Menschen wie Du und ich

Menschen wie Du und ich zeige ich auf meinen Bildern. Allerdings häufig in einer anderen Art, als sie uns auf der Straße begegnen. Trotzdem sind es Menschen unserer Umgebung, Nachbarn. Wir können diesen Menschen überall und zu jeder Zeit begegnen. Vielleicht macht das den Reiz der Bilder aus. Es sind Bilder von normalen Menschen. Keine Schönheitsideale, keine Supermodells, keine unantastbaren Schaustücke. Und ich zeige in meinen Bildern deren Wünsche, Sehnsüchte, Erfüllungen, Visionen und auch deren Realitäten. Es ist nicht Schauspiel. Nein, es ist Realität. Sonst wären die Bilder niemals zustande gekommen. Und ich zeige die Sexualität der normalen Menschen. Ungeschönt. Das fasziniert mich.

Bilder zeigen

Mit meinem letzten Blog-Post habe ich eine kleine Welle der Entrüstung ausgelöst. Nein, diesmal haben sich nicht die Porno-Ankläger zu Wort gemeldet (Hunde bellen usw.), sondern all jene, die bedauern, dass ich in Zukunft die Akt-Fotografie nicht mehr so konsequent betreiben werde wie bisher. Ganz ehrlich, mir geht es mit dieser Entscheidung sehr gut und es hat auch keinen Sinn, mich mit allen Mitteln umstimmen zu wollen. Ein gewisser Druck ist von meinen Schultern genommen, Druck den ich nicht mehr brauche und nicht mehr will. Genau so sollte es sein … unabhängig von dem, dass ich auch nicht mehr in der für diese Art der Bilder notwendigen Weise agieren und fotografieren kann. Ende. Aber es gibt ja noch genug Altstoff, der zu zeigen lohnt und über den man reden sollte. So wie diese Bilder hier.

Bilder normaler Menschen und Sexualität

Ich habe es in den letzten Jahren immer bedauert, dass vermehrt nur Plastikschönheiten und verträumte Teiditei-Bilder das Rennen machten. Nicht, weil dadurch meine Bilder in den Hintergrund gedrängt wurden. Nein. Bedauert habe ich, dass ein Bild von Menschen als Quasi-Norm „hinterlegt“ wurde, das nicht der Realität entsprechen kann. Natürlich, Ausnahmeschönheiten gibt es. Aber Schönheit ist Definitionssache. Deshalb ist das ein Grund, die Augen vor normalen Menschen nicht zu verschließen. Wir alle sind normale Menschen. Und wir leben unser normales Leben, habe normale Wünsche und Sehnsüchte. Und wir haben unseren normalen Sex.

Was ist normal? Auch das wird jeder Mensch anders definieren. Normal ist das, was jeder Einzelne für sich selbst als normal deklariert. Und es interessiert Menschen, was andere Menschen tut und empfinden, leben und erleben. Eine Art generationsbezogen gesellschaftswichtige Neugier. Das habe ich versucht zu zeigen. Somit sind meine Bilder in der Vergangenheit richtig und aktuell gewesen. Heute werden sie vielleicht keine 20jährigen mehr ansprechen. Außerdem zeigen die Bilder keine 20jährigen. Und ich will auch keine Zwanzigjährigen ansprechen, weil unser Umfeld nicht zum Großteil aus Zwanzigjährigen besteht. Aus diesem Grund haben mich immer die Bilder normaler Menschen gereizt, ohne Altersunterschied. Weil es auch unserem normalen Leben entspricht. Und hierbei war ich stets daran im Bild interessiert, wie sich die Sexualität ausprägt.

Bild des normalen Menschen pflegen

Ich will nicht sagen, dass das Bild des normalen Menschen nur im sexuellen Kontext entstehen kann. Nein, gewiss nicht. Fotografie ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ich bin geistig mündig in den 1970er Jahren geworden. Die 68er haben für uns eine Menge Breschen geschlagen und wir (meine Generation) konnten es in aller Ruhe und aller Neugier weiter ausbauen. Das zeigt sich auch in meinen Bildern. Heute sind diese Bilder ein wenig unmodern geworden, weil Sexualität heute ein wenig tabuisiert wird. Besonders die oben angesprochenen 20jährigen tun sich damit schwer. Das ist auch in Ordnung. Jede Generation schafft sich ihre eigenen Regeln und Ordnungskriterien. Somit ist mein Schlaganfall und die nachfolgende „Unfähigkeit“ zur Aktfotografie vielleicht zu richtigen Zeitpunkt gekommen 😉

Ich hoffe wirklich sehr, dass die jüngeren Fotografen es weiterhin verstehen werden, ein generationsentsprechendes Bild der normalen Menschen anzufertigen, das ohne Überhöhung und bildtechnische Schönheitsoperationen auskommt. Und sein wir ehrlich, die Fotografie in seiner Gesamtheit ist auch immer ein Sittenbild der Generation. Hoffentlich wird es in der Zukunft nicht langweilig. Aber das liegt in den Händen der Menschen, die dieses fotografische Gesamtbild der normalen Menschen weiter pflegen werden. Meine kontinuierliche Arbeit daran ist zu Ende.

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2 Responses to “Menschen wie Du und ich”

  1. Hendrik 5. März 2016 at 20:34 # Antworten

    Wie immer grandios, sowohl der Text wie auch die Bilder!

    • Michael K. Trout 7. März 2016 at 11:45 # Antworten

      Danke Hendrik! Rückschau verknüpft mit aktuellen Einsichten und Gedanken sind oft wie guter, alter Wein. Bei mir jedenfalls 😉

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