fotografen strebt heute nur noch nach dem kurzen Erregen von Aufsehen. In unserer Gesellschaft geht es sowieso nur noch um das Erregen von Aufsehen. Alles gleicht der Proklamation einer Frau, die öffentlich bekennt, unter ihrem Rock nackt zu sein. Nicht das süße Geheimnis, sondern das platte Bekenntnis soll das Lebensgefühl steigern. (weiterlesen…)

Die Revolution tanzt

Freitag, 16. Juli 2010

Die Revolution der künstlerischen Fotografie hat nichts mit den Revolutionen gemein, die blutige Spuren durch das Land ziehen. Vielmehr stehen wir in der Tradition der Pop-Art, Flowerpower und Woodstock. Über die freie Liebe können wir gerne reden, aber Blut und Tränen gehören nicht zu der Revolution, in die ich mich voll und ganz einbringen will. Die Revolution der Kunstfotografie tanzt!

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Ich mache jetzt Revolutionskunst

Mittwoch, 14. Juli 2010

Die Menschheit neigt zu ultimativen Aussagen. Im Grunde ist es lächerlich, weil jedermann weiß und für sich in Anspruch nimmt, dass es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch eine gigantische Palette an Grautönen gibt. Über Farbe mag ich jetzt gar nicht reden. Trotzdem sind ultimative Aussagen das, worauf sich gut ausruhen lässt. Außerdem ist es leicht, sich ohne Nachdenken an die Aussagemacht anzuhängen. So kann man nichts falsch machen! Die Fotografie ist das beste Beispiel und zudem ein Spiegel unserer Gesellschaft. Man wähle die Kamera A oder B, als Bearbeitungsfilter geht nur X, mit Einschränkungen auch Y, und fertig … ohne große Mühe und fast im Schlaf entstanden … ist das massentaugliche Jubelbild. Gefolgsleute der Masse schlaft weiter, ich bin aufgewacht und veranstalte die Revolution der fotografischen Kunst.

Unikat, 11×17 cm, 400 Euro. (weiterlesen…)

Weht die Fahne der Revolution?

Dienstag, 13. Juli 2010

Revolutionäre verfassen Manifeste, rufen zum Kampf auf, wolle Augen öffnen und möglichst umfassend alles zum Besseren wenden. Was das Bessere bedeutet und ob es tatsächlich besser ist, liegt in der Betrachtungsweise des Revolutionärs. In Zeiten der Unruhe sowie auch in Zeiten der Übersättigung entsteht die Ursuppe der Revolution. Zurzeit liegen Gesellschaftspolitisch beide Umstände vor. Politisch und weltwirtschaftlich befinden wir uns eindeutig in einer unruhigen Gesamtstimmung. Übersättigung ist gleichfalls allenthalben spürbar. Befinden wir uns an der Schwelle einer Revolution? Könnte man revolutionäre Verwerfungen in ähnlicher Weise messen, wie seismologische Datenerfassung auf drohende Erdbeben und Flutwellen hinweist, gäbe es ein Frühwarnsystem … jedoch genau dies fehlt. Gesellschaftsforscher verweisen auf Bildende Kunst, Literatur und Theater, wenn es um das frühzeitige Erkennen von revolutionären Tendenzen geht. Können wir die Fahne der Revolution am Horizont wehen sehen? (weiterlesen…)

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